Thalwil

Gemeindeversammlung unterstützt Antrag für mehr Kulturförderung

Die Kulturschaffenden konnten sich an der Gemeindeversammlung durchsetzen: Thalwil wird nächstes Jahr 75000 Franken mehr in die Kultur investieren.

2016 wurden in Thalwil Ausgaben für Kulturvereine reduziert. Nun muss die Gemeinde diese wieder aufstocken.

2016 wurden in Thalwil Ausgaben für Kulturvereine reduziert. Nun muss die Gemeinde diese wieder aufstocken. Bild: Patrick Gutenberg

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Irene Mahrer stand die Freude nach der Gemeindeversammlung förmlich ins Gesicht geschrieben. Die Präsidentin des Vereins Kultur Thalwil hatte es am Mittwochabend geschafft, dass die Gemeinde im nächsten Jahr mehr Geld für Kultur ausgibt. Um genau zu sein: 75000 Franken mehr. Dies entgegen dem Willen des Gemeinderats.

Finanzvorstand Hansruedi Kölliker (FDP) hatte zuvor den 199 Stimmberechtigen in der reformierten Kirche das Gemeindebudget 2020 präsentiert. Es sieht ein Minus von 1,4 Millionen Franken vor. Dies bei einem Aufwand in der Höhe von 140,7 Mio. Franken. Dieser Voranschlag mit gleichbleibendem Steuerfuss von 85 Prozent sei zwar ausgewogen, kommentierte Kölliker. Doch er liess vorausblicken, dass sich die finanzielle Situation der Gemeinde zunehmends verschlechtern wird: Anstehende Grossinvestitionen führen in den kommenden Jahren zu einer Verschuldung.

«Kultur schafft Prestige»

Den Bedarf, eine grundsätzliche Diskussion über Budget und Finanzsituation zu führen, hatten die Thalwiler allerdings nicht. Selbst die Rechnungsprüfungskommission (RPK) hielt sich kurz: «Wir haben keine Einwände», sagte RPK-Präsident Andrea Müller, der lediglich auf steigende Kosten in der Sonderschulung hinwies. SVP und FDP würdigten in ihren Voten das «gut austarierte Budget».

Kontrovers diskutiert wurde hingegen die Forderung des Vereins Kultur nach einer Erhöhung der Gemeindebeiträge. Irene Mahrer erinnerte daran, dass diese 2016 im Zuge von Sparmassnahmen gekürzt worden waren. Nun aber gehe es Thalwil wieder gut genug. Kultur verschaffe der Gemeinde Prestige und sorge für sozialen Zusammenhalt, sagte Mahrer. Eine finanzielle Aufstockung wäre zudem eine «Anerkennung für viel Freiwilligenarbeit im Dienste der Gesellschaft».

«Eine Abfuhr erteilen»

Hansruedi Kölliker betonte, dem Gemeinderat sei Kultur sehr wichtig. Doch gebe es auch in anderen Bereichen, zum Beispiel in Sportvereinen, «viele engagierte Leute». Die Exekutive wolle deshalb alle gleich behandeln. Für eine Ablehnung plädierte auch SVP-Präsident Fredi Selinger: «Raum für Begehrlichkeiten gibt es im Budget keinen.» Ähnlich klang das Votum von FDP-Präsident Thomas Henauer. Es gelte, Partikularinteressen «eine klare Abfuhr zu erteilen».

Unterstützung erhielt der Verein Kultur von Eva Wischnitzky, die kürzlich mit dem Thalwiler Kulturförderpreis ausgezeichnet wurde. Sie verglich Kultur mit Bienen: «Erst wenn sie nicht mehr da sind, weiss man, was man von ihnen hat.» Ein solches Szenario drohe dem Kulturraum Thalwil, ergänzte dessen Präsidentin Katharina Weber. Wenn auch der Kanton seine Beiträge streicht, müsse der Kulturraum in wenigen Jahren schliessen.

Erfolgreich mobilisiert

Nicht nur wegen ihrer Argumente, sondern wohl auch wegen erfolgreicher Mobilisierung konnten sich die Kulturschaffenden schliesslich mit ihrem Antrag für zusätzliche 75000 Franken in der Kulturförderung durchsetzen. Angenommen wurden auch das Budget und der Steuerfuss von 85 Prozent sowie die Teilrevision der BZO und die Bauabrechnung des Schulgebäudes im Sonnenberg.

Erstellt: 11.12.2019, 23:52 Uhr

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