Zürichsee

Horgen führt umstrittene Wartegebühr für Bootsplätze ein

Wie viel darf das Interesse an Bootsplätzen kosten? Der Preisüberwacher kritisiert zu hohe Gebühren. Männedorf reagiert mit tieferen Kosten – und Horgen führt jährlich Gebühren ein.

Wer einen dieser begehrten Bootsplätze will, muss lange warten – und teils tief in die Tasche greifen.

Wer einen dieser begehrten Bootsplätze will, muss lange warten – und teils tief in die Tasche greifen. Bild: Urs Jaudas

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Wer am Zürichsee einen der begehrten Bootsplätze ergattern will, muss sein Interesse jährlich neu bekunden. Das ist in den meisten Gemeinden so. Allerdings ist ein Platz auf der Warteliste in manch einer Gemeinde ein teures Unterfangen.

Jüngstes Beispiel ist die Gemeinde Horgen. Sie hat kürzlich ein neues, eigenes Bootsplatzreglement verabschiedet und führt damit nebst der einmaligen Anmeldegebühr von derzeit 100 Franken auch eine jährliche Gebühr ein. Vor wenigen Wochen hat sie die Interessenten auf der Warteliste über die ab 1. Januar 2020 geltenden Regeln informiert. Und das ist manch einem sauer aufgestossen - gerade weil man gut und gerne zehn Jahre oder gar noch länger auf einen Bootsplatz warten muss. Im Brief, der dieser Zeitung vorliegt, heisst es: «Der Aufwand für den Versand an alle Interessierten, die sich aus den Rückmeldungen ergebenden Abklärungen sowie das Nachführen der Warteliste wird neu mit einer Gebühr von 40 Franken verrechnet.»

Horgen neu an der Spitze

Mit diesen Gebühren wird Horgen über mehrere Jahre gerechnet zur teuersten Wartelisten-Gemeinde am Zürichsee. Dies zeigt nicht nur eine Erhebung dieser Zeitung, sondern auch des eidgenössischen Preisüberwachers. Dieser hat im Frühling die Gebühren für die Bootsplatzwartelisten schweizweit unter die Lupe genommen und dabei grosse Unterschiede festgestellt. «Da hier weder Komfort noch Investitionen einen Einfluss auf die Kosten eines Listeneintrages haben, kann eine Preisdifferenz von über 1:20 zwischen den (abgesehen von den Gratisangeboten) günstigsten und teuersten Wartelistenkosten zum Vornherein keine Rechtfertigung finden», schrieb der Preisüberwacher damals. «Eine solche Gebühr scheint denn oftmals überhaupt nicht mehr mit den Kosten in Relation zu stehen, sondern nur den Zweck der Nachfragesteuerung (bzw. -drosselung) zu verfolgen.» Kurzum: Der Preisüberwacher prangerte hohe Gebühren an und verlangte von den Gemeinden Antworten.

Preisüberwacher fragt nach

Umso überraschter über das neue Reglement der Gemeinde Horgen ist man deshalb in Bundesbern. Beat Niederhauser, stellvertretender Preisüberwacher, sagt auf Anfrage: «Wir werden bei der Gemeinde Horgen nachfragen, wie es zu diesem neuen Reglement und den Gebühren kommt.» Die Gemeinde müsse sich gegenüber dem Preisüberwacher erklären. Ist diese Rechtfertigung aus Sicht von «Monsieur Prix» dann nicht stichhaltig, wird er auf tiefere Gebühren drängen. Druck, der häufig wirkt.

Dies zeigt das Beispiel Männedorf. Bisher war die rechtsufrige Zürichsee-Gemeinde jene mit den höchsten Gebühren für einen Platz auf der Warteliste. «Die Übersicht des Preisüberwachers hat Wirkung gezeigt», sagt Gemeindeschreiber Jürg Rothenberger. «Wir haben festgestellt, dass wir Interessenten tatsächlich einen hohen Betrag verrechnen und sind derzeit daran, tiefere Tarife zu erarbeiten.» Derzeit verrechnet Männedorf eine einmalige Anmeldegebühr von 100 Franken und zudem 30 Franken für die jährliche Erneuerung.

Männedorf passt Gebühr an

Einsicht, wie im Fall von Männedorf, ist selten. Vielmehr hätten die Gemeinden versucht ihre Tarife gegenüber dem Preisüberwacher zu rechtfertigen: «Eine Gemeinde mit hohen Wartegebühren gab etwa an, die Interessenten jährlich per Einschreiben auf die Erneuerung des Listeneintrags aufmerksam zu machen», sagt Beat Niederhauser.

Eine Rechtfertigung für die Gebühren hat auch die Gemeinde Küsnacht verschickt, wie Andreas Tanner, Leiter Liegenschaft sagt. Man sei der Meinung, dass die Tarife nur die tatsächlich anfallenden Kosten decken würden. «Und da sich für einen Bootsplatz auch auswärts wohnende Personen anmelden können ist Gewähr geboten, dass für diese nur von verhältnismässig wenigen Personen genutzten Dienstleistungen keine Gelder der Küsnachter Steuerzahler eingesetzt werden.» In Meilen hat Gemeindeschreiber Didier Mayenzet dem Preisüberwacher erklärt, dass die Gebühr nur 1.80 Franken über dem Schnitt liege und die Aufwendungen bei weitem nicht decke. Möglich ist das, denn an einer Hand abzählen kann man die Interessenten für einen Bootsplatz nicht – teilweise stehen in Zürichsee-Gemeinden Hunderte auf der Warteliste.

Die Zürichsee-Region ist ein teures Pflaster - auch für parkierte Boote. Im Bild: Bootsplätze in Kilchberg. Foto: Archiv Sabine Rock.

Gebühr deckt Aufwand nicht

Bleibt die Frage, warum die Gemeinde Horgen nur wenige Wochen nach der Erhebung des Preisüberwachers eine jährliche Wartelisten-Gebühr einführen will, die sämtliche kritisierten Tarife noch übertrifft?

Christoph Boller, Abteilungsleiter Liegenschaften und Sport, begründet es so: «Bei einer durchschnittlichen Wartezeit von 20 bis 25 Jahren deckt die einmalige Gebühr von 100 Franken den Aufwand nicht.» Boller gibt zu, dass der Gemeinde die Überlegungen des Preisüberwachers eigentlich bekannt sind, und fügt an: «Der Gemeinderat ist sich, insbesondere aufgrund des Vergleichs des Preisüberwachers, bewusst, dass die angesetzten 40 Franken nochmals zu überprüfen sind.» Warum allerdings diese Überlegungen erst jetzt – nach Publikation des Reglements und Information aller Böötler – gemacht wird, dazu hält sich die Gemeinde bedeckt. Eine Antwort darauf wird sie allenfalls dem Preisüberwacher liefern müssen.

«Bei einer durchschnittlichen Wartezeit von 20 bis 25 Jahren deckt die einmalige Gebühr von 100 Franken den Aufwand nicht.»Christoph Boller, Abteilungsleiter Liegenschaften und Sport der Gemeinde Horgen

Boller stellt jedoch noch klar, die Gebühr diene nicht der Nachfragesteuerung: Das sei nicht Aufgabe des Gemeinderates, und man gehe «auch nicht davon aus, dass eine solche Steuerung mit den anvisierten Ansätzen möglich wäre.»

Allerdings war diese Haltung nicht immer so. Als die Gemeinde Horgen 1996 erstmals Gebühren für den Eintrag auf einer Warteliste verlangte, schrieb sie den Interessenten in einem Brief klar und deutlich: «Es wird erwartet, dass der Umfang der Warteliste mit dieser Massnahme reduziert und auf ernsthafte Bewerber beschränkt wird.»

Erstellt: 20.09.2019, 14:55 Uhr

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