Adliswil

«Gottesdienste wie in einer familiären Vollversammlung»

26 Jahre lang war Markus Moll als Pfarrer in der Dreifaltigkeitspfarrei in Adliswil tätig. Ende Monat wird der 77-Jährige diese Aufgabe aufgeben.

Markus Moll wird am Sonntagsgottesdienst vom 2. September verabschiedet.

Markus Moll wird am Sonntagsgottesdienst vom 2. September verabschiedet. Bild: David Baer

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«Ich fühle mich noch fit, aber ein wenig kürzer zu treten ist schon okay», sagt Pfarrer Markus Moll. Immerhin sei er vor fünf Monaten 77-jährig geworden und habe bis jetzt 100 Prozent gearbeitet. In Zukunft plane er etwas mehr Zeit für Reisen ein, aber es sei sein Ziel, den Alltag mit Gottvertrauen auch so zu nehmen, wie er eben komme.

Der Priester, der während 48 Jahren in Pfarreien tätig war, wirkt zufrieden und entspannt. Es war sein Lebenselixier, in Adliswil, früher in den Zürcher Pfarreien St. Anton und Liebfrauen, das Wort Gottes zu verkünden.

Kindheit in Langnau

Markus Moll ist in Langnau als Ältester von drei Brüdern aufgewachsen. Er erinnert sich gerne, an die «unglaublich gesunde religiöse Erziehung», die er in der Familie genossen habe. Seine Eltern seien zum Glauben gestanden, hätten selbstverständlich in der Pfarrei mitgemacht und christlich gelebt, ohne viele Worte darüber zu verlieren. Seine Heimatpfarrei habe damals lange vor der öffentlich-rechtlichen Anerkennung durch den Staat aber materiell äusserst «armselig» leben müssen. So entschloss sich Moll schon als Viertklässler, Priester zu werden, um sich nach Kräften für die Pfarrei einzusetzen.

Unbeirrt ging er seinen Weg: Nach dem Gymnasium in Zürich studierte er Theologie in Rom, Paris und später in Chur. In Rom verdiente er seinen Lebensunterhalt als Fremdenführer. «So kenne ich Rom besser als Zürich», gibt Moll lächelnd zu. Die Zeit in der Metropole Italiens sei äusserst spannend gewesen, fährt er fort, «insbesondere weil ich während des Konzils dort weilte». So verwundert es nicht, dass er seine Doktorarbeit zum Thema: «Was sagt das Konzil zu den Pfarreien?» schrieb. Er beantwortet die Frage gleich selber: Den Laien gab das Konzil mehr Gewicht und die Gemeinschaft sollte entscheidender gefördert werden. In dieser Zeit schloss sich Markus Moll der Fokolarbewegung an. Diese geistliche Gemeinschaft betont den Gemeinschaftssinn und den Einsatz von Laien und Priestern für das Evangelium.

Kontakte auch ins Ausland

In der Dreifaltigkeitspfarrei in Adliswil waren für den langjährigen Pfarrer die Gottesdienste besonders wichtig. Es seien stets «Feiern wie in einer familiären Vollversammlung» gewesen. Alle hätten ihren Platz gehabt. Die Bibel sage ja auch allen zu, dass sie sich «als von Gott geliebte Geschöpfe betrachten» dürften. Diese Botschaft wollte Pfarrer Moll auch auf seinen Hausbesuchen, bei Begegnungen mit Menschen in Freud und Leid und den Kindern im Religionsunterricht weitergeben. Im Dritt-Klass-Unti hätte er Spass mit den Kleinen gehabt und ihnen zwischendurch auch Gespenstergeschichten erzählt, sagt er. Zum Kitt in der Pfarrei trugen weiter die zahlreichen Familienferien und Reisen bei.

Ganz wichtig waren für Markus Moll zudem die ökumenischen Kontakte in Adliswil, die er bis heute als Freude und Bereicherung empfindet. Weiterführend waren für den scheidenden Pfarrer auch die vielen Kontakte in alle Welt, mit denen Adliswil Solidarität und Verbundenheit mit Benachteiligten lebte. Moll erwähnt die Zusammenarbeit mit Kardinal Karlic in Argentinien, Bischof Florentin in Cluj/RO, Pfarrer Georg Pfender in den Philippinen, weiter mit der Fazenda der Hoffnung in Brasilien und einer Pfarrei in Burundi. «Wir durften Weltkirche konkret erfahren und als Bereicherung erleben», sagt er.

Nachfolger sei ein «Glücksfall»

Im Sonntagsgottesdienst vom 2. September wird Pfarrer Markus Moll nun verabschiedet. Generalvikar Josef Annen wird Molls Nachfolger Radoslaw Jaworski offiziell in sein Amt einsetzen. Der «Neue» ist in der Pfarrei bereits bekannt. Er wirkte vorher nicht nur in der Pfarrei St. Elisabeth in Kilchberg, sondern bereits zu 40 Prozent in Adliswil. Für Markus Moll ist Radoslaw Jaworski «ein Glücksfall». Das Wissen um den guten Nachfolger erleichtere ihm den Abschied. Moll wird weiterhin in Adliswil wohnen und im heimischen Pfarramt in Zukunft auch Stellvertretungen übernehmen. Rückblickend zu den Jahren im katholischen Pfarramt in Adliswil sagt er: «l did my best» und alles andere überlasse er Gottes Fügung.

Stabsübergabe Katholische Kirche Adliswil, Festgottesdienst, Sonntag, 2. September um 10.30 Uhr. Anschliessend Apéro riche und Ansprachen auf der Piazza vor der Kirche, musikalische Mitwirkung Harmonie Adliswil. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 27.08.2018, 15:37 Uhr

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