Bezirksgericht Horgen

Gericht weist Klagen gegen Forstbetrieb ab

Gemeinden und Korporationen wollen sich im Wald am Zimmerberg zusammenschliessen. Dagegen gehen vier Korporationsmitglieder vor. Sie lieferten sich vor Gericht einen Schlagabtausch mit ihren Präsidenten.

Die Zimmerbergregion besteht zu weiten Teilen aus Wald – Pläne für einen Zusammenschluss zwischen Gemeinden und Korporationen sorgen nun für Streit.

Die Zimmerbergregion besteht zu weiten Teilen aus Wald – Pläne für einen Zusammenschluss zwischen Gemeinden und Korporationen sorgen nun für Streit. Bild: André Springer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Das ist schon nicht leicht zu verstehen, oder?» Nach zwei Prozessen zum Thema Forstkorporation muss die Frage eines Klägers mit Ja beantwortet werden. Für Aussenstehende ist es nicht einfach nachzuvollziehen, was sich im grossen Saal des Bezirksgerichts Horgen abgespielt hat. Das liegt einerseits an der Eigenart des Zivilprozesses — die Kläger und Beklagten haben nur noch die Möglichkeit auf bereits gemachte Aussagen zu antworten. Andererseits macht es die Thematik nicht einfacher, die Prozesse zu verstehen.

Verhandelt werden die Beschwerden von Mitgliedern der Forstkorporation Oberrieden (FKO) und der Holzkorporation Bannegg aus Thalwil. Sie wehren sich gegen die Beschlüsse der jeweiligen Versammlungen, der neu zu schaffenden Gesellschaft Forstbetrieb Zimmerberg GmbH (FBZ) beizutreten. Neben den beiden Organisationen sollen auch die Gemeinden Thalwil, Oberrieden und Langnau Teil des FBZ sein.

Die Mitgliederversammlungen der Korporationen haben den Anträgen der beiden Vorstände deutlich zugestimmt, wie der gemeinsame Anwalt betont. So weit, so klar. Doch vier Mitglieder beider Korporationen geben nicht auf. Sie stören sich daran, dass in der neuen Gesellschaft die Gemeinden das Sagen hätten. Dass die Korporationen auch im Vorstand dabei sind, reich ihnen nicht aus.

Vorwürfe kommen zu spät

Anhand von Zahlen und buchhalterischen Fragen versucht einer der Kläger, ein diplomierter Wirtschaftsprüfer, aufzuzeigen, dass die Nutzungsrechte der Mitglieder stark entwertet werden. Er prophezeit auch, dass die neue Gesellschaft nicht profitabel arbeiten könne. Mit dem verfügbaren Personal und den Maschinen müsste eine Waldfläche von mindestens 1000 Hektaren bewirtschaftet werden. Die drei Gemeinden und die beiden Korporationen verfügten aber bloss über 270 Hektaren.

Der Anwalt der Beklagten wirft den Klägern vor, viel zu spät mit den Vorwürfen zu kommen. Hätte sie etwas gestört, hätten sie das vor oder an den Versammlungen sagen müssen, hält er den Klägern von der Holzkorporation Bannegg entgegen. Das hätten sie ja getan, antworten diese. In Mails an verschiedene Personen sei ihre Sicht dargelegt worden. Auch an mindestens einer Versammlung habe er die Mitglieder auf die angebliche Entwertung aufmerksam gemacht, sagt einer der Kläger. Das ist Wasser auf die Mühlen des Anwalts: «Dann gibt es keinen Grund, vor Gericht zu gehen. Die Mitglieder haben zugestimmt, obwohl sie alle Seiten kannten». Er vermutet auch, dass es den Waldbesitzern um den Profit gehe. Ein Vorwurf den die Kläger vehement abstreiten. Bei der kleinen Fläche sei ein Profit gar nicht möglich.

Waldfremde Tätigkeiten

Im Streit mit der Forstkorporation steht das Geld im Mittelpunkt. Dem Vorstand werfen die Kläger vor, schlecht gewirtschaftet zu haben. Obwohl die FKO um die Jahrtausendwende viel Geld in der Kasse hatte, schreibe sie nun regelmässig rote Zahlen. Einen Grossteil des Geldes habe man in einen «überdimensionierten Maschinenpark» und die Holderhütte investiert. Diese Werte würden in die neue Gesellschaft eingebracht, wo sie zweckentfremdet werden sollen.

Gemäss Statuten sei die Pflege des Waldes die Haupttätigkeit der Korporation, so der Klägeranwalt. Doch in Zukunft sollen vermehrt waldfremde Tätigkeiten wie der Sicherheitsholzschlag für Dritte oder Baumpflege in Parks durchgeführt werden. Damit verstosse die Korporation gegen eidgenössisches und kantonales Recht. Ein Vorwurf den die Gegenseite nicht gelten lässt. Schon heute seien diese Arbeiten Teil der Aufgaben der Förster.

Mit ihrer Klage haben die vier Mitglieder der Korporationen keinen Erfolg. Das Bezirksgericht weist beide Klagen ab. Die Kläger haben die schriftliche Begründung verlangt. Ein Weiterzug ist also zu erwarten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.12.2018, 17:44 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Paid Post

Burger ahoi auf dem Zürichsee

Feines Fast Food zum Feierabend: Ab dem 16. Mai geht das Build-your-Burger-Schiff auf Kurs – mit neuen Ideen und spannenden Kreationen.