Horgen/Thalwil

Horgner Tagesheim gibt die Selbständigkeit auf

Dass die Thalwiler Stiftung Serata die Horgner Tagesstätte Tagaktiv übernimmt, kommt Tagesgästen aus der gesamten Zimmerbergregion zu Gute. Sofern diese bereit sind,von Horgen nach Thalwil mitzuzügeln.

Sprechen beide von einer Win-win-Situation: Monika Schalch (links) und Silvia Müller Beerli vor dem Neubau Serata 4, wo Tagaktiv im Frühling einzieht und zu Serata Tagaktiv wird.

Sprechen beide von einer Win-win-Situation: Monika Schalch (links) und Silvia Müller Beerli vor dem Neubau Serata 4, wo Tagaktiv im Frühling einzieht und zu Serata Tagaktiv wird. Bild: Moritz Hager

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Monika Schalch wirkt erleichtert, dass durch den Zusammenschluss die Nachhaltigkeit gesichert ist. Seit zwölf Jahren führt sie, gemeinsam mit ihrem Mann Leo, in Horgen Tagaktiv, das Zentrum für Tagesaufenthalte. Immer wieder sieht sie sich mit ganz pragmatischen Alltagsproblemen konfrontiert: Wie schleppt sie 60 Liter Milch in die zwei verbundenen Wohnungen an der Seestrasse 63, wo Tagaktiv seit acht Jahren eingemietet ist? Oder wie parkiert man am besten vier Rollstühle und zwei Rollatoren in einem Esszimmer, das als normales Familien-Esszimmer konzipiert ist?

Solche Sorgen werden Monika Schalch gar nicht mehr lange plagen. Denn ab April 2018 ist Tagaktiv in die Thalwiler Altersstiftung Serata integriert und wird als Serata Tagaktiv weitergeführt. «Es ist für uns ein absoluter Glücksfall, dass wir in den Neubau des Serata wechseln können», sagt Monika Schalch. «Denn es ist eine Parterrewohnung und darüber befinden sich Wohnungen. Das heisst, wir behalten unsere Eigenständigkeit und den privaten und familiären Charakter, auch wenn wir einem grossen Partner angeschlossen sind.»

Team wird übernommen

Serata Tagaktiv wird seine Esswarenbestellungen im Serata aufgeben können. Die Administration übernimmt ebenfalls Serata. Auf der Wohnfläche von 300 Quadratmetern werden auch die Rollstühle und Rollatoren besser aneinander vorbei kommen. Und es dürfte keine Nachbarn mehr geben, die sich an diesen stören, wie an der heutigen Adresse; oder noch extremer am vorherigen Standort, wo Tagaktiv wegen der Nachbarn, die sich über die Rollstühle ärgerten, die Kündigung erhalten hatte.

Auch Ernst Schaufelberger, Stiftungsratspräsident des Serata, spricht von einer «glücklichen Fügung». Denn Serata wird nicht nur das theoretische Know-how von Tagaktiv übernehmen, sondern auch das Praktische: Alle vier Mitarbeiterinnen und ein Aktivierungsfachmann in Ausbildung können bleiben, und Monika Schalch wird das Team weiter leiten. Neu einfach als Angestellte von Serata. «So gelingt es uns, eine wichtige Lücke in unserem Angebot zu schliessen», sagt Schaufelberger.

Silvia Müller Beerli, seit vier Jahren Geschäftsführerin des Serata, ist ihrerseits sehr froh, auf eine mehr als zehnjährige Erfahrung zurückgreifen zu können und Strukturen weiterzuführen, die sich bewährt haben. «Tagaktiv ist mit Abstand die am profenssionellsten geführte Tagesstätte im Bezirk Horgen.» Ausserdem passe die Philosophie von Tagaktiv sehr gut zu Serata. «Egal, ob zwölf Tagesgäste im Haus sind oder nur einer – an der Tagesstruktur mit den verschiedenen Aktivitäten wird festgehalten», sagt Silvia Müller Beerli.

Nötiges Geld aus Wohnungen

Zum Kaufpreis, zu dem Serata Tagaktiv übernimmt, haben die beiden Institutionen Stillschweigen vereinbart. Ernst Schaufelberger sagt nur, die Anschaffung bringe die Finanzen der Stiftung nicht aus dem Lot. Es seien vor allem die Alterswohnungen, die Serata anbietet – und in Serata 4 noch vermehrt anbieten wird –, welche die nötige Liquidität in die Kasse spülen.

Obwohl sich mit Tagesplätzen praktisch kein Geld verdienen lässt – vor allem wenn es nur eine kleine Anzahl von Plätzen sind –, waren nicht zuletzt finanzielle Aspekte mit ein Grund für den Zusammenschluss. Ernst Schaufelberger sagt: «Der Markt ist begrenzt.» Im Raum Zimmerberg gebe es vielleicht 250 Personen, auf die ein Tagesheim zugeschnitten ist. «Anstatt dass wir parallel zu Tagaktiv ein neues Angebot aufbauen und wir uns gegenseitig Kunden abspenstig machen, spannen wir lieber zusammen», sagt der Stiftungsratspräsident.

Eine bessere Kostendeckung erhoffen sich Ernst Schaufelberger und Silvia Müller Beerli dank der Vergrösserung von 15 auf 24 Plätze. «Eine Auslastung von 18 bis 20 Gäste pro Tag wäre gut», sagt Silvia Müller Beerli. Nach dem ersten Betriebsjahr sollte Serata Tagaktiv kostendeckend funktionieren. Mithelfen dürfte bei dieser Rechnung, dass die Krankenkassen künftig einen Teil der Kosten übernehmen werden, da die Tagesstätte einem Alterszentrum angegliedert sein wird.

Angebot nach wie vor regional

Auf Bedauern stösst der Wegzug von Tagaktiv bei der Gemeinde Horgen. Karl Conte, Abteilungsleiter Alter und Gesundheit, sagt: «Wir bedauern die Entwicklung, denn Tagaktiv ist ein kompetentes, gutes Angebot.» Als regionales Angebot werde es den Horgnern aber weiter offen stehen, einfach der Weg werde nach dem Umzug länger. Mit Mehrkosten rechnet Conte nicht, da die Gemeinde Horgen bereits 2012 eine Leistungsvereinbarung mit Tagaktiv abgeschlossen habe. «Für die Benutzer hat die neue Zusammenarbeit sogar Vorteile, denn dadurch kann die Tagesbetreuung mit der Krankenkasse abgerechnet werden», sagt Conte.

Rundum erfreut ist die Exekutive von Thalwil. Der zuständige Gemeinderat, Peter Klöti (FDP) findet die Angebotserweiterung von Serata eine Chance für die Gemeinde Thalwil, im Bereich der ambulanten, teilstationären Betreuung und Pflege weitere Fortschritte zu machen. Die bestehende Leistungsvereinbarung mit Tagaktiv werde mit der Eröffnung im Serata ausser Kraft gesetzt. Die Gemeinde werde Kostenanteile übernehmen müssen. Die Risiken, die mit einer fehlenden Auslastung einhergehen würde, trage Serata aber allein. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.10.2017, 14:15 Uhr

Tagesstätte Tagaktiv

Tagaktiv Schalch, Zentrum für Tagesaufenthalte, existiert seit 2005. Ins Leben gerufen haben die private Institution die Aktivierungstherapeutin Monika Schalch (58) und ihr Mann Leo (63), der für die Administration verantwortlich zeichnet. Die Tagesstätte bietet Menschen mit einer Behinderung oder Krankheit, welche zu Hause von Angehörigen betreut werden, von Montag bis Freitag tagsüber eine Tagesstruktur an. Dadurch sollen die Angehörigen entlastet werden.

Die Tagesstruktur, welche Tagaktiv bietet, hat das Ziel, die Tagesgäste zu aktivieren und orieniert sich an einem normalen Tagesablauf. Es werden Gruppenaktivitäten wie Turnen, Werken, Singen, Spiele, Gedächtnistraining, aber auch Rüsten, Kochen und Tisch Decken angeboten. Aus dem Team von fünf Leuten stellen jeden Tag drei den geordneten Tagesablauf sicher. Die Zahl der Tagesgäste liegt bei maximal 15, im Schnitt sind es zwölf bis dreizehn pro Tag. Durchschnittlich besuchen Tagesgäste Tagaktiv zwei bis drei Tage pro Woche.

Tagaktiv steht allen Bewohnern der Zimmerbergregion offen. Die Tagespauschale beläuft sich auf 120 bis 130 Franken, die bisher jeder Gast selber bezahlen musste. Die Krankenkassen beteiligen sich zur Zeit noch nicht an den Kosten, da Tagaktiv keinem Alterszentrum angegliedert ist und nicht abrechnen kann.(sis)

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