Bezirksgericht Horgen

Hinter dem Steuer verloren sie den Verstand

Zwei junge Schweizer rasten mehrfach mit PS-starken Autos. Die Männer aus dem Bezirk Horgen filmten sich dabei auch noch. Für die Wahnsinnsfahrten soll es nun Freiheitsstrafen absetzen.

Ein 28-jähriger und ein 23-jähriger Schweizer standen am Mittwoch vor Gericht. Sie waren Fahrer und Beifahrer bei mehreren Tempofahrten, etwa auf der A3, in Adliswil oder am Albispass.

Ein 28-jähriger und ein 23-jähriger Schweizer standen am Mittwoch vor Gericht. Sie waren Fahrer und Beifahrer bei mehreren Tempofahrten, etwa auf der A3, in Adliswil oder am Albispass. Bild: Symbolbild/Archiv ZSZ

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Mit 210 km/h über die A3 gebrettert, mit 126 durch Adliswil gerast. Das sind nur zwei der unglaublichen Tempofahrten die ein junger Mann in den letzten vier Jahren absolviert habt. Besonders unbedarft: Der Beifahrer filmte den 27-Jährigen jeweils mit dem Handy. So konnten den Beiden mehrere solcher Fahrten nachgewiesen werden. Etwa eine waghalsige Ausfahrt mit einem Lamborghini auf der Hausener Seite des Albispasses und auf der Sihltalstrasse. Bei der abendlichen Wahnsinnsfahrt auf der A3 bei Thalwil mit 210 und in Adliswil mit 126 km/h war ein zweiter Fahrer beteiligt.

Die Beiden lieferten sich offensichtlich ein Rennen. Auf der Albisstrasse in Adliswil waren sie sogar nebeneinander unterwegs, passierten dabei zwei Fussgängerstreifen und mehrere Verzweigungen. Der Fahrer des einen Autos und sein Beifahrer mussten sich am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Horgen verantworten. Der Beifahrer unter anderem wegen Beihilfe zu qualifizierter grober Verletzung der Verkehrsregeln. Durch das Filmen habe er den Fahrer angestachelt, heisst es in der Anklageschrift. Gegen den Fahrer des zweiten Wagens läuft ein separates Verfahren. Was sich die beiden Schweizer bei den Fahrten gedacht haben, bleibt schwer verständlich. Sie machen einen soliden Eindruck. Der Fahrer arbeitet bei einer Versicherung, der Beifahrer studiert Wirtschaft und will danach ins Immobilienmanagement einsteigen.

Wenn es um Autos geht, macht der Verstand bei den Beiden aber offenbar Pause. Der Beifahrer hat bereits eine Vorstrafe in dem Bereich. Der Fahrausweis wurde ihm damals für fünf Monate entzogen. Genützt hat es scheinbar nicht viel. Sie hätten mal hören wollen, wie es klingt, wenn man hochtourig fährt, sagen sie. Emotionen seien im Spiel gewesen. Der Fahrer sprach von einer «spontanen Spassfahrt» durch den Bezirk Horgen. Natürlich sei es im Nachhinein keine gute Idee gewesen auf der Autobahn ein Motorrad zu überholen, das bereits auf der Überholspur fährt, räumt der Fahrer, der als Hobby «Autos» nennt, ein.

Beide haben das Lernprogramm «Start» für risikobereite Verkehrsteilnehmer absolvieren müssen. Der Weg zurück zum Fahrausweis führt nur über eine verkehrspsychologische Untersuchung. Der 23-jährige Beifahrer hat diese hinter sich, der Fahrer nicht. Ihm wurde der Ausweis auf unbestimmte Zeit entzogen.

Heftige Strafen

Der Prozess wird in einem abgekürzten Verfahren durchgeführt. Die Verteidiger der beiden Angeschuldigten haben sich mit dem Staatsanwalt auf Strafen geeinigt. Dennoch haben es diese in sich. Der Fahrer soll zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt werden. Sechs Monate müsste er zwingend absitzen. Für den Rest soll eine Probezeit von vier Jahren gelten. Der Beifahrer käme mit einer bedingten Strafe davon. Doch auch die 18 Monate sollen mit einer vierjährigen Probezeit behaftet werden.

Die Bezirksrichter erheben die Vorschläge zum Urteil. Sie sind überzeugt, dass die heftigen Konsequenzen der Straftaten die Beschuldigten abschrecken. Neben den Freiheitsstrafen kommen Bussen von 2500 und 500 Franken dazu. Die bedingte Vorstrafe des Beifahrers wird widerrufen, er muss 6600 Franken zahlen. Auch die Kosten für das Verfahren müssen die Beiden übernehmen. Die Beschuldigten seien noch jung, sagt der Gerichtsvorsitzende, wenn sie die Prioritäten richtig setzen, könnten sie eine Zukunft haben. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.08.2018, 17:23 Uhr

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