Horgen/Bellinzona

«Hydranten-Killer» steht schon wieder vor Gericht

Ein Horgner muss sich am Bundesstrafgericht verantworten, weil er die Migros erpresst haben soll. Ein Nebenaspekt ist das Beschädigen von sechs Hydranten in Zürich. Der Rentner wurde schon einmal verurteilt, weil er in Horgen ein Dutzend Hydranten auf dem Gewissen hat.

Der Rentner aus Horgen machte sich von 2008 bis 2010 in Horgen als Hydranten-Killer einen Namen.

Der Rentner aus Horgen machte sich von 2008 bis 2010 in Horgen als Hydranten-Killer einen Namen. Bild: Symbolbild/Heinz Diener

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Er hat es schon wieder getan. Davon ist zumindest die Bundesanwaltschaft überzeugt. Der 76-jährige aus Horgen wurde vor einiger Zeit als «Hydranten-Killer» bekannt. Ein gutes Dutzend hatte er in Horgen zerstört. Bis vor Bundesgericht ist er gegen die Verurteilung vorgegangen — ohne Erfolg. Nun wird ihm vorgeworfen, in Zürich sechs weitere «Opfer» auf dem Gewissen zu haben. Der Hauptgrund, warum sich der Bauer in Bellinzona am Bundesstrafgericht verteidigen muss, ist aber Erpressung.

Im Sommer 2016 ist beim damaligen Migros-Chef Herbert Bolliger ein anonymes Schreiben eingegangen, in dem mit der Vergiftung von Lebensmitteln gedroht wurde. Gefordert wurden 210 000 Euro. Das Schreiben soll vom Horgner verfasst worden sein.

Weiter soll er ein Schliessfach am Bahnhof Zürich Enge gesprengt und seinem Nachbar die Bürotüre zugeklebt haben, indem er Klebstoff ins Schloss gespritzt hat.

Arabische Schrift am Ende

Wie der «Blick» schreibt, hat der 76-Jährige vor Gericht sämtliche Vorwürfe abgestritten. Er sei weder der «Hydranten-Killer» noch der Migros-Erpresser. Der Brief, der an die Migros ging, endete mit dem Satz in arabischer Schrift: «Irak Spezial Total Allah». Ein Mitarbeiter der Migros sollte auf dem Autobahn-Rastplatz St. Margrethen im Kanton St. Gallen aus einem Abfallkübel weitere Handlungsanweisungen herausziehen.

Zudem sollte die Migros im «St. Galler Tagblatt» ein Inserat mit dem Text «MM sucht Frau, offen für alles, 666» aufgeben. Er lese das Tagblatt gar nicht, gab der Beschuldigte an der Verhandlung zu verstehen. Zudem habe er gar nicht gewusst, wer dieser Herbert Bolliger überhaupt sei. Er verlangt einen Freispruch in allen Punkten.

Verräterische DNA-Spuren

Der Bundesanwalt ist hingegen von der Schuld des Horgners überzeugt. Er fordert eine unbedingte Freiheitsstrafe von 42 Monaten. Die 2012 ausgesprochenen zehn Monate bedingt sollen ebenfalls vollzogen werden. Er hat handfeste Beweise: DNA-Spuren des Beschuldigten wurden am Couvert des Erpresserschreibens gefunden, ebenso wie an einem Stück Schnur, das im gesprengten Schliessfach lag. Die Schnur sei durch einen Unbekannten absichtlich platziert worden, um die Polizei auf eine falsche Fährte zu schicken, sagte der Beschuldigte dazu. Auch die Spuren auf dem Etikett erklärte er so.

Das Vorgehen bei den gesprengten Hydranten gleicht den früheren Fällen. Die Hydranten wurden mit selbst gebastelten Bomben gesprengt. An den Tatorten fanden die Ermittler Bekennerschreiben, die auf Linksextremisten hindeuteten. Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft waren diese Schreiben fingiert. Als Motiv für die diversen Taten nannte der Bundesanwalt laut «Blick» Rache gegen die Mächtigen. Dazu zählte er neben der Gemeinde Horgen die SBB und die Migros. Das Gericht wird das Urteil voraussichtlich am 18. Dezember veröffentlichen.

Dass der Mann als «Hydranten-Killer» gilt, liegt übrigens nicht am Bezirksgericht Horgen. Erstinstanzlich wurde der 76-Jährige nämlich aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Erst das Zürcher Obergericht hielt die Beweise der Staatsanwaltschaft für überzeugend genug. Das Bundesgericht bestätigte danach die ausgesprochene Strafe von zehn Monaten Gefängnis auf Bewährung. Unbestritten ist, dass der Landwirt mit der Gemeinde Horgen einen jahrelangen Streit geführt hat. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.11.2018, 16:31 Uhr

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