Richterswil/Samstagern

Gemeinderat will aus Alterszentrum eine Aktiengesellschaft machen

Der Gemeinderat hat am Mittwochabend in einer Infoveranstaltung erklärt, wie er das Alterszentrum Im Wisli neu organisieren will. Die Reaktionen waren meist positiv.

Der Gemeinderat plant ein neues Alterszentrum zu bauen und will gleichzeitig die Organisation neu strukturieren – darüber wurde am Mittwoch diskutiert.

Der Gemeinderat plant ein neues Alterszentrum zu bauen und will gleichzeitig die Organisation neu strukturieren – darüber wurde am Mittwoch diskutiert. Bild: Rahel Urech

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Es war eher trockene Materie – Organisatorisches und Finanzpolitisches – was die Richterswiler am Mittwochabend aufgetischt bekamen. Gegen 100 Interessierte hatten sich im Haaggeri-Saal eingefunden, um zu hören, wie der Gemeinderat das Alterszentrum Im Wisli restrukturieren will. Der Gemeindepräsident Marcel Tanner (FDP), die Gemeinderätinnen Melanie Züger (FDP, Ressort Gesellschaft) und Evelyn Meuter (SVP, Ressort Liegenschaften) hielten ihre Vorträge aufgrund der fortgeschrittenen Stunde entsprechend kurz.

Das Alterszentrum Im Wisli habe keine zeitgemässe Infrastruktur mehr, sagte Tanner einleitend. Der Gemeinderat plane deshalb, ein neues Alterszentrum zu bauen, und empfehle, gleichzeitig die Organisation neu zu strukturieren. Bisher habe die Gemeinde als Trägerschaft fungiert. Durch die Vermischung von Politik und Betrieb aber litten das Leistungsangebot und die Infrastruktur. Der Gemeinderat hat deshalb vor, zwei Aktiengesellschaften zu gründen mit dem Namen RISA Wisli AG (für den Betrieb) und RISA Liegenschaften AG (für den Bau und die Liegenschaften). «Beide Gesellschaften bleiben vollumfänglich und unbefristet im alleinigen Besitz der Gemeinde», versicherte Tanner. Der drei- bis fünfköpfige Verwaltungsrat der beiden neuen Gesellschaften werde vom Gemeinderat bestimmt und bestehe aus Fachleuten. «Das garantiert uns, dass auch bei einem Behördenwechsel kein Fachwissen verloren geht», sagte Züger.

Land wird verkauft

Der Gemeinderat verspricht sich von den Aktiengesellschaften, dass sie schneller und flexibler Entscheidungen treffen können. Dies sei gerade im Personalbereich wichtig, um gute Leute einstellen zu können, begründete Züger. Die Neuregelung würde laut den Gemeinderäten den Finanzhaushalt der Gemeinde und die Verwaltung deutlich entlasten. Mit den Einwohnern des Wisli werde kein Gewinn erwirtschaftet, versprach Züger: «Laut Pflegefinanzierung dürfen nur kostendeckende Tarife verrechnet werden.»

«Wenn die Gemeinde das Land im Baurecht vergäbe, müsste sie die RISA Liegenschaften mit deutlich mehr Kapital ausstatten, als wenn sie ihr das Land verkauft.»Evelyn Meuter, Gemeinderätin

Zu Fragen Anlass gab der Umstand, dass die Gemeinde der RISA Liegenschaften AG das Land verkaufen und nicht im Baurecht abtreten will. «Wenn die Gemeinde das Land im Baurecht vergäbe, müsste sie die RISA Liegenschaften mit deutlich mehr Kapital ausstatten, als wenn sie ihr das Land verkauft», entgegnete Meuter auf eine entsprechende Frage. Die Abgabe im Baurecht würde sich negativ auf die Mietpreise für die Einwohner auswirken, machte Finanzvorstand Willy Nüesch (FDP) die Konsequenzen klar. «Jedes Zimmer würde pro Jahr 2000 Franken mehr kosten.»

Weitere Fragen aus dem Publikum drehten sich darum, wie ausgelastet der Verwaltungsrat wäre, ob die RISA Liegenschaften AG dem Submissionsverfahren unterliege und was passiere, wenn die RISA Wisli AG Verlust schreibe. «Wir sind quasi Rückversicherer, die Verantwortung liegt bei der Gemeinde», erklärte Tanner.

Flammende Wortmeldung

«Warum wäre es eine AG und nicht eine Stiftung?», wollte jemand anderer wissen. In einer AG könne der Gemeinderat mehr Einfluss nehmen als in einer Stiftung, die eigenständig unterwegs sei, erwiderte Tanner. «Wenn die AG die Trägerschaft übernimmt; können wir dann noch mitbestimmen, wie hoch, wie breit und wie teuer der Neubau wird?» wollte ein Interessierter wissen. Tanner verneinte, da müsse die Bevölkerung dem Verwaltungsrat einfach vertrauen.

Trotz vieler kritischer Fragen schien das Publikum grundsätzlich positiv eingestellt zu sein gegenüber Neubau und Restrukturierung. Beweis dafür war der grosse Applaus für die flammende Wortmeldung einer ehemaligen Angestellten des Wisli. «Die Infrastruktur ist nicht mehr zeitgemäss. Ich hatte Panik vor Feuer. Man kann mit keinem Bett in den Lift. Die Türen sind dermassen eng; wenn jemand umfiel, dann kamen wir mit den Hilfsgeräten kaum hindurch.» Eine Erneuerung sei «bitter nötig», schloss sie.

Laut den Plänen des Gemeinderats wird die Bevölkerung am 17. Mai 2020 über die Restrukturierung abstimmen können. Im gleichen Jahr noch sollen die Gesellschaften gegründet werden. Frühestmöglicher Start für den Bau der Gebäude mit 70 Pflegeplätzen und 35 Alterswohnungen wäre im Jahr 2022.







Erstellt: 14.11.2019, 13:11 Uhr

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