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«Ich will jeden Tag das Beste aus mir herausholen»

Äneas Humm, der 22-jährige Bariton aus Wädenswil, kehrt am 7. Mai für einen Liederabend zurück in seine Heimat am Zürichsee. Bei seinem letzten Besuch in Wädenswil nahm sich der Sänger Zeit, um über Musik, die Zukunft und das Leben aus dem Koffer zu sinnieren.

Äneas Humm ist als Sänger viel in der Welt unterwegs. «Meine Heimat ist dort, wo Menschen sind, die mir nahestehen.»
Äneas Humm ist als Sänger viel in der Welt unterwegs. «Meine Heimat ist dort, wo Menschen sind, die mir nahestehen.»
Tobias Humm

Sie sind für ein paar Tage in Wädenswil. Heisst das Verschnaufpause oder ist da auch Arbeit dabei?Äneas Humm:In erster Linie ist es eine kurze Auszeit: Mal wieder Zeit mit meinen Eltern verbringen und alte Bekannte besuchen. Ich treffe mich aber auch mit der Pianistin Judit Polgar und übe für das Konzert im Mai sowie für CD-Aufnahmen. Nächste Woche fliegen wir nach Hamburg für mein erstes Album.

Was wird man darauf hören?Wir nehmen Stücke auf von Richard Strauss, Hugo Wolf, Alban Berg und Viktor Ullmann. Die meisten der Lieder schrieben die Komponisten, als sie selber noch Jugendliche waren. Es ist spannend zu sehen, wie sich der jeweilige Komponist damit auseinandergesetzt hat und wie ich heute damit umgehe.

Anfang Woche waren Sie in Amerika, jetzt am Zürichsee und in ein paar Tagen in Deutschland. Wie gehen Sie mit der ständigen Reiserei um?Ich habe nie darüber nachgedacht, ob das viele Fliegen und das Leben aus dem Koffer anstrengend sein werden. Man akzeptiert es als Teil des Gesamtpakets Musiker. Ich habe das Glück, dass ich jemand bin, der sich überall entspannen kann. Das ständige Unterwegssein führt manchmal zu amüsanten Szenen: In New York, wo ich gerade für ein Vorsingen war, wurde ich spontan angefragt, an einem Konzert einzuspringen. Nach meinem Auftritt an diesem Konzert ging es direkt an den Flughafen, um die Verbindung zu erwischen. Also kam ich im Smoking mit dem Koffer in der Hand aus der Kirche gerannt, in welcher das Konzert stattgefunden hat. Der Taxifahrer schaute mich an und fragte: «Sind Sie gerade vom Altar abgehauen?»

Wo ist Zuhause für jemanden wie Sie, der so viel unterwegs ist?Durch so einen Beruf geht man anders mit dem Begriff Zuhause um. Da ich andauernd woanders bin, weitet sich das Gefühl des Daheimseins aus. Der Begriff wird immer grösser. Heimat ist für mich mittlerweile weniger ein konkreter Ort als vielmehr das Gefühl, mich wohlzufühlen. Meine Heimat ist dort, wo Menschen sind, die mir nahestehen.

Nun treten Sie am 7. Mai wieder einmal in Wädenswil auf. Ist es anders, hier zu singen, als zum Beispiel in Budapest?Meine Erwartungshaltung an mich ist immer dieselbe: Ich will jeden Tag das Beste aus mir ­herausholen, egal wo das Konzert stattfindet. Das Schöne an Auftritten hier ist jedoch, dass Menschen im Publikum sitzen, die ich schon mein ganzes Leben kenne. Wir werden Stücke von Schumann, Mendelssohn-Bartholdy, Alban Berg und Viktor Ullmann aufführen. Die Pianistin Judit Polgar aus Zürich und ich haben uns vor ein paar Jahren an einem meiner Konzerte hier in Wä­denswil kennen gelernt. Heute sind wir ein eingespieltes Team und für unsere Liederabende in ganz Europa unterwegs.

Im Frühling schliessen Sie Ihr Bachelorstudium an der Hochschule für Künste Bremen ab. Wie wird es danach weiter­gehen?Ich habe bereits an verschiedenen Schulen für ein Masterstudium vorgesungen, bis jetzt ist es allerdings noch offen, wo es mich hinverschlagen wird.* Doch ich bin guter Dinge, das laufende Jahr ist bereits gut gefüllt mit Aufträgen und es kommen immer mehr Anfragen dazu. Früher habe ich mir immer konkrete Dinge gewünscht. Ich sagte mir, ich will unbedingt auf dieser Bühne stehen oder jene Stücke singen. Heute stecke ich mir Ziele, die langfristiger sind. Ich wünsche mir, dass ich auch in zwanzig Jahren noch im Geschäft bin, spannende Aufträge bekomme und vor allem, dass ich in meiner Tätigkeit als Sänger Freude und Erfüllung finde.

Liederabend in Wädenswil – Konzertreihe St. Marien, Sonntag, 7. Mai, 17 Uhr, Etzelsaal, Etzelstrasse 3, Wädenswil*Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde im Februar geführt. In der Zwischenzeit wurde Äneas Humm an der Juilliard School in New York aufgenommen und wird dort ab September 2017 bei der Sopranistin Edith Wiens studieren.

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