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740 Horgner ins Bild gerückt

Ortsansässige haben unter dem Motto «Das Gesicht von Horgen» insgesamt 740 Portraits geknipst, die nun bis zum 19. November auf aneinander gereihten Stellwänden im Dorfzentrum zu sehen sind. Am Mittwoch war Vernissage.

740 Portraits von Horgnern und Horgnerinnen werden über eine Länge von 300 Metern auf 125 Stellwänden gezeigt.
740 Portraits von Horgnern und Horgnerinnen werden über eine Länge von 300 Metern auf 125 Stellwänden gezeigt.
Michael Trost

Wer in den nächsten sechs Wochen ab dem Bahnhof Horgen See hinauf zum Gemeindehaus, dann zum Schinzenhof, weiter zum Dorfplatz und bis zum Schwanenplatz spaziert, sieht sich mit vielen Horgnerinnen und Horgnern konfrontiert. Die Männer, Frauen und Kinder sind zwar kein Gegenüber in Fleisch und Blut. Die vielen Portraits, fotografiert von einheimischen Hobbyfotografen, laden aber doch zur Begegnung mit Horgnerinnen und Horgnern ein, die hier leben oder arbeiten.

Innovatives Projekt

Die Idee zu diesem innovativen Kulturprojekt mit Portraitbildern stammt vom Kulturfonds Horgen. Ab vergangenem April bis zum Sommer motivierte dieser Fotografinnen und Fotografen, die gemäss der Devise «Wir sind Horgen. Wir machen unser Dorf aus. Horgen lebt» Menschen ablichteten. Viele sollten es sein, um das vielfältige Gesicht der Gemeinde zu zeigen.

Ein Foto mit dem eigenen Foto. Bild: Michael Trost.
Ein Foto mit dem eigenen Foto. Bild: Michael Trost.

Und viele sind es geworden: 48 Fotografen, 28 Männer und 20 Frauen, knipsten insgesamt 740 Portraits. Sie werden nun auf 300 Metern Länge auf 125 Stellwänden gezeigt. Fünf oder sechs Bilder sind auf einer einzelnen Blache zu sehen. Das ergibt eine lange Reihe, die sich nun durchs Dorf schlängelt. Fröhliche und nachdenkliche, neugierige und entspannte, offenherzige und kritisch blickende Augenpaare suchen ein Gegenüber, um den Dialog über die Gesichter in Horgen anzuregen.

Zu hoffen ist, dass auch Menschen, die sonst durch Horgens Dorfzentrum hetzen, vor den Bildern einen Halt einlegen, Bekannte auf den Blachen entdecken und sich mit Unbekannten zumindest bildlich auseinandersetzen.

Ungiftige Schlange

An der Vernissage vom vergangenen Mittwoch, an der rund 200 Personen teilnahmen, nahm Gemeindepräsident Theo Leuthold das Bild von der «langen und imposanten Schlange in Horgen» wieder auf. Diese sei zwar nicht giftig, sinnierte er, obwohl das Ungetüm über 700 Glieder umfasse. Somit hätte jede 30. Person von Horgen einen Platz in der Bilderschlange gefunden. Jeder und jede verkörpere also 29 andere.

Obwohl alle portraitierten Personen die Mitbürgerinnen oder Mitbürger bezeichnen könnten, für die sie hier repräsentierten? Theo Leutholds rhetorische Frage liess sich nicht beantworten. Er lobte das Kulturprojekt aber als «überraschend, anregend und begeisternd». Wichtig ist für ihn, dass es vor allem die Vielfalt der lebendigen Dorfgemeinschaft aufleben lässt.

Der Mensch im Mittelpunkt

Sehr zufrieden mit dem Resultat der Ausstellung ist auch Stefan Schäppi, Präsident des Kulturfonds Horgen. Auch er hielt vor Horgens Gemeindehaus eine kleine Rede vor dem interessierten Publikum. Für ihn ist «´das Gesicht von Horgen´ insgesamt zu einer irrsinnig schönen und grossartigen Installation mit 800 direkt Beteiligten geworden». Das Engagement so vieler Horgnerinnen und Horgner freue ihn.

Es sei bei diesem Projekt das Ziel gewesen, die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Oft sei Kultur ja nicht menschlich, sondern sächlich: Nicht der Mensch, sondern das Bild, die Skulptur, die Installation, die Foto, das Buch etc. würde erstellt. Diesmal sei es aber um Gesichter, um Köpfe, um viele Köpfe gegangen. Auch die grosse Anzahl der Bilder in der Installation sei wichtig. Sie garantiere, dass kein Kopf verloren gehe, aber auch keiner zu dominant daherkomme. Die Masse sei in diesem Fall ein Pluspunkt.

Das kulturelle Gesamtwerk, das viele Horgnerinnen und Horgner ins Bild rückt, ist ein «Wurf», darüber waren sich die Gäste an der Vernissage einig. Beim spendierten Apéro auf der vom Mond beschienenen Schinzenterrasse blieben die Kulturinteressierten noch lange im Gespräch. Bestimmt werden viele in den kommenden Wochen noch mehr als einen Rundgang entlang der menschlich beseelten Plakatwände unternehmen.

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