Wädenswil

Im Ring Kämpfer – in der Garderobe Gentlemen

Am Wochenende fanden in der Glärnischhalle die Deutschschweiz- /Tessin Meisterschaften im olympischen Boxen statt. Zugleich feierte der Zürcher Boxverband sein 75-jähriges Jubiläum.

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Die Luft vibriert förmlich in der Kulturhalle Glärnisch. Während die Kämpfer im Ring hochkonzentriert ihren Gegner fixieren, geht rundherum die Post ab: Trainer brüllen Anweisungen, Fans feuern ihre Boxer an, Besucher fiebern mit. In den Zweikämpfen, welche im olympischen Boxen über drei Runden à je zwei oder drei Minuten dauern, wird alles gegeben. Für viele Nachwuchs-Boxer ist es einer der ersten Wettkämpfe, entsprechend steht vielen auch die Nervosität ins Gesicht geschrieben. Und während manch einer seine Siegespose sichtlich geniesst, verlassen die geschlagenen Gegner mit gesenktem Kopf den Ring.Im Gegensatz zur Wettkampf-Arena ist es im unteren Stockwerk still. Die Athleten gehen vor dem Kampf nochmals in sich, boxen sich ein und sind im Garderoben-Gang am Springseilen. Immer dabei: Die engagierten Trainer, welche ihren Schützlingen die letzten Tipps mit auf den Weg geben – und bei einer Niederlage zur Stelle sind, um diese mental wieder aufzubauen.

Der Frauenanteil bei dieser Box-Meisterschaft liegt bei rund 10 Prozent. Eine von ihnen ist die 32-jährige Tanja Schlienger vom Boxclub Sissach, welche kurz darauf auf Lokalmatadorin Emma Payne vom Box Ring Zürichsee Horgen stossen wird. Die beiden treffen zum vierten Mal aufeinander, Payne war bei diesen Begegnungen bis dato ungeschlagen.

Zwischen Traditionen und Fortschritt

Nebst der Schweizermeisterschaft ist die von der Interessengemeinschaft Zürcher Boxerverband organisierte Deutschschweiz-/ Tessin-Meisterschaft die zweitgrösste Amateurveranstaltung in der Schweiz. Gleichzeitig feiert der Zürcher Boxverband in diesem Rahmen mit einem Jubiläumsdinner sein 75-jähriges Bestehen.

Damit ein langjähriges Jubiläum und eine solche Meisterschaft möglich werden, braucht es viele engagierte Mithelfer und Funktionäre, denen ein grosser Dank ausgesprochen wird. Tobi Kron, Präsident des Zürcher Boxverbandes, schaut in diesem Zusammenhang nicht nur auf die Geschichte des Verbandes zurück, sondern auch auf die Entwicklung der Sportart: «Boxen ist vielseitig, eine tolle Trainingssportart und eine ideale Lebensschule». Die spektakulären KO-Schläge, mit welchem man den Boxsport aus Film und Fernsehen verbindet, sucht man im Amateur-Bereich vergeblich. Hier steht die Sicherheit der Sportler an oberster Stelle, so kämpfen die Junioren und die Frauen-Kategorien mit Kopfschutz.

Die Popularität ist bei der Meisterschaft klar spürbar: Nebst 64 teilnehmenden Boxerinnen und Boxern im Alter von 14 bis 34 sind rund 140 Betreuungspersonen und viele Besucherinnen in der Kulturhalle Glärnisch vor Ort. Fitnessboxen hat sich zu einer Trendsportart entwickelt, welche vermehrt auch Frauen anzieht.

Als Payne und Schlienger im Ring aufeinandertreffen, schenken sich die beiden Frauen nichts. Nach drei Runden steht fest: Payne kann die starke Baslerin dieses Mal nicht bezwingen. Tanja Schlienger ist die Freude an ihrem Sieg anzusehen. Inspiriert fürs Boxen wurde sie durch einen der ganz Grossen: «Ich war schon immer ein riesiger Fan von Mike Tyson». Als Frau in einer Männer-Domäne unterwegs zu sein, sei nicht schwierig: «Man kennt sich in der Schweizer Boxszene und die Jungs sind immer sehr angenehm im Umgang. Im Ring sind sie Kämpfer – in der Garderobe Gentlemen».

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Erstellt: 29.04.2018, 14:49 Uhr

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