Hirzel

Hirzler Kulturschock noch nicht ganz überwunden

Seit einem Jahr ­gehört die Ortschaft am Berg politisch zur Seegemeinde Horgen. Die Hirzler scheinen im Grossen und Ganzen ­zufrieden zu sein – auch wenn noch nicht alles rundläuft.

Es ist zwar immer noch friedlich im Hirzel, auch ein Jahr nach dem Zusammenschluss. Nachteile der Eingemeindung gibt es aber dennoch.

Es ist zwar immer noch friedlich im Hirzel, auch ein Jahr nach dem Zusammenschluss. Nachteile der Eingemeindung gibt es aber dennoch. Bild: Sabine Rock

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Der grösste Vorteil sei, dass sich seit der Eingemeindung per1. Januar 2018 im Hirzel nicht viel ­geändert habe, sagt Urs Gyger, Präsident des Dorfvereins. «Die administrativen Abläufe funktionieren recht gut, und Horgen steht hinter uns», sagt er. Im Grossen und Ganzen sehe er die Situation seit dem Zusammenschluss positiv. Auf gesellschaftlicher Ebene aber ist klar: Horgen und Hirzel sind (noch) keine vollkommene Einheit.

Dies unterstreicht die Tat­sache, dass es nach wie vor einen Dorfverein Hirzel gibt, der sich nun lediglich nicht mehr Gemeindeverein nennen kann. Laut seiner Webseite will er die «Eigenart des Dorfes» fördern und das «Gemeinschaftsgefühl der Einwohner stärken».

Sinnbildlich für den Graben zwischen Berg und See ist die von Gyger beschriebene, erste Gemeindeversammlung nach dem Zusammenschluss: Die Hirzler hätten es sich erst einmal an den falschen Sitzplätzen bequem gemacht. «In Horgen muss man wissen, wo man hinsitzen kann», sagt Gyger. Es sei streng geregelt, auf welcher Seite des Raums sich die Vertreter bestimmter Parteien platzieren und welche Plätze deshalb besetzt seien. Dann seien die Hirzler auch noch zum falschen Zeitpunkt aufgestanden. Im Nachhinein lache man über diese erste Versammlung – und ein wenig über das Prozedere in der Horgner Lokalpolitik.

Kaum Hirzler Parteimitglieder

Die Sitzplatzverteilung hängt mit einem Faktor zusammen, welchen Gyger als Nachteil auflistet: Horgen organisiert sich stark in Parteien. Nichtmitglieder – und die meisten Hirzler sind solche – hätten keine Chance, etwas einzubringen oder zu bewirken, sagt er. Von geplanten Parteieintritten von Personen aus dem Hirzel wisse er bis jetzt nichts.

Problematisch findet Gyger auch die Situation der Hirzler Vereine. Wenn diese bei der Gemeinde Geld beantragten, fiele der zugesprochene Betrag nun zwar höher aus als noch vor dem Zusammenschluss. Generell sei es aber schwierig für sie, sich in der Gemeinde einzubringen. In einem Fall verspürt Gyger gar Passivität der Seegemeinde gegenüber den Hirzler Vereinen: Jene scheint sich nicht so um die Unterhaltsarbeiten an deren Aushangtafel beim Dorfeingang zu kümmern, wie sich die Vereine das vorstellen. Man nehme es nun selber in die Hand, damit die Gemeinde «auch ja keine Arbeit damit hat», sagt Gyger.

Mühsamer Weg nach Horgen

Des Weiteren beschäftigte die Leute im Hirzel, dass die Gemeinde- und Schulbibliothek in eine reine Schulbibliothek umgewandelt wurde und der breiteren Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich ist. Insbesondere für ältere Leute sei dies ein Nachteil, sagt Gyger, da diese die Bibliothek gerne genutzt hätten und teils zu wenig mobil seien, um die ­Gemeindebibliothek in Horgen zu besuchen. Ältere Leute seien demnach vom Zusammenschluss «schwerer getroffen».

