Richterswil

Statt einer Ideologie soll der Patient im Zentrum stehen

Trotz Spezialisierung in Integrativer Medizin bleibt die Chirurgie Teil des Richterswiler Spitals.

Der oberste Stock des Paracelsus-Spitals soll ausgebaut werden. Die Onkologie braucht mehr Platz.

Der oberste Stock des Paracelsus-Spitals soll ausgebaut werden. Die Onkologie braucht mehr Platz. Bild: Manuela Matt

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Das Paracelsus-Spital hat den Ruf, ein alternatives Spital zu sein. Die Anthroposophie spielte einst eine grosse Rolle. Die neueste Mitteilung, die Integrative Medizin zu stärken, scheint ein Hinweis zu sein, dass das Paracelsus wieder vermehrt in diese Richtung geht. Jürgen Robe, CEO der Besitzerin NSN Medical AG und interimistischer Klinikleiter, relativiert. Integrative Medizin sei nicht mit Anthroposophie gleichzusetzen. «Integrative Medizin ist der Oberbegriff – eine Variante, aber bei weitem nicht die einzige – ist die anthroposophische Medizin», so Robe.

Die Integrative Medizin soll modern gelebt werden, das bedeute, dass die sogenannte Schulmedizin die Basis sei und die komplementärmedizinischen Verfahren eine Ergänzung. Ziel sei es, den Menschen als Ganzes im Blick zu haben. «Die Verfahren und die Anliegen der Patienten stellen wir in den Vordergrund und nicht eine Ideologie oder spirituelle Lehre», stellt Jürgen Robe klar.

Chirurgie bleibt

Neben dem Schwerpunkt Integrative Medizin behält das Paracelsus-Spital auch die Chirurgie bei, etwa in der Orthopädie, Urologie oder Gynäkologie. Hauptsächlich Belegärzte decken diesen Bereich ab. Allerdings kündigt der Klinikleiter eine Zusammenarbeit mit einem anderen Spital in diesem Bereich an. Der mögliche Partner ist noch nicht bestimmt.

Die neue Ausrichtung habe keinen Einfluss auf den Platz des Paracelsus auf der Spitalliste des Kantons, so Robe. Im Gegenteil: «Es ist ja der ausdrückliche Wunsch der Gesundheitsdirektion, dass sich die kleineren Spitäler spezialisieren.» Klar sei aber auch, dass ein Basisangebot in der Chirurgie beibehalten werden müsse.

Angekündigt hat das Richterswiler Spital nicht nur eine Spezialisierung, sondern auch bauliche Veränderungen. Es wird aber kein Gesuch für ein neues Gebäude gestellt. Vielmehr soll der dritte Stock, der oberste des Gebäudes, ausgebaut werden. Grösstenteils im Innern, aber auch aussen soll der Umbau sichtbar sein. Die Dachlukarne werde nach vorne erweitert, was die Räume deutlich vergrössere, sagt Robe. Die onkologische Ambulanz werde modernisiert und um einen Bereich ausgebaut, der ambulant und stationär genutzt werden kann.

Geplanter Abgang

Keinen Zusammenhang mit den Änderungen habe die Kündigung des Direktors, stellt der CEO klar. «Jens Weber hat bei seinem Stellenantritt gesagt, dass er diese Aufgabe für etwa fünf Jahre übernehmen will.» Dieser Zeitraum sei abgelaufen. Er sei mit Weber befreundet, sagt Jürgen Robe. Als CEO bedauere er den Abgang Webers, als Freund habe er Verständnis dafür, dass dieser sich nach 13 Jahren im Unternehmen verändern möchte.

Erstellt: 25.04.2019, 17:22 Uhr

Ein Spital im Wandel

Das Spital Richterswil existiert schon seit über 140 Jahren. der grosse Bruch kam 1993, als der Kanton Zürich seine Subventionen aufkündigte. Als Retter in der Not präsentierte sich der Bauverein Paracelsusklinik Zürich. Die Richterswiler Gemeindeversammlung stimmte dem Verkauf Ende des Jahres zu. Somit war der Grundstein gelegt für das erste Spital im Kanton, das auch auf antroposohische Methoden setzte. Finanziell war dieser ungewöhnliche Weg aber schwierig. Schon ein Jahr nach der Gründung belief sich das Defizit auf zwei Millionen Franken. Immer wieder gab es Spendenaufrufe.

2013 kam die NSN Medical AG an Bord. Durch die Übernahme konnte der Leistungsauftrag für die Chirurgie beibehalten werden. Es kamen aber auch Diskussionen über die Ausrichtung des Spitals auf. Die NSN wird in erster Linie durch Ärzte getragen. Ziel war es, die Chirurgie zu stärken. Die Kapazität wurde ausgebaut.

2015 entliess das Spital aber zwölf Mitarbeiter der Pflege in der Chirurgie, eine ganze Abteilung. Auch in der Administration kam es zu mehrere Entlassungen. Innert weniger Monate standen 40 Mitarbeitende auf der Strasse. Auch weil die Schulmedizin eine grössere Rolle spielte, verliessen weitere Mitarbeiter das Spital.

Seit 2017 ist die NSN Medical AG einzige Eigentümerin des Spitals, der Trägerverein Paracelsus-Spital hat damals seine Beteiligung verkauft. (paj)

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