Thalwil

«Ich will die alte Weihnachtsgeschichte nicht neu aufmischen»

Zum 20. Mal leitet Gabriela Schöb das Weihnachtsspiel in Thalwil. Mit dabei sind die drei Kinderchöre und der Jugendchor der Ökumene Thalwil.

Gabriela Schöb leitet bestimmt, lobt aber die Kinder auch immer wieder für ihre Fortschritte.

Gabriela Schöb leitet bestimmt, lobt aber die Kinder auch immer wieder für ihre Fortschritte. Bild: Michael Trost

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«Es Liecht isch da... es Liecht isch da», konzentriert üben die Kinder unter Anleitung von Kantorin Gabriela Schöb, das Weihnachtslied auf die Reihe zu kriegen. Die Musikerin singt vor, spielt die Melodie auf dem Klavier, lässt die Kinder summen, manchmal den Text wiederholen. «Die zweite Stimme singen wir noch einmal», verlangt sie. Zwischendurch wird korrigiert, erklärt, wo geatmet wird und wie besser artikuliert werden kann.

Gabriela Schöb leitet bestimmt, lobt die Kinder aber immer wieder für ihre Fortschritte. Die Konzentration der singfreudigen Kinder ist beachtlich. Insgesamt 55 Kinder schauen auf die Leiterin, die von Kollegin Erika Weiss assistiert wird, die im «Vorchor» die Jüngsten betreut.

Viele Musikvarianten

Nun studiert Gabriela Schöb das Weihnachtsspiel schon zum 20. Mal ein. Langweilig sei die alte Geschichte für sie nie geworden: Es gebe Hunderte Varianten von alten Volksliedern, musikalischen Krippen-, Sing- und Theaterspielen wie auch Musicals, die das weihnachtliche Geschehen vergegenwärtigen. Nicht alle musikalischen Varianten seien aber geeignet für eine Chorzusammensetzung. Es brauche Erfahrung und ein gutes Einschätzungsvermögen, was der jeweilige Chor zu leisten imstande sei. Sollen es Barock- oder Jazz-Interpretationen sein? Oder doch lieber Lieder aus der populären «Zäller Wiehnacht» von Paul Burkhard?

Im Advent und an Weihnachten wird eine «Weihnachtsmusik» aufgeführt werden. Mitwirken werden die drei Kinderchöre und der Jugendchor mit insgesamt rund 70 Kindern, die Kantorei Thalwil sowie eine vierköpfige Instrumentalgruppe. Die Dreierträgerschaft des Weihnachtsspiels sind die reformierte Kirchgemeinde und die katholische Pfarrei Thalwil sowie die Musikschule Thalwil-Oberrieden.

Die vielen Musikstile beflügeln Gabriela Schöb: Die Weihnachtsgeschichte will sie aber nicht verändern. Sie sagt: «Ich halte mich an den Bibeltext nach dem Lukas-Evangelium. Er ist am Gehaltvollsten. Wenn die ursprüngliche Fassung ‹neu aufgemischt› würde, verlöre sie an Tiefe.» Adaptionen würden schnell kitschig, weiss sie.

Die Musikerin gibt der biblischen Geschichte den Vorrang vor der Musik. Diese sei aber ein sehr gutes «Transportmittel» für die Weihnachtsbotschaft. Damit eine Produktion gelingt, braucht es laut Schöb Disziplin, ein professionelles Know-how sowie die Unterstützung durch Kirchen, Eltern und Musikschule. Nur zehn Proben, inklusive Hauptproben, seien mit den Kindern möglich. In diesen müssten zehn Lieder, teilweise mehrstimmig, erlernt werden. Besonders gefällt der Kantorin in diesem Jahr ein altes Urner Volkslied, in dem der Engel und Maria ins Gespräch kommen. Aber auch bekannte Lieder wie «Es ist ein Ros’ entsprungen...» fänden Anklang bei Jung und Alt.

Zeit schenken

Gabriela Schöb freut sich auf die bevorstehenden Festtage. Sie sagt: «Weihnachten ist das zugänglichste Fest, das wir kennen: Das hilflose Kind muss nicht weiter erklärt werden.» Auch der Wunsch nach Frieden sei in unserer Zeit sehr präsent und nachvollziehbar. Darum besingt die Musikerin mit Kindern und Erwachsenen das Geschehen damals im Stall zu Bethlehem gern.

Der Advent sei für sie zugleich schön und anspruchsvoll: Ich kann viele Kinder ans Singen heranführen, ihnen diese Kunst erschliessen. Dabei betont sie: «Jedes Kind kann singen, man muss in ihm nur die Freude dazu wecken.» Sie stellt zudem immer wieder fest, dass Leute in der Vorweihnachtszeit dünnhäutiger sind: Betagte erinnern sich an ihre Kindheit, Berufstätige sind gestresst, Kinder manchmal überstellig, wenn sie sich draussen nicht austoben können. Damit müsse ein guter Umgang gefunden werden.

Zeit ist für die Kantorin im Advent eine Mangelware. Auch mag sie nicht im Gedränge nach materiellen Geschenken suchen. Viel lieber verschenkt sie Zeit. Sie sagt: «Meine Familie hat sich darauf geeinigt, sich im Sommer einmal im grossen Kreis zu einem ‹Weihnachtsessen› zu treffen.» Auf dieses «weihnachtliche» Treffen freut sich Gabriela Schöb jedes Jahr von neuem.

Die Aufführungsdaten sind zu finden auf www.kirche-thalwil.ch/weihnachtsspiel.

Erstellt: 13.12.2019, 14:35 Uhr

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