Wädenswil

«In jedem steckt etwas von Madame Bovary»

Das Theater Ariane bringt die Geschichte der «Madame Bovary» auf die Bühne. Die Proben zeigen: Mit Mona Petri hat Regisseur Jordi Vilardaga die Hauptrolle perfekt besetzt. Das Stück feiert am Donnerstag im Theater Ticino Premiere.

Sie ist die Liebe seines Lebens. Doch für Emma alias Mona Petri (rechts) reicht Charles Bovarys (Christof Oswald) Liebe nicht aus. Das weiss auch seine Mutter, gespielt von Rachel Matter.

Sie ist die Liebe seines Lebens. Doch für Emma alias Mona Petri (rechts) reicht Charles Bovarys (Christof Oswald) Liebe nicht aus. Das weiss auch seine Mutter, gespielt von Rachel Matter. Bild: Manuela Matt

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«So! On y va, messieurs, dames! Bitte alle reinkommen», fordert Regisseur Jordi Vilardaga seine Schauspielertruppe auf. Sie betre­ten den Saal des Theaters Ti­cino, und sofort gehört dem Regis­seur ihre volle Aufmerksamkeit. Dieser gibt kurze Anweisungen, welche Szene aus dem Stück «Madame Bovary» er in der Probe nochmals durchgehen möchte, und die Schauspieler nehmen ihre Position ein.

Bis auf ein paar Feinheiten sitzt bereits der Anfang des Stücks «Madame Bovary» nach dem ­Roman von Gustave Flaubert aus dem Jahr 1857. Jordi Vilar­daga hat es mit dem Theater Ariane inszeniert. Das aus Winterthur stammende Theater wurde 2010 gegründet und setzt sich aus ehemaligen Schauspielern des Theaters Kanton Zürich zusammen.

Seit sechs Wochen laufen die Proben. Bis zur Premiere am Donnerstag, 14. September, darf das Theater Ariane im Theater Ti­cino am Stück schleifen. «Eine wirklich luxuriöse Situation», sagt Vilar­daga.

Eine nüchterne Wirklichkeit

Wie ein Musterknabe steht der Landarzt Charles Bovary, gespielt von Christof Oswald, vor dem imaginären Publikum. In der Hand einen schwarzen Schirm und am Arm untergehakt seine Mutter, gespielt von Rachel Matter. Schon nach den ersten Sätzen ist klar: Mit dieser kühlen Frau ist nicht gut Kirschenessen. Sie sprechen über die Liebe und Charles Affaire zu Emma, die er bereits vor dem Tod seiner Frau begonnen hat. Mit einer kind­lichen Leichtigkeit und einem verführerischen und gewinnenden Lächeln schlendert Emma, alias Mona Petri, sodann an den beiden vorbei. Charles hat den Blick fest auf Emma geheftet. Die Schwiegermutter starrt stur gerade aus. «Noch langsamer laufen, Mona», weist Jordi Vilar­daga die Schauspielerin an.

Im Verlauf des Stücks heiratet Charles Bovary die junge Emma, die ­Liebe seines ­Lebens. Doch Emma wird Opfer ihrer trivialen, falschen Romantik, die ihre Fantasie zu Höhenflügen verführt, denen die nüchterne Wirklichkeit einer Provinz-Ehe nicht standzuhalten vermag. Zunehmend entfremdet sie sich von ihrem Ehemann und verwickelt sich in zwei Liebschaften.

Hoffnungslos romantisch

Schon beim Hineinschnuppern in die Proben wird deutlich, dass die auch aus Film und Fernsehen bekannte Mona Petri, die per­fekte Besetzung für Flauberts Emma ist. Überzeugend verkörpert sie die verführerische, verspielte und gleichzeitig hoffnungslos romantische Emma.

