Horgen

Geplante Passerelle spaltet Horgen

Am 19. Mai stimmen die Horgner über den Bau einer Fussgängerpasserelle ab. Damit soll das sommerliche Verkehrschaos beim Bahnübergang Seegüetli entschärft werden. Doch es regt sich Widerstand.

Vor geschlossener Bahnschranke müssen sich Badigäste lange gedulden. Bild: Sabine Rock

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Anfang Monat hat das Sportbad Käpfnach in Horgen seine Tore für die Saison 2019 geöffnet. Damit beginnt auch die Zeit des alljährlichen Verkehrschaos beim Bahnübergang Seegüetli, wo sich Fussgänger, Velofahrer und Automobilisten bis zu 20 Minuten gedulden müssen, bis sich die Bahnschranken heben. Der Horgner Gemeinderat will der altbekannten Problematik mit einer 3,2 Millionen Franken teuren Fussgängerpasserelle Herr werden. Die z-förmige Fussgängerbrücke soll vom Areal der Gemeindewerke über die Bahngleise Richtung Sportbad führen. Stimmt der Souverän am 19. Mai für die Vorlage, könnte die Warterei am Bahnübergang bereits im Sommer 2020 ein Ende haben.

Verschiedene Varianten geprüft

Die Idee eines Übergangs für den Fussverkehr ist nicht neu. Bereits 2004 gab der Gemeinderat eine erste Machbarkeitsstudie für ein oberirdisches Projekt in Auftrag. Auch die Möglichkeit einer Unterführung der Gleise wurde in der Vergangenheit geprüft. Doch während diese früheren Pläne unter anderem an der Finanzierung und rechtlichen Unsicherheiten bereits in frühen Entwicklungsstadien zum Erliegen kamen, sind der Gemeinderat wie auch die Rechnungsprüfungskommission zuversichtlich, diesmal den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

Die geplante Passerelle beim Bahnübergang Seegüetli erinnert an eine Z-Form. Verschieben Sie den Regler um zu sehen, wo sie gebaut werden soll.

«Das vorliegende Projekt ist ein gutschweizerischer Kompromiss», sagt der zuständige Gemeinderat und Tiefbauvorsteher Markus Uhlmann (GLP). Mit der Fussgängerpasserelle werde vor allem das stetig wachsende Sicherheitsproblem beim Bahnübergang Seegüetli gelöst. «Wegen der langen Wartezeit kommt es oft vor, dass Fussgänger unter der geschlossenen Bahnschranke hindurchschlüpfen, um auf die andere Seite der Gleise zu gelangen.» Da die SBB ihren Fahrplan von Jahr zu Jahr weiter verdichte, würden auch die Wartezeiten am Bahnübergang tendenziell länger. Das verschärfe ein Sicherheitsproblem, welches man mit der Passerelle lösen könne.

Doch nicht alle sind zufrieden mit der Abstimmungsvorlage. So hat sich etwa die SP gegen die Vorlage ausgesprochen. Die Partei fragt sich, ob das vorgeschlagene Bauwerk notwendig und nicht einfach wünschbar sei. Schliesslich gehe es beim Seegüetli fast ausnahmslos um Freizeitverkehr, den man mit einem Autofahrverbot beschränken könne. Folglich seien die hohen Kosten für eine Passerelle unverhältnismässig. Ausserdem würde «die massive Hohlkastenbrücke das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen», schreibt die SP in einer Mitteilung.

«Das vorliegende Projekt ist ein gutschweizerischer Kompromiss.»Markus Uhlmann (GLP),
Gemeinderat und Tiefbauvorsteher

Auch bei den zustimmenden Parteien wurde die Ja-Parole nicht ohne Diskussionen gefasst. So schreibt die EVP Horgen in ihrer Mitteilung, das Ja sei «trotz wenig Überzeugung» beschlossen worden. Bei der lokalen FDP brachte ein knappes Mehr die Ja-Parole. Gesiegt habe schliesslich die Einsicht, dass bei diesem neuralgischen Bahnübergang dringender Handlungsbedarf bestehe, der durch keine anderen Lösungen behoben werden könne. Die Freisinnigen erachten den Bahnübergang zudem als Teil des Seeuferwegs. Entsprechend erwarte man eine finanzielle Beteiligung des Kantons, schreibt die Partei.

Zu starke Steigung

Ein Leserbrief der Arbeitsgruppe Behindertengerechtes Leben in Horgen weist indes darauf hin, dass Menschen mit Mobilitätseinschränkung die Rampen mit bis zu zwölf Prozent Gefälle «nur mit menschlicher oder motorisierter Unterstützung» bewältigen könnten. Laut der Schweizerischen Fachstelle für behindertengerechtes Bauen sind Steigungen bis sechs Prozent für Rollstuhlfahrende ohne Hilfe passierbar. «Ab zwölf Prozent wird dies jedoch auch mit Hilfsperson schwierig. Rampen mit mehr als zehn Prozent Steigung sind teilweise auch für gehbehinderte Personen problematisch», heisst es in den Richtlinien.

Dem widerspricht Tiefbauvorsteher Uhlmann nicht. Der Gemeinderat sei sich bewusst, dass die Steigung für gewisse gehbehinderte Personen ein Hindernis darstellen könnte. Auch hier sehe man den Kompromisscharakter des Projekts. «Wenn wir die Steigung halbieren, braucht es doppelt so lange Rampen. Das würde das Projekt um circa eine Million verteuern», schätzt Uhlmann.

Erstellt: 09.05.2019, 17:48 Uhr

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