Horgen

Horgner Gemeinderat verzögert Hallenbadprojekt

Im letzten Dezember hat die Gemeindeversammlung einen Kredit von einer halben Million Franken für ein neues Hallenbad gutgeheissen. Dies gegen den Willen des Gemeinderates. Mit der Umsetzung lässt dieser sich nun Zeit.

Das Hallenbad Bergli ist in die Jahre gekommen. Ein grösseres und moderneres Schwimmbad wurde von der Bevölkerung längst gewünscht.

Das Hallenbad Bergli ist in die Jahre gekommen. Ein grösseres und moderneres Schwimmbad wurde von der Bevölkerung längst gewünscht. Bild: Archiv Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In Horgen leben rund 22 300 Personen. Ihnen steht im Winter gerade mal das bald 50-jährige Kleinschwimmbecken Bergli von 10 auf 25 Metern zur Verfügung. Es deckt die Nachfrage bei weitem nicht. Die Planung eines neuen Hallenbads ist in der Seegemeinde ein tristes Kapitel. Den letzten Rückschlag gab es 2016, als das Stimmvolk an der Urne die Frage, ob es lieber ein Sport- oder ein Familienbad will, mit einem dopptelten Nein beantwortete.

Die Horgner goutierten damals nicht, dass sie über einen Grundsatzentscheid und nicht zu einem konkreten Projekt befragt wurden. Das doppelte Nein war denn auch keine Absage an ein neues Hallenbad, wie sich an der Gemeindeversammlung im Dezember letzten Jahres bestätigte. Die Stimmberechtigten nahmen nämlich gegen den Willen des Gemeinderates eine halbe Million Franken ins Budget auf und wiesen den Gemeinderat an, damit unverzüglich ein Hallenbad zu projektieren. Beantragt hatte diesen Posten die SP Horgen. Gemeindepräsident Theo Leuthold (SVP) hielt dagegen, dass das Anliegen gar nicht umsetzbar sei.

«Die halbe Million ist unberührt.»Gemeinderat Joggi Riedtmann (SP)

Und so ist es auch gekommen: «Diese halbe Million ist unberührt», sagt Gemeinderat Joggi Riedtmann (SP), der seit dem zweiten Juli neu für die Liegenschaften zuständig ist und damit das Hallenbad-Dossier übernommen hat. Der Gemeinderat habe entschieden, das Hallenbad habe nicht erste Priorität, sagt er. Die Exekutive habe sich denn auch von ihrem Legislaturziel, bis Mitte 2018 ein abstimmungsreifes Projekt vorzulegen, verabschiedet. Vorrang hätten Schulhausbauten, sagt Riedtmann.

Horgner mitreden lassen

Fallen gelassen hat der Gemeinderat das Hallenbad offenbar aber nicht ganz. Der Gemeinderat begebe sich Anfang November in eine zweitägige Klausur, sagt Joggi Riedtmann, «dann ist das Hallenbad sicher wieder ein Thema.»

SP-Co-Präsident Alfred Fritschi trägt dem Gemeinderat – und damit auch seinem Parteikollegen Joggi Riedtmann – nicht nach, dass er dieses Jahr die budgetierte halbe Million noch nicht für die Hallenbadplanung ausgibt. «Wir wussten, dass der Gemeinderat das Geld nicht unmittelbar einsetzen kann», sagt er heute. Es sei damals darum gegangen, ein Zeichen zu setzen. «Wichtig ist jetzt, dass der Gemeinderat eine nachvollziehbare Planung einleitet.»

Gemeint ist damit, dass die Bevölkerung und interessierte Kreise in die Planung miteinbezogen würden. Nur so könne geklärt werden, welches Hallenbad sinnvoll und mehrheitsfähig sei, sagt Fritschi. «Eine Mitwirkung braucht Zeit. Man kann sie nicht über das Knie brechen», sagt Fritschi. Die SP habe noch die gleichen Erwartungen an ein Hallenbad wie vor einem Jahr an der Budgetversammlung. Die Partei sehe nun zu, wie der Gemeinderat in seiner neuen Zusammensetzung die Planung für das Hallenbad aufnehme. «Wir sind vorderhand noch in interessierter Wartehaltung.»

Standortfrage ist noch offen

Etwas ungeduldiger ist hingegen Rico Brazerol (BDP). «Es ist frustrierend, dass nichts geht.» Als Präsident des Schwimmclubs bekommt er die Hallenbad-Platznot direkt zu spüren: «Wir müssen teilweise mit mehreren Mannschaften gleichzeitig im Bergli-Bassin trainieren», sagt er. Beruhigend wäre, wenn es wenigstens einen Zeitplan gebe, «aber wir kennen ja nicht einmal den Standort», wirft Brazerol ein.

Der Gemeinderat wollte 2016 noch ein Hallenbad in der Allmend projektieren. Er nahm davon aber Abstand, als der Kanton Zürich die Allmend als Mittelschule in Betracht zog. Aktuell steht das Areal der Abwasserreinigungsanlage (ARA) am See zur Diskussion, entschieden ist aber nichts. Das Areal wird aber frühestens im Jahr 2025 frei, wenn die Horgner ihr Abwasser in Thalwil klären und die eigene Anlage nicht mehr benötigt wird. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 18.10.2018, 14:51 Uhr

Artikel zum Thema

«Wir wollen keine Hallenbad-Sanierung»

Horgen Schwimmclub-Präsident Rico Brazerol stellt die Notwendigkeit einer Abstimmung über ein Sport- oder Familienbad infrage. Liegenschaftsvorstand Beat Nüesch verteidigt das Vorgehen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben