Rüschlikon

Grosser Tag für die Bewohner des Abegg-Huus

Provisorium ade: Seit letzter Woche sind die Bewohner des Abegg-Huuses in Rüschlikon wieder an ihrem angestammten Platz zuhause.

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Zielstrebig steuert Max Hürlimann auf das Fenster zu. Zieht mit einem Ruck den Rollladen nach oben. Und verbirgt weder Stolz noch Freude, als er sagt: «Hier sehen Sie von Rapperswil bis Zürich.» Bei klarem Wetter reiche die Sicht gar noch weiter. Bis zum Säntis, Glärnisch, Mürtschen, Tödi, erklärt er. Um seine Aufzählung in einem Wort kumulieren zu lassen: «gewaltig.»

Die Szene spielt sich am vergangenen Dienstagabend im neu gebauten Rüeschliker Altersheim Abegg-Huus ab. Ein Moment, den er «fast nicht mehr habe erwarten können» für den bald 90-Jährigen. Soeben hat er sein neues Zuhause bezogen, auf das er zwei Jahre warten musste. Zuvor schon hat er das Gebäude auf seinen wöchentlichen Spaziergängen entstehen sehen. Er hat auch am Besichtigungsrundgang vor einigen Wochen teilgenommen und da sein 27 Quadratmeter grosses Zimmer zuoberst im fünften Stock erstmals in Augenschein genommen.

Alte Möbel nach Portugal

Auch das Bad, in dem er nun «viel mehr Platz» habe als zuvor in dem rund 40-jährigen Gebäude, begeistert ihn. «Gescheit geplant», urteilt er, während er hier ein Türchen öffnet, um ein neues Kästchen zu entdecken und dort die soliden Haltestangen inspiziert.

Nicht nur für ihn ist dies ein besonderer Tag. Am Morgen hiess es für insgesamt 30 Senioren: Abschied nehmen vom Provisorium am Bahnhof, in dem sie die zweijährige Bauzeit des Neubaus überbrückt hatten. Sie sind ins Pflegezentrum Nidelbad gebracht worden, wo sie Verpflegung und Unterhaltung geboten bekamen.

Währenddessen blieb im Provisorium bald nichts mehr, wie es war: Die Zügelmänner kamen und packten an, wo die Siebensachen der Pensionäre auf den Transport in den Neubau warteten. Lastwagen um Lastwagen füllten sie, wobei allein 5,5 Tonnen an Material zur Entsorgung gebracht wurden: «uralte, zum Teil defekte Möbel, seit Ewigkeiten Gehortetes», erklärt Nadja Fossati, parteilose Gemeinderätin und Stiftungsratspräsidentin der Stiftung Abegg-Huus. Die alten Betten und noch funktionstüchtige Möbel indes würden künftig in einem Altersheim in Portugal Verwendung finden.

Noch eine Stunde bevor gemäss Zeitplan die Senioren vom Nidelbad in ihr neues Zuhause gebracht werden, kommen volle Zügelwagen angefahren. Flinke und kräftige Männer schleppen und rollen Lampen, Hocker, Tische, Stühle und weiteres in die Zimmer, hasten zurück zum Transporter. Derweil hantiert ein Helfer am Fernsehgerät eines Bewohners, ein Techniker programmiert den Schwesternruf. Und die Küchenbrigade füllt die Kühlschränke, das Bistroteam Tassen und Gläser in die Gestelle.

Da ertönt, kurz vor sechs Uhr, der Ruf: «Sie kommen!» Hektik macht sich breit. Das Personal mit Nadja Fossati und Kathrin Rauchenstein, Geschäftsleiterin der Stiftung Abegg-Huus, reiht sich auf zum Spalier. Doch als erste treffen die Zügelleute auf das johlende und zunehmend aufgekratzte Empfangskomitee – sie schaffen noch immer unermüdlich Waren aus dem Camion schaffen. Dann, endlich, erscheint mit Dora Marty die erste Pensionärin. Wenig später der Rest der Bewohner – bis auf die Demenzerkrankten, sie haben den Umzug bereits am Vortag hinter sich gebracht.

Zimmer sind teurer

Frieda Keller bringt ihre Freude am Neubau deutlich zum Ausdruck. Die 89-Jährige findet nur lobende Worte. Obwohl sie auch die Zeit im Provisorium in guter Erinnerung hat – «Es war schön und hat an nichts gefehlt» – und auch den Tag im Nidelbad positiv erlebt hat – «Wir waren wunderbar aufgehoben.» Nun sieht sie ihr eingerichtetes Zimmer zum ersten Mal. Es sind ihr Sohn und ihre Schwiegertochter, die ihr beim Einrichten geholfen haben – nach dem Plan, den sie sich nach der ersten Besichtigung zurecht gelegt hat.

Frieda Kellers Zimmer liegt zwei Etagen tiefer als jenes von Max Hürlimann, bietet aber, wie alle 44 Zimmer, Seesicht. Nicht nur diese schätze sie, sondern auch das grössere Bad, und die Betreuung. Frieda Keller scheint kaum erwarten zu können, dass die Aktivitäten im neuen Abegg-Huus starten. Sie mache alles mit – von der Andacht über das Backen bis zum Turnen. Das einzige, was sie etwas störe, sei, dass es Mitbewohner gebe, die wenig Begeisterung zeigen. «Es ist nicht selbstverständlich, was geboten wird», sagt Frieda Keller.

Der Neubau schlägt mit knapp 29 Millionen Franken zu Buche. Auf die Zimmerpreise wirkt sich der Neubau mit 23 Franken Mehrkosten pro Tag aus. Sie betragen neu 183 Franken. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.10.2018, 16:01 Uhr

Tag der offenen Tür

Am Samstag, 3. November, findet im Neubau des Abegg-Huus an der Alten Landstrasse 68 in Rüschlikon ein Tag der offenen Tür statt. Von 10 bis 15 Uhr werden regelmässig Führungen angeboten. Um 10.30 Uhr steht die ökumenische Weihung des Hauses auf dem Programm, ab 11.30 Uhr gibt es Risotto. (red)

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