Wädenswil

«Ich finde, man darf zwischendurch auch ein wenig provozieren»

Mit zahlreichen Anlässen feierte die reformierte Kirche Wädenswil heuer ihr 250-Jahr-Jubiläum. Projektleiter Pfarrer Ernst Hörler zieht nun im Interview Bilanz über ein Jahr, in welchem die Kirche überrascht, aber auch provoziert hat.

Die reformierte Kirche Wädenswil hat einige Kirchenbänke zugunsten von mehr Freiraum für Veranstaltungen entfernt. Die Diskussion darüber dauert über das Jubiläumsjahr hinaus.

Die reformierte Kirche Wädenswil hat einige Kirchenbänke zugunsten von mehr Freiraum für Veranstaltungen entfernt. Die Diskussion darüber dauert über das Jubiläumsjahr hinaus. Bild: Manuela Matt

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Wie sieht Ihr Fazit am Ende des Jubiläumsjahres aus?
Ernst Hörler: Unser Ziel der Festlichkeiten war es ja, verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Interessen einzuladen und ihnen unsere Kirche näherzubringen. Deswegen entschieden wir, immer wieder andere Veranstaltungen zu organisieren, von kunsthistorischen Führungen über die Kinderwagen-Wallfahrt hin zur Ballnacht. Damit konnten wir übers Jahr hinweg verteilt verschiedene Dinge ausprobieren, welche das Thema Glauben aus ungewöhnlicher Perspektive aufnahmen. Wir sind in diesem Jahr sicher präsenter gewesen als sonst und zu den meisten Anlässen kamen mehr Menschen als erwartet. Auch im Gespräch mit den Leuten im Dorf erhielt ich oft positive Rückmeldungen.

Konnten Sie mit den Anlässen ein anderes Bild der Kirche vermitteln?
Ich stelle oft fest, dass Menschen ein bestimmtes Bild von der Kirche im Kopf haben und sich dieses manchmal über Jahrzehnte hinweg verfestigt hat. Ich hoffe, wir konnten vielen Menschen eine Gelegenheit geben, dieses vielleicht veraltete Bild etwas zu korrigieren und andere Facetten der Kirche zu zeigen. Für einige Gläubige war das Tanzen und das Essen in der Kirche eine Provokation. Ich finde, man darf zwischendurch ruhig auch ein wenig provozieren und damit Diskussionen in Gang setzen.

«Ich hoffe, wir konnten vielen Menschen die Gelegenheit geben, ihr veraltetes Bild der  Kirche zu korrigieren.»Pfarrer Ernst Hörler

Wird es 2018 weitere ausgefallene Anlässe in Ihrer Kirche geben?
Die Festivitäten haben sich primär auf das Jubiläumsjahr konzentriert. Die Durchführung von so vielen Anlässen war ein grosser personeller Aufwand. Das Geld dafür wurde ausschliesslich für das Jubiläumsjahr bewilligt. Aber natürlich haben wir auch geprüft, welche Anlässe besonders gut ankamen und was man in einer solchen oder allenfalls leicht veränderten Form wieder durchführen könnte. Dies hängt auch ein Stück weit von der Diskussion um die Kirchenbänke ab, die momentan aus der Kirche entfernt sind.

Inwiefern?
Je nachdem haben wir unterschiedliche Platzverhältnisse zur Verfügung. Hier gilt es die Entwicklung abzuwarten. Weitere Begegnungsmöglichkeiten in der Kirche sind aber auf alle Fälle geplant. Ich würde mir wünschen, dass wir diesen Kirchenraum für Veranstaltungsformen nutzen können, welche den Bedürfnissen der Menschen von heute entsprechen.

Und wie wollen Sie den Schwung des Jubiläumsjahres mit ins neue Jahr nehmen?
Dadurch, dass die Petition der IG Freiraum von fast 500 Personen unterschrieben worden ist, ist der Gedanke der lebendigeren Kirche auch vermehrt ins Dorf getragen worden. Ich glaube, genau dort können wir anknüpfen. Konkret spüre ich aber auch die Erwartungen einiger Kirchgänger, dass nach diesem Jubiläumsjahr der Kirchenbetrieb nun wieder «normal» weitergeführt wird, wie man es sich gewohnt ist. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.12.2017, 15:50 Uhr

Reformierter Pfarrer in Wädenswil, Ernst Hörler

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