Wädenswil

Geplante Hochhaus-Zonen sorgen für Entrüstung

Der kommunale Richtplan der Stadt wurde einer Gesamtrevision unterzogen. Die drei darin vorgesehenen Hochhaus-Zonen für 40 Meter hohe Bauten stossen «unerwartet vielen Wädenswilern» sauer auf. Nun muss sich die Stadt mit entsprechend zahlreichen Einwendungen herumschlagen.

Geht es nach dem revidierten kommunalen Richtplan der Stadt Wädenswil, könnten in der Au auf der gesamten Länge der Halbinsel einst 40 Meter hohe Hochhäuser realisiert werden. Beim Bild handelt es sich um eine Montage, von der ZSZ, basierend auf der offiziellen Visualisierung der Hochhausstudie der Planar AG.

Geht es nach dem revidierten kommunalen Richtplan der Stadt Wädenswil, könnten in der Au auf der gesamten Länge der Halbinsel einst 40 Meter hohe Hochhäuser realisiert werden. Beim Bild handelt es sich um eine Montage, von der ZSZ, basierend auf der offiziellen Visualisierung der Hochhausstudie der Planar AG. Bild: Bild Manuela Matt / Montage Albert Kern

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Mit Gegenwind gerechnet hatte er sowieso. Doch der Wädenswiler Stadtrat Heini Hauser (SVP) staunte nicht schlecht, als klar war: 145 Einwendungen mit gesamthaft 600 Unterschriften gingen bei der Abteilung Planen und Bauen ein. «Es waren unerwartet viele Reaktionen», sagt Heini Hauser. Und: Diese seien heftiger ausgefallen, als angenommen.

Alle Einwender wehren sich gegen den revidierten kommunalen Richtplan, der bis zum 24. Juli öffentlich auflag. Er dient der langfristigen Planung und Entwicklung der Stadt. Der revidierte Richtplan hält unter anderem in den Bereichen Siedlung, Verkehr, Landschaft und Entsorgung die künftigen Strategien fest und soll den derzeitigen kommunalen und in die Jahre gekommenen Richtplan von 1982 ablösen.

Möglichkeit der Mitsprache

Es war jedoch in erster Linie ein kleiner Bereich des Richtplans, der die Emotionen von so manchem Wädenswiler hochkochen liess: Die drei darin festgesetzten Eignungsgebiete für Hochhäuser mit einer Höhe von bis zu 40 Metern. Würde der Richtplan entsprechend festgesetzt, könnten die Gebäude geplant werden auf dem Areal der Tuwag am östlichen Siedlungsrand der Stadt an der Grenze zu Richterswil, im Gebiet Neubüel unterhalb der Autobahn sowie im Ortsteil Au im Bereich der Seestrasse bis zum AuPark.

«80 bis 90 Prozent der Einwendungen betreffen die Hochhauseignungsgebiete.»Heini Hauser (SVP), Stadtrat Wädenswil

«80 bis 90 Prozent der Einwendungen betreffen die Hochhauseignungsgebiete», sagt Heini Hauser. «Ich habe mir erhofft, dass sich die Wädenswiler intensiv mit dem Richtplan auseinandersetzen», sagt Philipp Kutter (CVP), Stadtpräsident von Wädenswil. «Das ist geschehen und das freut mich». Es sei dem Stadtrat hingegen nicht gelungen, die Absichten der Hochhaus-Zonen richtig darzulegen. So vermuteten einige, die Zonen ermöglichten reihenweise Hochhäuser. «Diese Sorge ist unbegründet», sagt der Stadtpräsident. Vielmehr wolle man in diesen Gebieten ein Hochhaus punktuell als Gestaltungselement ermöglichen. Auch sei vielen nicht bewusst, dass sie in der weiteren Planung noch viele Möglichkeiten zur Mitsprache haben werden.