«Emma hat ein riesiges Loch im Bauch», beschreibt Vilar­daga Madame Bovarys Charakter. Doch diesen unermesslichen Hunger nach Wohlstand, ­Liebe und Glück vermag sie nicht zu stillen. Die daraus resultie­renden Situationen inszeniert Vilar­daga so, dass sich nicht nur ein Wohlgefühl, sondern auch Beklemmung und Unbehagen beim Publikum breitmachen könnte. «Das Publikum soll sich im Guten und im Schlechten mit Emma identifizieren, denn schliesslich steckt in jedem von uns etwas von Madame Bovary», sagt der Regisseur. Das Stück weckt viele Emotionen, doch man gehe nicht nur ins Theater, um zu lachen, sondern auch, um zu weinen, zu lieben, zu hassen und sich selbst zu hinterfragen, sagt Vilar­daga.

Pianist spielt live zum Stück

«Bitte nicht auf Einsatz spielen, sondern wenn Emma anfängt, sich zu bewegen», gibt der Regisseur dem Pianisten Murat Parlak Anweisung. Parlak begleitet die Aufführung live am Klavier. ­Seine Stücke sind alle selbst komponiert und klassisch.

Während den Proben machen auch die Schauspieler immer wieder Vorschläge zur Verbesserung der Szene, und Vilar­daga nimmt diese häufig an. «Wir probieren, uns in der Probe ­ohne Netz fallen zu lassen und schauen, was passiert», sagt der Regisseur. Dabei versucht das Theater Ariane sein Bestes zu geben, denn: «Das Theater Ticino und dessen Publikum haben es verdient, dass wir saugut sind», sagt Vilar­daga.

Premiere am Donnerstag, 14. September, um 20.30 Uhr im Theater Ticino, Seestrasse 57 in Wädenswil. Weitere Vorstellungen am 16., 17., 20. bis 24. und 27. bis 30. September. Reservation unter Telefon­nummer 044 780 93 58 oder unter der E-Mail: info@theater-ticino.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.09.2017, 10:21 Uhr

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Gepfiffene Arien und Tucek ohne Knut

Mit zwölf Vorstellungen des Theaters Ariane mit dem Stück «Madame Bovary» startet das Theater Ticino in die neue Saison. Fehlen darf in dieser selbstverständlich nicht der Leselustförderer Hardy Ruoss. Einmal im Monat (2. Oktober, 12. November, 11. Dezember und 22. Januar) gibt der Literaturkritiker ­erfrischende Lesetipps.

Erstmals als Solo zu Gast ist ­Olga Tucek mit «Flut, ein Liedgelage» vom 4. bis 7. Oktober. Immer wieder gerne gesehen ist der Puppenspieler Nikolaus Habjan. Diese Saison zeigt er zum vierten Mal seine Inszenierung «F. Zawrel» (6. und 7. November) und pfeift, begleitet vom Barockensemble, die Freitagsakademie Opernarien. Pigor und Eichhorn nummerieren ihr Programm. Mit «Vol. 9» beginnt im Theater Ticino ihre persön­liche fünfte Jahreszeit. Zwischen den Gängen eines Dinners im ­Ticino-Saal spielen Silvana Gargiulo und Nina Dimitri ihr Programm am 29., 30. November, 2. bis 3. und 5. bis 8. Dezember.

Otto Lechner ist blind, doch das hindert den österreichischen Akkordeonspieler und Komponisten nicht daran, zusammen mit Peter Rosmanith den Stummfilm «Die Abenteuer des Prinzen Achmed» zu vertonen. Zu sehen und zu hören am 18. Januar. Gehandicapt sind auch die Schauspieler des Theaters Hora und der Hora-Band, die im Februar ein Dylan-Projekt auf die Bühne des Theaters Ticino bringen. Sehr bissig wird es im Mai, wenn der Puppenspieler Neville Tranter mit seinem neuen Stück «Babylon» die Bühne betritt. Im Juni bildet der Sänger und Entertainer Sven Ratzke den Saisonabschluss.(duc)

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