Immobilienmarkt

«Es herrscht eine Art Goldrausch»

Verfügbares Wohneigentum ist ein äusserst rares Gut am Zürichsee. Laut der UBS-Studie ist die Nachfrage weiterhin ungebrochen. Expats tragen ihren Anteil dazu bei, erklären die UBS-Experten

Dort, wo es genügend Platz gibt, sind am linken Zürichseeufer verschiedene Grossprojekte am Laufen, bei denen sehr viele Wohnungen auf den Markt kommen. (Symbolbild)

Dort, wo es genügend Platz gibt, sind am linken Zürichseeufer verschiedene Grossprojekte am Laufen, bei denen sehr viele Wohnungen auf den Markt kommen. (Symbolbild) Bild: Archiv Patrick Gutenberg

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In den urbanen Regionen um Zürich werden laut UBS inserierte Mietwohnungen innert weniger Tage vermietet: Was macht diese Region für Wohnungssuchende so attraktiv?
Beat Ostertag*: Die Wirtschaftsmetropole Zürich. Draussen wohnen und in der Stadt arbeiten heisst die Devise, um sowohl die hohe Lebensqualität als auch das breite Kulturangebot nutzen zu können. Dazu kommen die schnellen Verkehrsmittel in die Stadt, ganz abgesehen von den steuerlichen Aspekten, die es rund um den Zürichsee gibt.

Am linken Seeufer wurden letztes Jahr überdurchschnittlich viele Baugesuche eingereicht: Bleibt das so? Matthias Holzhey*: Ja, das gilt insbesondere für Horgen und Wädenswil sowie in Richtung Ausserschwyz. Dort, wo es genügend Platz gibt, sind verschiedene Grossprojekte am Laufen, bei denen sehr viele Wohnungen auf den Markt kommen. Das führt zu einer Ausweitung des Wohnungsbestands von 3 bis 5 Prozent.

«Am Zürichsee werden die Mieten nicht sinken.»Matthias Holzhey, Immobilienanalyst UBS Schweiz

Was heisst das für die Mietpreise in dieser Region im laufenden Jahr?
Matthias Holzhey: Die Mieten werden nicht sinken. Der Leerstand ist nicht angestiegen und dürfte auch im kommenden Jahr im Raum Zürichsee nicht gross ansteigen. Umgekehrt zeigen die Mietzinsen aber auch kein grosses Aufwärtspotenzial.

Wieso haben sich die Preise für Wohneigentum in der Grossregion Zürich so stark nach oben entwickelt?
Matthias Holzhey: Es gibt zwei Gründe. Einerseits sind hier viele neue Arbeitsplätze geschaffen worden, womit auch eine kräftige neue Nachfrage im Markt entstanden ist. Auf der anderen Seite sind die Hypothekarzinsen gesunken, und diese haben einen stärkeren Effekt auf die teuren Wohnungen als auf die günstigen. Deshalb haben wir überdurchschnittliche Preissteigerungen im Raum Zürich.

Am Zürichsee sind der UBS zufolge Luxusimmobilien im vergangenen Jahr ab knapp 20'000 Franken pro Quadratmeter inseriert worden, und die Preise sind hier dreimal so stark angestiegen wie der Schweizer Eigenheimmarkt als Ganzes: Betrifft dies vor allem das rechte Seeufer?
Beat Ostertag: Nein, längst nicht mehr. Wir sehen auch am linken Seeufer mit Kilchberg und Rüschlikon, zum Teil aber auch in Thalwil und in Richtung Ausserschwyz, sehr attraktive Wohngemeinden mit einer ähnlichen Preisentwicklung wie an der Goldküste.

Sie sprechen von einem positiven Preistrend im Luxussegment: Muss einem diese Preistreiberei nicht zu denken geben?
Matthias Holzhey: Die Zahlungsbereitschaft ist – so jedenfalls unser Eindruck – durch eine Art Goldrausch geprägt. Verfügbares Wohneigentum ist extrem knapp in dieser Gegend, und der Glaube, dass langfristig ein Kapitalerhalt, wenn nicht sogar eine Wertsteigerung erzielt werden kann, ist sehr stark. Sollte dieser Glaube einmal Risse bekommen, werden die Preise auch wieder sinken.

«Draussen wohnen und in der Stadt arbeiten heisst die Devise.»Beat Ostertag, Marktgebietsleiter Zürichsee UBS Schweiz

Gibt es eine Käuferschaft für solche horrenden Quadratmeterpreise? Was sind das für Leute?
Beat Ostertag: Wir haben sehr viele Expats, die in die Schweiz kommen, mit viel Geld und guten Jobs. Das spüren wir stark. Das sind aber auch jene Personen, die wieder verkaufen. Natürlich gibt es auch reiche Schweizer, die sich so eine Immobilie leisten können. Beim Luxusbereich stellt sich zudem immer die Frage, wo ich die Eintrittsschwelle ansetze. Sind es 3 Millionen, oder sind es 8 Millionen? Das sind je nachdem andere Käuferkreise.

Laut Immo-Monitoring vom letzten Herbst sind die Eigentumswohnungen rund um den Zürichsee für viele Haushalte zu teuer geworden: Was stimmt nun?
Matthias Holzhey: Wenn Sie die Durchschnittseinkommen der Haushalte anschauen, dann kommt nur für einen sehr geringen Anteil der Leute der Kauf eines Eigenheims infrage. Umgekehrt gibt es hier nur ein sehr beschränktes Angebot, und die potenzielle Käuferschaft setzt sich ja nicht nur aus Personen zusammen, die in der Region wohnen. Von daher gibt es immer wieder eine Zusatznachfrage, die sich auf die besten Lagen konzentriert.

Beat Ostertag ist Marktgebietsleiter Zürichsee von UBS Schweiz und verantwortlich für 18 Filialen in der entsprechenden Region. Matthias Holzhey ist Immobilienanalyst UBS Schweiz.





Erstellt: 24.01.2020, 07:10 Uhr

Beat Ostertag. (Bild: pd)

Matthias Holzhey. (Bild: pd)

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