Ein weiter Weg

Es wäre tatsächlich weiterhin ein weiter Weg bis zu einem Hochhaus in Wädenswil. Denn: Es bräuchte auch nach der Feststetzung der Eignungsgebiete nach wie vor eine Änderung des Zonenplans, sollten Investoren den Bau eines Hochhauses ins Auge fassen – und eine solche Planung wäre zusätzlich gestaltungsplanpflichtig. «Es wird also niemandem einfach so ein Hochhaus vor die Nase gesetzt», hält Kutter fest.

Doch genau das befürchten mehrere hundert Anwohner allein in der Au. Sie zeigen sich entrüstet ob der Hochhaus-Zone. Mehrere Interessensgemeinschafte, aber auch einzelne Anwohner, die sich zusammengeschlossen haben, wollen gegen die Hochhauszonen vorgehen.

Fehlende Rechtsgrundlage

Peter Meier aus der Au wollte nicht lange fackeln. Er hat einen Anwalt eingeschaltet. Zu wichtig ist ihm sein Anliegen: In der Au sollen auf gar keinen Fall Hochhäuser mit einer Höhe von 40 Metern auf der ganzen Länge entlang der Halbinsel gebaut werden können. Weder heute noch in Zukunft. Und darum richtete sich sein Anwalt mit mehreren Einwendungen zum revidierten kommunalen Richtplan direkt an den Wädenswiler Stadtrat. In einem 15-seitigen Papier hält der Jurist in 44 Einzelpunkten fest, warum eine geplante Hochhauszone für 40 Meter hohe Bauten in der Au keinesfalls zu akzeptieren ist.

Flankiert wird der Örtler Peter Meier und sein Anwalt von 67 Mitunterzeichnenden, ebenfalls aus der Au. Sie haben sich zu einem privaten Komitee zusammengeschlossen. Der Anwalt hält in der Einwendung fest, dass «gemäss kantonalem Richtplan das Gebiet in der Au lediglich zu Siedlungszwecken angedacht ist». Und darum fehle es der Revision des Richtplanes in diesem Punkt an der Rechts- und Planungsgrundlage. Auch im regionalen Richtplan Zimmerberg würden sich keine Grundlagen für Hochhausbereiche in Wädenswil auffinden, heisst es in der Einwendung weiter. Gemäss Heini Hauser (SVP), Stadtrat für Planen und Bauen in Wädenswil, ist dieser rechtliche Einwand wenig stichhaltig: Weder der kantonale noch der regionale Richtplan schliesse Hochhäuser aus. Sie verlangten lediglich eine Anpassung des Zonenplans mittels Gestaltungsplan, sagt er.

Zum allgemeinen Verständnis: Der kantonale ist für den regionalen und dieser wiederum für den kommunalen Richtplan behördenverbindlich. Die Stadt Wädenswil orientiert sich bei der Hochhausthematik und den definierten drei Eignungsgebieten für Hochhäuser in erster Linie an einer Hochhausstudie. Diese hatte die Stadt dem Zürcher Planungsbüro Planar AG im Vorfeld der Gesamtrevision der kommunalen Richtplanung in Auftrag gegeben.

Umfrage bei den Anwohnern

«Wir haben sehr schnell gemerkt, dass die Bevölkerung in der Au eine solche Hochhaus-Zone auf keinen Fall will», sagt der Anwohner Peter Meier, der zusätzlich bis vor kurzem im Quartierverein Au aktiv war. Der Quartierverein habe eine Umfrage bei der Bevölkerung bezüglich Ortsplanung in der Au durchgeführt. «Die Resonanz war gewaltig», sagt Meier. «Wir sind uns alle einig: Die Au ist bereits gebaut». Sie könnten höchstens ein moderates Wachstum akzeptieren.

Weiter führt er argumentativ ins Feld, dass allfällige Hochhäuser so nahe an der Halbinsel Au damit auch viel zu nahe am Naturschutzgebiet zu stehen kämen. «Die Halbinsel ist und bleibt eines der wichtigsten Erholungsgebiete am Zürichsee». Meier hofft nun, dass der Stadtrat das Gespräch mit dem Komitee sucht. Sollte es in der Causa Hochhaus-Zonen zu keiner Einigung kommen, will das Komitee einen Schritt weiter gehen: «Dann würden wir uns noch straffer und konzentrierter organisieren und weitere politische Mittel ergreifen».

