Wädenswil

Gymi soll neben Primarschule, statt auf das Industrieareal

Der geplante Standort für die Mittelschule im Au-Park habe gravierende Mängel, sagen die Grünen. Sie wollen das Referendum ergreifen gegen den privaten Gestaltungsplan, aber auch Lösungen anbieten.

Die Wiese vor dem Schulhaus Steinacher in der Au halten die Grünen für geeigneter für eine Mittelschule, als den geplanten Standort im Au-Park.

Die Wiese vor dem Schulhaus Steinacher in der Au halten die Grünen für geeigneter für eine Mittelschule, als den geplanten Standort im Au-Park. Bild: Manuela Matt

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Eines ist für die Grünen klar: Sie wünschen sich eine Mittelschule in der Au. Aber nicht zu jedem Preis. Der Standort im Au-Park scheint ihnen aus mehreren Gründen nicht geeignet für die geplante Kantonsschule Zimmerberg. «Das Gelände wird maximal ausgenützt, um maximalen Gewinn zu erzielen», kritisiert Bernhard Brechbühl. Die Ausnützungs-Ziffer des Areals soll 140 Prozent betragen und wäre die höchste in Wädenswil.

«Die Platzverhältnisse auf den 11'000 Quadratmetern Gelände im Au-Park sind sehr beengt», nennt sein Parteikollege, Gemeinderat Ulrich Reiter, als Nachteil des Standorts. Sportanlagen beispielsweise müssten extern gesucht werden. Neben den beengten Verhältnissen stört die Grünen auch, dass im Au-Park bis zu 30 Meter hoch gebaut werden darf. Die 4000 Quadratmeter grosse Parklandschaft zwischen der Schule und den geplanten Wohnhäusern werde zudem hoffnungslos übernutzt sein, befürchten die Grünen.

Referendum steht im Raum

Sie planen deshalb, sich gegen den privaten Gestaltungsplan der Intershop-Gruppe zu wehren. Financier Martin Ebner ist dort mit einem Drittels­anteil Hauptaktionär. Zurzeit wird der Entwurf für den privaten Gestaltungsplan Au-Park überarbeitet und voraussichtlich nach den Sommerferien ans Parlament überwiesen. Heisst dieses den Gestaltungsplan für die Überbauung mit Mittelschule, Wohnungen und Gewerbe gut, werden die Grünen das Referendum ergreifen, damit die Wädenswiler an der Urne über den Au-Park entscheiden können. Auch andere Parteien, beispielsweise die Interessengemeinschaft Wädi Au, überlegen sich, das Referendum zu ergreifen, falls der Gestaltungsplan nicht in ihrem Sinn ist.

Die Grünen wollen die Wädenswiler jedoch nicht ohne Alternative zurücklassen, sollte der Gestaltungsplan, und damit das Gymi in der Au, an der Urne scheitern. Wie sie am Montagabend in einer Pressekonferenz erklärten, haben sie zwei alternative Standorte für die Mittelschule untersucht.

Steinacher West

Der favorisierte Standort liegt neben der Schulanlage Steinacher in der Au. Er befindet sich mehrheitlich im Besitz der Stadt und gehört in die Zone öffentlicher Bauten und Anlagen. Zusammen mit dem angrenzenden Land, das in der Zone für öffentliche Bauten liegt, jedoch einem Bauern gehört, wäre das bebaubare Gelände 16'000 Quadratmeter gross. Der Vorteil am Areal Steinacher West sei, dass es pro Quadratmeter nur die Hälfte koste, sagt Ulrich Reiter. Ausserdem könnten man Synergien zur bestehenden Schulanlage nutzen. Das Beispiel von Wiedikon habe gezeigt, dass das Nebeneinander von Primarschule und Mittelschule funktioniere.

Heute befinden sich neben der Schulanlage Steinacher eine Finnenbahn und ein Sportplatz.

Steinacher Ost

Den zweiten möglichen Platz für die neue Mittelschule orten die Grünen im Brunnenhof an der Johannes-Hirt-Strasse. Das Grundstück befindet sich in der Zone für zweigeschossige Bauten und ist eine Reservefläche der Stadt. Zusammen mit dem angrenzenden Gelände der beiden Kirchen wäre das überbaubare Areal, das die Grünen als «Steinacher Ost» bezeichnen, 15'500 Quadratmeter gross.

«Das Gebiet Steinacher Ost wird ohnehin überbaut, es befindet sich in der richtigen Zone und ist genügend gross», hebt Heinz Wiher (Grüne) als Vorteil hervor. 80 Prozent des Geländes befänden sich schon im Eigentum der Stadt und der beiden Kirchgemeinden, der Weg zum Bahnhof sei ähnlich lang und besser gesichert als jener zum Au-Park.

»Das Referendum zu ergreifen ohne einen Plan B zu haben wäre fahrlässig gewesen», sagt Heinz Wiher. «Mit den neuen Standorten haben wir ein Vorwärtsstrategie, die im Fall eines Nein zum Gestaltungsplan schnell umsetzbar wäre.» Da die neuen Mittelschüler vorerst in ein Provisorium ziehe, sei die zeitliche Verzögerung vernachlässigbar, sollte der Kanton auf Plan B zurückgreifen müssen, sagt Wiher. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.06.2018, 18:10 Uhr

Vorschlag der Grünen

Reaktion von Stadt Wädenswil und Kanton

Er sei «erstaunt» über den Vorschlag der Grünen, sagt Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP). Aus mehreren Gründen hält er die vorgeschlagenen zwei Standorte für nicht geeignet. «Strategisch ist es ungeschickt, unsere Reserveflächen für einen möglichen Ausbau der Primarschule dem Kanton zu opfern», sagt Kutter.

Eine Wiese mit Sportplatz zu überbauen sei zudem nicht sinnvoll, wenn eine Industriebrache zur Verfügung stehe. »Ich kann fast nicht glauben, dass der Vorschlag ausgerechnet von den Grünen kommt», sagt Kutter. Gefühlsmässig halte er es für eine grosse Herausforderung, eine Mittelschule neben einer Primarschule zu bauen, «die Altersspanne ist sehr hoch». In der als Beispiel genannten Schule Wiedikon sei er selbst zur Schule gegangen. Ein Problem sieht Kutter zudem im Mehrverkehr durch das Quartier und der Tatsache, dass das Schulhaus, anders als der Au-Park, mit den ÖV schlecht erschlossen sei.

Dies sei übrigens auch ein Grund gewesen, weshalb der Kanton das Provisorium nicht neben dem Schulhaus Steinacher habe errichten wollen. Kutter äussert Verständnis dafür, dass ein so bedeutendes Projekt wie die Überbauung AuPark diskutiert werden muss. Er warnt aber vor falschen Hoffnungen: «Ich sage es klar und offen: Wenn wir den Gestaltungsplan ablehnen, wird das Gymi nicht automatisch woanders in Wädenswil stehen.»

Der Kanton hält sich zu dieser Frage bedeckt: «Falls die Wädenswiler das Gymi im Au-Park ablehnen, werden wir Alternativen auch ausserhalb des Standorts Au prüfen», lautet die Antwort der Bildungsdirektion. Der Kanton besitzt immer noch Land in der Horgner Allmend, das bis zuletzt als möglicher Standort für das Gymi gehandelt wurde. (rau)

Der geplante Standort für das Gymi Zimmerberg und die Gewünschten (anklicken für grössere Ansicht). (Bild: Quelle: «©swisstopo (JM100004)»)

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