Horgen

Horgen und Hirzel finden sich am Ende der Fahnenstange

Der Hirzel gehört seit 2018 zu Horgen. Bis Berglerinnen und Seebuben vollends zusammengeschweisst sind, braucht es Zeit. Gemeinderat Peter Wirth will die Gemeinschaft fördern und zeigt wortwörtlich Flagge – mit einer neuen Fahne.

Peter Wirth (links) und Markus Lenz hissen an der Horgner Bergstrasse die symbolische Flagge.

Peter Wirth (links) und Markus Lenz hissen an der Horgner Bergstrasse die symbolische Flagge. Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Schwan kommt selten allein. Denn haben sich erst einmal zwei Schwäne gefunden, verbringen die beiden monogamen Vögel ihr gesamtes Leben miteinander. Eher selten kommt es vor, dass sich ein Schwan mit einem Hirsch vermählt. In Horgen existiert ein solch kurioses Tierpaar seit 2018. Zumindest wenn man die Wappentiere von Horgen und dem damals eingemeindeten Hirzel betrachtet. Vor kurzen sind Schwan und Hirsch in Form einer speziellen Fahne an der Bergstrasse unterhalb des Fellers eingezogen. Neben dem Haus von Gemeinderat Peter Wirth (parteilos).

«Ich wollte Flagge zeigen, dass die Hirzler in Horgen willkommen sind», sagt er. Dazu hat er eine eigene Fahne kreiert, auf der nicht nur das Horgner Wappentier, der Schwan, sondern auch der Hirzler Hirsch abgebildet ist. Die symbolträchtige Fahne hat eine lange Vorgeschichte.

Horgner Reviermarkierung

Alles begann wenige Tage nach der Eingemeindung des Hirzels vor zwei Jahren. Auf dem Grundstück seines Nachbarn Hans Heiri Stapfer hatte Peter Wirth eine Fahnenstange installiert. «Nach der Fusion haben wir das erste Mal die Hirzler Flagge aufgehängt», erinnert er sich. Vor allem die Hirzler Sek-Schüler, die seit der Eingemeindung ins Rainweg respektive Berghalden in die Schule müssen, hätten auf ihrem Schulweg Freude an ihrer einstigen Gemeindefahne bekundet.

«Später haben wir dann beide Fahnen aufgehängt», sagt Wirth. Das Hirzler Wappen oben am Mast und jenes von Horgen unten. Schliesslich seien ja auch die Hirzler einige Meter mehr über Meer als die Horgner.

Wirths Fahnen hatten bereits Anfang des letzten Jahres für Aufregung unter Fahnenfans gesorgt. Als er im März für ein paar Wochen nur die Hirzler Fahne gehisst hatte, konterte diese jemand. Eine Person steckte auf dem Nachbargrundstück mehrere kleine Horgner Fahnen in den Boden und klebte eine an den Mast. «Mich hat diese Reaktion sehr erfreut», sagt Wirth. Lange versuchten Wirth und sein Nachbar Hans Heiri Stapfer den unbekannten Fahnenenthusiasten ausfindig zu machen. Bis heute vergeblich. «Wir würden ihn oder sie gerne auf ein Bier einladen», sagt Wirth.

«Die Fahne musste so gestaltet werden, dass keines der Tiere über dem anderen steht.»Peter Wirth

Mit dem wohl freundlich gemeinten Fahnendisput hatte die Geschichte das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht. Nun hatte sie erst richtig begonnen. «Es kam die Idee auf, eine neue Fahne zu gestalten, die beide Wappen beinhaltet», sagt Wirth. Leichter gesagt als getan. «Die Fahne musste so gestaltet werden, dass keines der Tiere über dem anderen steht.»

Peter Wirth hat recherchiert und bemerkt, dass die meisten Trennlinien von Fahnen von oben links nach unten rechts verlaufen. «Dann hätte aber der Hirsch den Schwan auf die Hörner genommen.» Das habe Wirth nicht symbolisieren wollen. Also setzte er die Querlinie in entgegengesetzter Richtung. «So geht der Schwan dem Hirsch voraus in Richtung Zukunft, weil Horgen bei der Fusion ja auch federführend war», sagt Wirth.

Auch Hirzler zeigen Flagge

Wie steht es denn um den Zusammenhalt zwischen Horgnern und Hirzlern? «Wir kommen einander immer näher aber zusammengeschweisst sind wir noch nicht», sagt Peter Wirth. Wichtig seien vor allem die Einbindung der Hirzler Vereine. «Für diese haben wir beim Gemeinderat immer eine offene Tür.» Ende März plant die Exekutive denn auch eine offizielle Quartierversammlung im Hirzel, bei der die Bergler ihre Anliegen direkt mit dem Gemeinderat besprechen können.

Neben dem Profit, den die Hirzler durch einen tieferen Steuerfuss schlagen konnten, hatten sie mit der Fusion auch einige Verluste zu verkraften. «Sie haben den Bürgerort verloren, müssen die Gemeindeversammlung an einem anderen Ort halten und die Hirzler Flagge aufgeben», sagt Wirth. So etwas zu verkraften brauche seine Zeit.

«Mein Herz schlägt für Horgen und den Hirzel»Markus Lenz

Zumindest die Flagge kommt mit Wirths Fahne nun wieder in den Hirzel zurück. Bereits zwei Hirzler haben die Fahne beim Horgner Gemeinderat bestellt. Einer von ihnen ist der ehemalige Hirzler Gemeinderat Markus Lenz. «Mein Herz schlägt für Horgen und den Hirzel», sagt er. Bisher habe Lenz die beiden Fahnen regelmässig austauschen müssen. «Nun kann ich beide Wappen gleichzeitig hissen.»

Der Horgner Gemeinderat selbst habe mit weniger Begeisterung auf die Aktion von ihrem Kollegen Wirth reagiert. «Von der Idee, die Fahne an einem öffentlichen Masten aufzuhängen, wollte der Gemeinderat nichts wissen«, sagt Wirth. Er hofft nun, dass noch mehr Horgner und Hirzler Wirths Fahne bestellen. «Wenn sich die Fahne auf Privatgrundstücken verbreitet, könnte sich vielleicht auch der Gemeinderat irgendwann dafür begeistern», hofft Wirth.





Erstellt: 07.01.2020, 10:35 Uhr

Artikel zum Thema

Hirzler Kulturschock noch nicht ganz überwunden

Hirzel Seit einem Jahr ­gehört die Ortschaft am Berg politisch zur Seegemeinde Horgen. Die Hirzler scheinen im Grossen und Ganzen ­zufrieden zu sein – auch wenn noch nicht alles rundläuft. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!