Adliswil

«Ich werde in den Medien als Hinterwäldler abgestempelt»

Auf seiner Tournee durch die Zürcher Gemeinden machte SVP-Ständeratskandidat Roger Köppel am Samstag zum ersten Mal im Bezirk Horgen halt – und war «gopfridstutz überwältigt».

Vor knapp hundert Personen sprach Roger Köppel im Restaurant Soodmatte in Adliswil.

Vor knapp hundert Personen sprach Roger Köppel im Restaurant Soodmatte in Adliswil. Bild: André Springer

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Die Chancen, dass der Kanton Zürich SVP-Ständeratskandidat Roger Köppel im Herbst wählt, sind zum jetzigen Zeitpunkt gering. Dies will er ändern, in dem er bis zum Wahltag in jeder Zürcher Gemeinde seine Positionen persönlich vorstellt. Die Tournee begann am Freitagabend – am Samstag sprach er in Adliswil erstmals im Bezirk Horgen.

Im Restaurant Soodmatte trafen die rund 100 anwesenden Gäste auf einen entspannten Ständeratskandidaten. Der Wahltermin ist noch weit weg, die Nervosität damit ebenso, und der volle Saal zeigte, dass die Idee der unzähligen Reden zu funktionieren scheint. «Jetzt gsehn ich sie entli mal live» rief eine ältere Dame Köppel zu, kurz bevor er um 11 Uhr vor sein Publikum trat. «Ebe, gäll», erwiderte dieser und half weitere Stühle für die noch stehenden Gäste hereinzutragen.

Köppel überzeugt mit Rhetorik

«Gopfridstutz, ich bin überwältigt. Ich dachte, es kommen zwei, drei Leute für eine vertiefte Diskussion und jetzt ist der Raum voll», sagte Köppel dann zu Beginn seiner Rede und alle lachten. Das Eis war damit gebrochen und der Weltwoche-Chef legte gleich zu Beginn seine stärkste Waffe auf den Tisch – seine rhetorische Brillanz. Köppel bespielte damit die ganze Klaviatur.

Beim Thema Klimawandel sprach er nur selten vom abstrakten rot-grünen Lager, dass er als Gegner ausgemacht hat. Stattdessen personifizierte er das Thema an Balthasar Glättli. Der Grüne Politiker steht für Köppel exemplarisch für den Typus Bevormundungspolitiker. Der Klimawandel sei unbestritten, daraus sollten Politiker aber nicht Kapital schlagen, um uns ihre Regeln aufzudrücken, befand Köppel. «Wollen Sie, dass Balthasar Glättli einer Mutter mit zwei Kindern sagt, sie muss das Essen und die Windeln mit dem Tram nach Hause bringen, weil sie das Auto nicht mehr nutzen darf?», «Oder wollen Sie, dass Balthasar Glättli ihnen vorschreibt, mit welchen Waren sie künftig noch ihren Kühlschrank füllen dürfen?», fragte er seine Zuhörer.

So spricht Roger Köppel. Immer in Bildern, immer anhand alltäglicher Beispiele und meistens mit einem konkreten Gegner im Visier. Die Anwesenden überzeugte diese Art. Sie nickten. Sie stimmten ihm spontan zu und zischten den Nachbarn ein kurzes «Psst» hinüber, wenn diese ob der Ansprache in eine eigene kleine Diskussion verfielen und der Mann am Pult dadurch nicht mehr richtig zu hören war.

Keine Widerrede

Reden wollte Roger Köppel am Samstagmorgen rund eine halbe Stunde, danach sollten die Anwesenden Fragen stellen. Die Themen waren der Klimawandel, der EU-Rahmenvertrag und die Masseneinwanderung. Alleine für das erste Thema beanspruchte Köppel dann rund 45 Minuten Redezeit. Schliesslich dauerte die Veranstaltung beinahe doppelt so lange, wie angekündigt. Und auch die Fragerunde am Schluss war eigentlich überwiegend dazu da, dass Köppel weitere Stichworte bekam, um seine Parolen nochmals neu aufzurollen.

Widerrede gab es an diesem Tag in Adliswil nicht. Die Gäste schienen allesamt aus dem bürgerlichen Lager zu kommen und hätten Roger Köppel wahrscheinlich ihre Stimme auch ohne diesen Anlass gegeben. Politisch anders Denkende blieben der Rede fern oder meldeten sich nicht zu Wort. Warum also tut sich Köppel das an? Denn zusätzliche Stimmen scheint er damit keine zu gewinnen.

Brandrede gegen die Medien

Im geht es bei diesem Marathon darum, dass er die bürgerliche Basis mobilisieren kann. Er hat Angst davor, dass die Medien seine Botschaft verwässern, darum will er sie selber in die Gemeinden tragen. Dies erklärte er in einer rund zehnminütigen Brandrede gegen die Schweizer Medien. In seinen Worten klang das so: «Mit meinem Themen Unabhängigkeit und Fremdbestimmung wird man in den Medien kaputtgemacht und als Hinterwäldler abgestempelt.»

Aber ganz ohne die Medien soll es dann doch auch nicht sein. Als sich diese Zeitung nämlich zwei Tage vor dem Anlass bei Köppels Sekretärin über die genaue Uhrzeit des Auftritts informiert hat, war die Freude gross, dass man sich für die Rede von Herrn Köppel interessiere.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.04.2019, 10:09 Uhr

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