Lädelisterben

In den Zentren gehen die Lichter aus

In den Dorfzentren und Innenstädten gibt es immer mehr freie Ladenflächen. Davon betroffen ist auch die Region Zürichsee.

Die Traditionsmetzgerei Schweizer am Zumiker Dorfplatz musste vor gut einem Jahr den Betrieb schliessen. Bisher steht die Ladenfläche leer.

Die Traditionsmetzgerei Schweizer am Zumiker Dorfplatz musste vor gut einem Jahr den Betrieb schliessen. Bisher steht die Ladenfläche leer. Bild: Archiv Moritz Hager

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Der boomende Onlinehandel und grosse Einkaufszentren setzen den kleinen Läden zu. Insbesondere an zweitklassigen Lagen von Dorfzentren und kleineren Städten – mit wenig Passantenverkehr – droht die grosse Leere. Die urbanen Ballungsräume in den Agglomerationen stehen zunehmend im Banne von Grossstädten. Dies trifft in besonderem Masse auf die Region Zürichsee zu. Insgesamt mussten hierzulande gegen 32'000 Dorfläden in den letzten zehn Jahren ihre Regale und Schaufenster räumen.

In erster Linie wirkt sich das veränderte Einkaufsverhalten der Konsumenten auf die alteingesessenen, oft familiengeführten Geschäfte aus. Das zeigt eine Studie des Wirtschaftsinformationsdienstes CRIF zum Schweizer Detailhandel. Die meisten Schliessungen gab es in den Kantonen Zürich, Waadt und Bern. Allerdings gab es hier in dem Zeitraum auch die meisten Neugründungen. Besonders betroffen waren Kleiderläden. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Kioske und Lebensmittelgeschäfte, die schliessen mussten.

Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Das bringt kleine Geschäfte in die Bredouille. 2018 hat es den Bär Sport am Bahnhof Wädenswil erwischt. Foto: Archiv Manuela Matt.

Die klassischen Ladenpassagen und Geschäfte in den Innenstädten und Dorfzentren haben einen schweren Stand – auch am Zürichsee. Die Vermieter bekunden zunehmend Mühe, die frei gewordenen Ladenflächen mit neuen Anbietern zu füllen.

Zumiker Dorfplatz verwaist

In Zumikon ist das Dorfzentrum geprägt vom lokalen Gewerbe. Doch nun droht der Dorfplatz zu verwaisen. Einen Teil des Problems sieht Gemeindeschreiber Thomas Kauflin im geänderten Einkaufsverhalten der Bevölkerung: «Man geht heute nicht mehr zum Bäcker, zum Metzger, zum Floristen, ins Milchlädeli und in die Papeterie, sondern zum Grossisten, wo man alles im selben Gebäude einkaufen kann.» In Zumikon komme hinzu, dass Migros und Coop mit ihren grossen Einkaufsläden in Waltikon einen Kontrapunkt zum Dorfzentrum gesetzt hätten. Obwohl der Dorfplatz etliche grundlegende Qualitäten aufweise, könnte er als Freizeit-Treffpunkt noch etwas besser besucht sein. Ein Projekt sei in Planung.

«Die meisten Bankgeschäfte können heute im Internet erledigt werden, und wer löst heute noch ein Bahnbillet an einem Schalter?»Thomas Kauflin, Gemeindeschreiber von Zumikon

Nach Auskunft von Kauflin steht im Moment nur eine einzige grössere Gewerbe-Räumlichkeit frei - und diese befindet sich im Umbau für den am Dorfplatz entstehenden Aldi Suisse, welcher im Frühjahr 2020 eröffnen wird. Zwei weitere Vakanzen betreffen deutlich kleinere Lokale: Der Schalter der Forchbahn AG sowie die ehemalige Clientis Zürcher Regionalbank (heute Bank Avera). Kauflin erkennt darin auch einen gewissen Zeitgeist: «Die meisten Bankgeschäfte können heute im Internet erledigt werden, und wer löst heute noch ein Bahnbillet an einem Schalter?» Während an die Stelle der Bank ein Antiquitätenladen getreten ist, gibt es für die Forchbahn noch keinen Ersatz.

Thalwiler Zentrum verändert sich

In Thalwil schliesst das Kindermodegeschäft Idexe am 25. Januar. In den letzten fünf Jahren habe sich die Gotthardstrasse stark verändert, sagt Inhaberin Monika Ulrich. Geschäfte wie Walder Schuhe, Snowboard Garage, Chicorée oder Tally Weijl hätten Thalwil verlassen. Hinzugekommen seien Krankenkassen und Immobilienmakler und - vor allem - Coiffeursalons und Nagelstudios. Für Familien gebe es nicht mehr viele Gründe, ihren Samstagseinkauf im Dorf zu tätigen: «So bleiben Neukunden aus.» Und da die Kinder der Stammkunden aus den Kinderkleidergrössen herauswüchsen, gebe es ein Problem.

Für Ulrich ist klar, dass, abgesehen von der Grundversorgung mit Lebensmitteln, die Bedeutung von lokalen Zentren abnimmt. Thalwil habe noch eine Chance: Wenn am neuen Centralplatz ein guter Ladenmix entstehe, sei der Turnaround vielleicht noch zu schaffen. Für sich selber hat Idexe längst entschieden, wohin die Reise geht: ins frisch renovierte Volkiland in Volketswil. Der Nachfolger in Thalwil steht auch fest. Es ist ein Nagelstudio.

Erstellt: 24.01.2020, 13:48 Uhr

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