Wädenswil

Heimatschutz will Umbau im Ortskern verhindern

Der Stadtrat hat zwei Häuser im Ortskern aus dem Inventar für schützenswerte Bauten entlassen. Dem Zürcher Heimatschutz gefällt das nicht.

Die Türgass 24/26 (rechts im Bild das Haus 26) ist Teil eines Gebäudekomplexes, zu dem auch die Hausteile 20/22 (links) gehören.

Die Türgass 24/26 (rechts im Bild das Haus 26) ist Teil eines Gebäudekomplexes, zu dem auch die Hausteile 20/22 (links) gehören. Bild: Michael Trost

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Die Türgasse im Wädenswiler Dorfkern ist von einem Pflastersteinweg geprägt, der vorbei an mehreren Fachwerkhäusern mit rot bemalten Balken führt. Die Gasse liegt zwischen der Zugerstrasse und der Schönenbergstrasse und beherbergt als wohl prominentestes Lokal das Restaurant Leue.

Ein idyllischer Ort, der derzeit jedoch für Diskussionen sorgt. Dafür verantwortlich sind die zu einem Gebäudekomplex zusammengefügten Häuser mit den Nummern 24 und 26, die südlich des Leuen stehen und wohl aus dem 17. Jahrhundert stammen. Die beiden Häuser wurden nach einer Schutzabklärung im Auftrag des Stadtrats von Wädenswil Ende Mai aus dem kommunalen Inventar der schützenswerten Bauten entlassen.

Ausschlag für eine Prüfung, ob die Gebäude schützenswert sind oder nicht, war ein Begehren der privaten Grundeigentümerin. Gegen den Entscheid des Stadtrats hat der Zürcher Heimatschutz interveniert und einen Rekurs beim Zürcher Baurekursgericht eingereicht.

Stadtrat Heini Hauser (SVP) verteidigt den Entscheid: «Die Entlassung der Gebäude erfolgte aufgrund einer gründlichen Analyse des Gutachtens und auf Antrag der kommunalen Stadtbild- und Denkmalpflegekommission.»

«Nicht hinter die Wände geschaut»

Das Gutachten, das dieser Zeitung in einer zusammengefassten Version vorliegt, definiert das Gebäudeensemble in der Altstadt als kein Schutzobjekt von kommunaler Bedeutung. Dies, weil wegen zahlreicher Erweiterungen und Erneuerungen in den letzten Jahrzehnten die historische Substanz nur noch marginal vorhanden sei. Der heutige Komplex präsentiere sich als Sammelsurium unterschiedlichster Stile. «Das öffentliche Interesse der Unterschutzstellung der Wohnhäuser kann nicht höher gewichtet werden als die privaten Interessen», heisst es im Gutachten.

Der Heimatschutz bemängelt jedoch, dass beim Gutachten nicht hinter die Wände geschaut wurde. Es fehle auch eine Würdigung, ob nicht auch die Ausbauten und Erweiterungen im Verlaufe der Baugeschichte schutzwürdig wären. Heini Hauser entgegnet: «Die Gutachterin hat viel Erfahrung bei solchen Fragestellungen.» Sie halte in ihrem Bericht fest, dass durch frühere Umbauten Ausstattungselemente aus verschiedenen Zeitepochen vorhanden sind. «Diese Elemente weisen jedoch keine spezielle Zeugenqualität auf, denn sie finden sich in praktisch allen Bauten aus dieser Zeit», sagt er.

«Die Ausstattungselemente weisen keine spezielle Zeugenqualität auf.»Heini Hauser, Stadtrat Planen und Bauen

Der Heimatschutz moniert weiter, dass im Gutachten eine Beurteilung des ganzen Gebäudeensembles fehle. Denn zum Gebäudekomplex gehören auch die beiden Hausnummern 20 und 22. «Dass einzelne Gebäude eines Ensembles aus dem Inventar entlassen werden, steht im Widerspruch zur Rechtssprechung», schreibt Präsident Martin Kilias in einer Mitteilung. Im Gutachten heisst es denn auch: «Das Haus Türgass 20/22 wird mindestens am Rand in das Gutachten einbezogen, ohne dass jedoch dessen Schutzwürdigkeit abgeklärt wird.» Zudem habe das innere des Gebäudes nicht besichtigt werden können.

Argumentation geht für Heimatschutz nicht auf

«Die Kommission hat sich an mehreren Sitzungen ausführlich mit einer Unterschutzstellung befasst», entgegnet Hauser. Über die Schutzwürdigkeit der Häuser 20 und 22 werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. Bei der Prüfung sei das ganze Türgass-Quartier miteinbezogen worden. Dieses liegt in der Kernzone und ist ein schutzwürdiges Ortsbild von überkommunaler Bedeutung. Dadurch sei die Wahrung des Ortsbildes gesichert. «Der Stadtrat ist deshalb dem Antrag der Kommission gefolgt und hat die Gebäude aus dem Inventar entlassen», sagt Hauser.

Diese Argumentation geht für den Heimatschutz nicht auf. Nur weil ein Gebäude zur Kernzone gehöre, sei dessen historischer Wert noch nicht geschützt. Dies anzunehmen sei ein immer wieder anzutreffender Fehlschluss, schreibt der Heimatschutz. Er verlangt deshalb, dass die Häuser 24/26 unter Schutz gestellt werden und ein gerichtlicher Augenschein in allen vier Häusern stattfindet. Konkrete Baupläne hat die Eigentümerin der Türgasse 24 und 26 noch nicht.

Erstellt: 22.07.2019, 17:19 Uhr

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