«Wir sind uns alle einig: Die Au ist bereits gebaut»Peter Meier, Anwohner 

Ein wenig gelassener klingt es aus den Reihen der Genossenschaft Au-Konsortium. «Wir sehen bezüglich der vorgesehenen Hochhaus-Zonen einstweilen keinen Handlungsbedarf», sagt Thomas Blattmann vom Au-Konsortium. «Wir haben darum von einer Einwendung abgesehen», sagt er. Das Au-Konsortium besitzt ein 15 Hektar grosses Grundstück auf dem Au-Hügel. Es hat es sich zum Ziel gesetzt, das Grundstück für die Öffentlichkeit zu erhalten, die Natur vor Ort zu schützen und den Hügel vor Überbauung zu bewahren. Zudem soll die Stille der Au-Halbinsel bewahrt werden, heisst es auf deren Website.

Referendum geplant

Allein 50 der 145 Einwendungen stammen aus einer weiteren Bürgerbewegung in der Au. Sie seien aus der aktuellen Situation heraus entstanden und haben sich mittlerweile zur IG Wädi Au zusammengeschlossen, sagt Lars Wernli aus der Au. «Ich weiss auch noch von einer weiteren Gruppe aus unseren Reihen, die ebenfalls mehrere Einwendungen mit rund 190 Unterschriften bei der Stadt eingereicht hat», sagt er. Sollten die Eignungsgebiete für Hochhäuser im kommunalen Richtplan bleiben, wären er und seine Mitstreiter bereit, alle Register zu ziehen: «Dann ergreifen wir ganz bestimmt das Referendum». Die dafür benötigten Unterschriften würden sie schnell erreichen, ist sich Wernli sicher.

Ins gleiche Horn bläst Kurt Schreiber, ebenfalls vom Quartierverein in der Au: «Der Stadtrat muss dringend noch einmal über die Bücher. Sonst kämpfen wir und werden alle gesetzlichen Möglichkeiten ausnützen, um die Realisierung dieses Vorhabens zu verhindern». Der Stadtrat und auch das Parlament müssten sich auf etwas gefasst machen.

Auch die Grünen Wädenswil gehören zu den Einwendern zum revidierten kommunalen Richtplan. Der Stadtrat schiesse mit den drei geplanten Hochhauszonen weit über jegliche nachhaltige Entwicklungsplanung für Wädenwil hinaus, heisst es in einem Schreiben der Partei. «Der Stadtrat soll unsere Anliegen sorgfältig prüfen», sagt Rita Hug, Präsidentin Grüne Wädenswil. Ansonsten wären auch sie von den Grünen bereit, sich mit weiteren Gruppierungen zusammenzuschliessen, um weitere Schritte gegen die Hochhauszonen einzuleiten.

Gespräche denkbar

«Wir nehmen die vielen Einwendungen ernst», sagt Heini Hauser. Auch Gespräche seien allenfalls denkbar. Eines weiss er jedoch bereits: «Ich will auf keinen Fall wegen der Hochhäuser den revidierten kommunalen Richtplan als Koordinations- und Führungsinstrument aufs Spiel setzen». Er wolle den Richtplan auf alle Fälle mehrheitsfähig verabschieden, «sonst könnte es schwierig werden».

Sofern das Referendum nicht ergriffen wird, dürfte der revidierte kommunale Richtplan nach dem Legislaturwechsel 2018 Rechtsgültigkeit erlangen. Gemäss Hauser wird der Stadtrat im September einen Grundsatzentscheid fällen, ob die drei Eignungsgebiete für Hochhäuser im Richtplan bleiben – oder eben wieder gestrichen werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.08.2017, 15:49 Uhr

Die geplanten Hochhäuser

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