Horgen

Luxusprojekt oder wichtiger Neubau? Horgen stimmt über Garderoben ab

Am 9. Februar müssen die Horgner über ein neues Garderobengebäude abstimmen. Der zweistöckige Neubau kostet 4,5 Millionen. Nun regt sich Widerstand.

Die Visualisierung gibt einen Eindruck, wie das Garderobengebäude aussehen könnte. Das Gebäude kommt jedoch nicht wie im Bild auf der Wiese, sondern dort zu stehen, wo sich heute die alten Garderoben befinden.

Die Visualisierung gibt einen Eindruck, wie das Garderobengebäude aussehen könnte. Das Gebäude kommt jedoch nicht wie im Bild auf der Wiese, sondern dort zu stehen, wo sich heute die alten Garderoben befinden. Bild: PD/Schmitter Architektur AG

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Fussball ist schon längst kein reiner Männersport mehr. In Horgen zeigt sich dieser Trend besonders deutlich. Von 400 trainierenden Jugendlichen sind ein Viertel Mädchen. Die Infrastruktur der Gemeinde kann mit dieser Entwicklung nicht mehr überall mithalten. Weil es im Garderobengebäude auf der Allmend keine eigenen Räumlichkeiten für Frauen gibt, können deren Spiele nicht auf den dortigen Fussballfeldern ausgetragen werden. Der Gemeinderat beabsichtigt deshalb, einen Neubau mit geschlechtergetrennten Garderoben und Duschen zu realisieren. Kostenpunkt: 4,5 Millionen Franken. Der Souverän muss am 9. Februar an der Urne den Kredit genehmigen.

Um das in die Jahre gekommene Garderobengebäude auf der Allmend zu ersetzen, müssen die Horgner am 9. Februar einen Kredit von 4,5 Millionen Franken genehmigen.

Geplant ist ein zweistöckiges Gebäude zwischen den Fussballplätzen und dem Chilbiplatz. Also an jenem Ort, an dem die heutigen Garderoben schon stehen. Im Erdgeschoss soll neben den gendergerechten Garderoben auch ein Aufenthaltsbereich mit Küche entstehen. In diesem will der Gemeinderat auch den Mittagstisch des unabhängig vom Garderobengebäude geplanten neuen Schulhauses unterbringen, das 2021 ebenfalls auf der Allmend zu stehen kommen soll und das am 27. September zur Abstimmung stehen wird. Der Öffentlichkeit würde der Aufenthaltsbereich an Anlässen wie der Chilbi als Verpflegungsraum dienen. Auf dem Dach ist gemäss der Weisung zur Abstimmung eine öffentlich zugängliche Terrasse geplant.

Hier soll der Garderoben-Neubau zu stehen kommen

Das untere Stockwerk soll zum einen Platz für die Schiedsrichtergarderoben bieten, zum anderen will der Gemeinderat eine 10-Meter-Luftpistolenschiessanlage einbauen. Bisher schiessen die Schützen in einer Baracke neben den Garderoben. Der jetzige Schiessstand könnte abgerissen werden, wodurch auf dem Chilbiplatz Raum für andere Nutzungen wie die Skateranlage entstehen würde. Ein Ausbau der Skateranlage ist momentan aber noch nicht geplant, wie der Gemeinderat in der Weisung ausführt.

«Ein Luxusprojekt»

Spätestens seit der Budgetversammlung im Dezember gilt in Horgen der Grundsatz: Notwendiges von Wünschenswertem trennen. In diesem Kontext stösst das Projekt bei der örtlichen SVP auf Widerstand. Bei 4,5 Millionen Franken für ein Garderobengebäude spricht die Partei von einem «Luxusprojekt» und empfiehlt daher, die Vorlage abzulehnen. Auch der Mittagstisch und die unterirdische Schiessanlage könnten die Kosten nicht rechtfertigen, schreibt die SVP in einer Medienmitteilung.

Joggi Riedtmann (SP), Vorsteher Liegenschaften, widerspricht: «Das Projekt kommt einer breiten Bevölkerungsschicht zugute. Neben Fussballerinnen und Luftpistolenschützen profitieren auch Schüler, Jugendliche und alle Horgner davon, die an Festivitäten auf der Allmend teilnehmen.» In Horgen bestehe der Grundsatz, dass die Gemeinde die Sportvereine finanziell zwar nicht unterstütze, ihnen aber die nötige Infrastruktur zur Verfügung stelle. «Mit dem neuen Gebäude können wir dieses Versprechen einlösen», sagt Riedtmann. Zudem sei das Horgner Projekt im Vergleich zu ähnlichen Bauten günstig. Während der Neubau auf der Allmend pro Quadratmeter 3000 Franken kostete, hätten vergleichbare Bauten wie die Garderobengebäude Buschweilerhof und Schorenmatte in Basel-Stadt rund 5200 respektive 6900 Franken pro Quadratmeter gekostet.

«Neben Fussballerinnen und Luftpistolenschützen profitieren auch Schüler, Jugendliche und alle Horgner davon, die an Festivitäten auf der Allmend teilnehmen.»Joggi Riedtmann (SP), Vorsteher Liegenschaften

Als weiteren Kritikpunkt bringt die SVP vor, dass der Mittagstisch auch im geplanten Schulhaus untergebracht werden könnte. «Es war der Wunsch des Fussballclubs, eine Küche zu erhalten», entgegnet Joggi Riedtmann. Auch für öffentliche Anlässe auf der Allmend werde diese gebraucht. Weil die Küche des Garderobengebäudes damit aber nicht ausgelastet sei, sollen auch die Primarschüler des geplanten Schulhauses von der Infrastruktur profitieren. «Gerade da wir Wünschenswertes von Notwendigem trennen müssen, wären eine zusätzliche Küche mit Mittagstischraum im Schulhaus zu viel, wenn diese Infrastruktur in Sichtdistanz im Garderobengebäude angeboten werden kann», sagt Riedtmann. Die Parolen der anderen Parteien sind noch nicht gefasst. Die Rechnungsprüfungskommission empfiehlt, der Vorlage zuzustimmen.





Erstellt: 22.01.2020, 11:33 Uhr

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