Hotellerie

Hotels erhoffen sich mehr Freiheit in der Preisgestaltung

Eine strengere Regelung von Buchungsportalen wie Booking.com wird von den Hotelbetreibern in der Region begrüsst. In Zukunft sollen die Betriebe wieder selbst entscheiden können, für wie viel Geld sie die Zimmer bei Direktbuchungen vergeben.

Rund 20 Prozent aller Buchungen von Hotelzimmern werden heutzutage über die Internetplattform Booking.com getätigt.

Rund 20 Prozent aller Buchungen von Hotelzimmern werden heutzutage über die Internetplattform Booking.com getätigt. Bild: Sabine Rock

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Wer im Internet ein Hotel am Zürichsee sucht, landet fast unweigerlich auf der Seite des Online-Buchungsportals Booking.com. Fast 20 Prozent aller Buchungen laufen über diese Plattform. Für die Hotels bieten Booking.com und Portale wie Expedia oder HRS eine bedeutende Werbefläche. «So werden wir von Gästen im Ausland besser gefunden», sagt Marianne Bucher, General Manager des Sorell Hotel Speer in Rapperswil-Jona.

Die bessere Auffindbarkeit hat jedoch einen hohen Preis. Die Verträge der Buchungsplattformen verbieten den Nutzern, ihre Zimmer auf der eigenen Website günstiger anzubieten, und verlangen zudem Kommissionen von durchschnittlich 13 Prozent. Mit der Bestpreisgarantie wollen die Portale verhindern, dass sie von den Hotels nur als Gratiswerbung genutzt werden, die Gäste dann jedoch Direktbuchungen tätigen.

Mit diesen Knebelverträgen soll jetzt Schluss sein. Im September sprach sich nach dem Ständerat auch der Nationalrat für eine Motion aus, welche die Bestpreisgarantie der Onlineportale in Zukunft verbieten will. Die Lex Booking muss nun vom Bundesrat ausgearbeitet werden.

Mehr Flexibilität für Hotels

Marianne Bucher vom Sorell Hotel Speer in Rapperswil-Jona begrüsst den Parlamentsentscheid. «Endlich erhalten wir unsere Freiheit zurück», sagt sie. «Die bisherigen Vertragsverpflichtungen lassen dem Hotelier wenig Spielraum, was den Preis betrifft. Spezialangebote sind nicht erlaubt, selbst wenn noch viele Zimmer frei sind.» Obwohl gerade Firmen nach wie vor meist direkt buchen würden, gingen mittlerweile rund 20 Prozent aller Buchungen über Plattformen wie Booking.com ein. «Es schmerzt uns immer ein bisschen, wenn Reservationen nicht direkt im Hotel getätigt werden, da wir ­jeweils sehr hohe Abgaben leisten müssen», sagt Bucher.

Für eine gute Platzierung bezahlt das Hotel Speer 15 Prozent der Zimmerpreise an Kommissionsgeld. Um dies zu umgehen und Gästen einen Anreiz zu bieten, weiterhin Direktbuchungen zu tätigen, bieten die Sorell-Hotels ihren treuesten Gästen zusätzliche Dienstleistungen oder Rabatte bei Buchungen, die direkt beim Hotel eingehen.

Nicht länger ein Spielball

Auf solch kreative Lösungen war Pascal Rhyner vom Hotel Meierhof in Horgen bisher nicht an­gewiesen. «Der Grossteil unserer Gäste bucht nach wie vor direkt», sagt er. Buchungsplattformen würden nur eine untergeordnete Rolle spielen, da das Hotel aufgrund des Standortes nur schwer auffindbar sei. «Touristen aus dem Ausland sagt Horgen meist nichts», sagt er. Trotzdem begrüsst er den Entscheid, gewisse Vertragsregelungen der Portale zu verbieten. «Dadurch erhalten wir wieder mehr Flexibilität, die Preise an die aktuelle Nachfrage anzupassen», sagt Rhyner.

«Durch die Lex Booking erhalten wir wieder mehr Flexibilität.»Pascal Rhyner, Direktor Hotel Meierhof, Horgen

Dem stimmt auch René Grüter vom Romantik-Seehotel Sonne in Küsnacht zu. «Die Lex Booking ist ein Muss», sagt er. Momentan gingen rund 30 Prozent der Buchungen über Onlineplattformen, was hohe Kommissionen bedinge. «Wir versuchen, möglichst viele Gäste dadurch zu gewinnen, dass wir bei Direktbuchungen einen gewissen Mehrwert – etwa einen Aperitif – bieten», sagt Grüter. Obwohl der Betrieb intensiv ins Marketing investiere, sei es schwer, gegen die Buchungsportale zu konkurrieren. «Überall im Fernsehen wird für Booking.com und Co. ­geworben. Da können wir nicht mithalten», sagt er.

Um trotzdem konkurrenzfähig zu bleiben, bietet das Hotel Sonne auf der eigenen Website auch günstigere Preise als Book­ing.com an. «Dafür werden wir dann mit einer schlechteren Platzierung abgestraft», sagt Grüter. Er hofft, dass die neue Regelung dem ein Ende setzt. «Wir wollen nicht länger ein Spielball der Buchungsportale sein.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.10.2017, 16:04 Uhr

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