Der Weg nach Horgen zur Erledigung von Administrativem auf der Gemeinde sei ohnehin ein wenig mühsam. Im Gemeindehaus angekommen, werde es kompliziert. «Der Apparat ist träger, da er viel grösser ist.» Auf der Gemeinde Hirzel habe man die Leute noch persönlich gekannt.

Kontakte nützen weniger

Der Mittelschullehrer Hansjürg Perino aus dem Hirzel ist gleicher Meinung. Der Umgang mit den Ämtern sei komplizierter und formeller als vor der Eingemeindung. Habe er früher etwa einen Saal in einem Hirzler Schulhaus mieten wollen, habe er genau gewusst, wen es zu fragen galt. Auch er kannte die Verantwortlichen persönlich. Nun sei der Kontakt zu den Behörden anonymer.

Nichtsdestotrotz sei er nicht gegen die Eingemeindung ge­wesen, betont Perino. In einem Leser­brief in der ZSZ im Herbst 2016 unterstrich er als Sprecher der Interessengemeinschaft für den Verbleib der Sekundarschule im Hirzel, dass er die Beschwerde gegen den Zusammenschluss nicht unterzeichnet hatte. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.01.2019, 17:12 Uhr

Sekundarschule

Hirzler haben sich an der Sek Horgen eingelebt

Die Sekundarschule solle im Hirzel bleiben, Fusion hin oder her. Das pädagogische Modell mit gegliederter Sek ­– im Unterschied zur dreiteiligen Sek in Horgen – beizubehalten, nannte die «Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Sekundarschule» vor dem Zusammenschluss mit Horgen als treibenden Motivationsgrund für ihr Tun. Sie blieb aber erfolglos in ihren Bemühungen. Seit Sommer 2018 gehen 56 Hirzler Sekundarschüler in Horgen zur Schule. IG-Sprecher Hansjürg Perino hatte seine Meinung bereits im Herbst 2016 nach einem Tag der offenen Tür in der Sekundarschule Horgen, den er zusammen mit seinem Sohn zur Besichtigung genutzt hatte, revidiert. Sie ­seien beide positiv überrascht gewesen. Diese Positivität ist bis heute nicht verflogen: Seinem Sohn, der die zweite Sek A besuche, gehe es in Horgen gut, auch wenn der Schulweg nun länger sei und er dementsprechend früher aufstehen müsse.

Teils Startschwierigkeiten

Der Leiter des Schulsekretariats, Roger Herrmann, hat von bestimmten Klassen gehört, in denen Hirzler zu Beginn «Integrationsprobleme» gehabt hätten. Ein bis zwei Eltern hätten dies verlauten lassen. Bei sich neu bildenden Klassen aus Primarschulübertretern habe es hingegen keine Schwierigkeiten gegeben.
Von Anfangsschwierigkeiten weiss auch Urs Gyger, Präsident des Dorfvereins Hirzel, zu berichten. Er hat eine Tochter, die in Horgen die dritte Sek besucht. Ihr gehe es dort gut, doch wisse er, dass einige etwas länger gebraucht hätten, um sich in dieser «anderen Welt» einzugliedern. In der Sek Horgen sei alles viel grösser und der Unterricht streng.

Schluss mit «Larifaribetrieb»

Seine Familie sei der Veränderung aber stets positiv gegenübergestanden, sagt Gyger. Den gegliederten Sekundarklassen im Hirzel hatte er nämlich nie viel abgewinnen können: «Das war ein Larifaribetrieb und brachte nichts. Wer Kinder in der Sek Hirzel hatte, wusste das.»

Auch wenn sich die Hirzler Sekundarschüler in Horgen eingelebt zu haben scheinen: Vom extra eingeführten Mittagsbus um 11.50 Uhr in den Hirzel machen sie laut Perino, Herrmann und Gyger gerne ­Gebrauch. (cob)

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