Rüschlikon

In dieser Ausstellung wird digital wieder zu analog

Die neue Ausstellung der Werner Weber-Stiftung in Rüschlikon zeigt analoge und digitale Fotografien von Eberhard Polatzek und Erika Schmid — überraschende Erkenntnisse inbegriffen.

Analog oder digital oder beides? Erika Schmid mit einem analogen Bild, das sie aus einer digitalen Version zurückverwandelt hat.

Analog oder digital oder beides? Erika Schmid mit einem analogen Bild, das sie aus einer digitalen Version zurückverwandelt hat. Bild: Michael Trost

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Wer analog mit alt und digital mit neu gleichsetzt, könnte in der Fotoausstellung im Brahms-Haus leicht ins Grübeln kommen. Die Fotos von Eberhard Polatzek und Erika Schmid, die ab Freitag zu sehen sind, eröffnen dem Betrachter spannende Einblicke und Querbezüge.

Eberhard Polatzek war als Kurator der Werner Weber-Stiftung der Vorgänger von Erika Schmid, die das Amt im Frühling übernommen hat. Polatzek, 1940 in der nachmaligen DDR geboren, fotografiert seit den 1960er-Jahren. In der Ausstellung in Rüschlikon zeigt er Fotos, die hauptsächlich auf Reisen entstanden sind: Schwarz-Weiss-Bilder aus Portugal, Aufnahmen aus Namibia, den USA oder Argentinien, aber auch aus dem Sarganserland oder dem Engadin.

Frühmorgens unterwegs

Polatzeks Bilder hängen in mehreren Räumen im Brahms-Haus. Sie sind alle in analoger Technik entstanden. Speziellen Wert legt der Fotograf und Schreiner auf die Rahmen, in die er seine Bilder stellt. Sie sind aus Holz, teilweise mit Baumfragmenten bestückt, welche die Sonne oder ein Sandsturm gebleicht haben.

Erika Schmids digitale Fotos brauchen weit weniger Platz, ein Bildschirm in einer Fensternische reicht. Die 60-Jährige zeigt lauter Aufnahmen von Rüschlikon, von denen sich in den letzten Jahren bei ihr Unmengen angesammelt haben, wie sie sagt. Die gelernte Grafikerin, die seit gut zwanzig Jahren in Rüschlikon lebt, hat das Dorf 2013 für das Buch «Kontraste» aus jedem erdenklichen Blickwinkel fotografiert. Am liebsten frühmorgens. Dann seien das Licht und die Farben am schönsten.

Analog und digital, alt und neu: Das Leitmotiv bekommt hier eine erste überraschende Drehung. Die digital arbeitende Fotografin beschränkt sich auf die Nähe, der analog arbeitende Fotograf lässt seinen Blick über die halbe Welt schweifen. Wobei: Die virtuellen Räume in der digitalen Welt wären noch weit unbegrenzter.

Mit einem Klick erweitert Schmid ihren Ausstellungsraum immerhin bis hinunter zum Hafen, wo sie mit viel Geduld an die hundert verschiedene Rosen im Rosengarten fotografiert hat, von der «Black Forest» über die «Gloria Dei» bis zur «Rosanna». Der Rosengarten ist eines von über hundert Motiven, die in der Ausstellung auf dem grossen Bildschirm zu sehen sind.

Schmid, die als Grafikerin noch im analogen Zeitalter aufgewachsen ist und sich erst Mitte der 1990er-Jahre einen Computer anschaffte, kann auch in der aktuellen Ausstellung im Brahms-Haus nicht ganz von der alten Welt lassen. Sie hat einige ihrer Fotos auf Leinwand gedruckt, wo sie wirken, als wären sie gemalt. Etwa der Reiher, den sie unmittelbar vor dem Abflug festgehalten hat, oder die Eisenkette, die durch Wind, Wasser und Kälte zu einer vergänglichen Skulptur geworden ist.

16 mal sechs Quadrate

Mit dem Thema «Analog — digital» habe sie sich auch beim Gestalten des Werbeflyers intensiv auseinandergesetzt, erzählt Schmid, während sie die letzten Bilder aufhängt. In der linken Hälfte sieht man eine Linse, die sich in der rechten Hälfte digitalisiert und in kleine Quadrätchen auflöst.

Hier kommt die nächste überraschende Drehung ins Spiel mit dem Analogen und Digitalen. Schmid hat die Quadrätchen nämlich «zurückanalogisiert», indem sie sie in Acryl auf Leinwand gemalt hat. Entstanden ist ein Bild aus 16 mal 16 Quadrätchen in erstaunlich vielen Farbtönen. Ein analoger Blickfang mitten im digitalen Ausstellungsraum.

Die Vernissage zur Ausstellung «Analog – digital» findet am Freitag, 8. November um 1 9.30 Uhr in der Gartenhalle Nidelbad, Eggrainweg 3, statt. Die Ausstellung im Brahms-Haus, Säumerstrasse 45, ist bis am 1. Dezember jeweils Mittwoch, Samstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Erika Schmids Rosenbilder sind auf rueschlikon-live.ch zu sehen.

Erstellt: 07.11.2019, 16:58 Uhr

Die Werner Weber-Stiftung

Die 1977 vom Maler Werner Weber gegründete Stiftung hat ihren Sitz im Brahms-Haus in Rüschlikon. Sie verwaltet den künstlerischen Nachlass des 1892 in Langnau geborenen und 1977 in Rüschlikon gestorbenen Malers. Seit diesem Frühjahr ist die Grafikerin und Fotografin Erika Schmid neue Kuratorin der Stiftung. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, das Werk Werner Webers wieder vermehrt öffentlich zu zeigen, auch ausserhalb des Brahms-Hauses. (jä)

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