Langnau

Gemeinderat kauft Haus für 700'000 Franken – trotz Geldsorgen

Der Gemeinderat erwirbt eine Liegenschaft an der Sihltalstrasse. Damit gehört der Gemeinde Langnau künftig eine ganze Häuserreihe, in der Sozialhilfeempfänger und Asyl-Suchende untergebracht werden können.

Der Gemeinderat kauft für 695'000 Franken die Liegenschaft an der Sihltalstrasse 77.

Der Gemeinderat kauft für 695'000 Franken die Liegenschaft an der Sihltalstrasse 77. Bild: Manuela Matt

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Sie ist kein schöner Anblick - die Häuserreihe an der Sihltalstrasse 73 bis 79 zwischen dem Bahnhof Langnau-Gattikon und der Sporthalle Sihlsports. Die Fassade blättert ab, die alten Gebäude sind in einem schlechten Zustand, was auch für den Laien schnell ersichtlich ist. Die Gemeinde ist Eigentümerin der Liegenschaftenreihe – bis auf das Haus Sihltalstrasse 77. In den gemeindeeigenen Häusern leben heute Sozialhilfeempfänger und Asylbewerber.

Nun wird der Gemeinderat auch die Liegenschaft Sihltalstrasse 77 von einem privaten Eigentümer für 695000 Franken kaufen. «Damit schliessen wir die Lücke und sind als Gemeinde Eigentümerin der gesamten Häusergruppe», sagt Finanzvorstand Beat Husi (CVP).

«Mit dem Kauf schliessen wir die Lücke und sind als Gemeinde Eigentümerin der gesamten Häusergruppe.»Finanzvorstand Beat Husi (CVP) 

Der Kaufvertrag wird gerade aufgesetzt und unterzeichnet. Das Haus wird dann ab dem Jahr 2023 der Gemeinde gehören. Die Wohnungen in dem Gebäude sind im Moment vermietet. «Wir haben uns im Kaufvertrag das Recht ausbedungen, das wir ein Mitspracherecht haben, wenn sich an den Mietverhältnissen bis 2023 etwas ändern sollte», sagt Husi. Denn der Gemeinderat hat bereits Pläne, was er mit der Häuserreihe machen will. Mittelfristig könnten freie Wohnungen in der Liegenschaft Sihltalstrasse 77 ebenfalls für Sozialhilfeempfänger und Asyl-Suchende zur Verfügung gestellt werden. Langfristig will der Gemeinderat die Liegenschaften sanieren oder er könnte sich sogar eine komplett neue Überbauung vorstellen. «Der Dorfeingang zu Langnau, an dem die Gebäude angesiedelt sind, sieht hässlich aus», sagt Beat Husi. Als Eigentümerin der Liegenschaften habe die Gemeinde nun die Zügel in der Hand, um das Ortsbild an der Sihltalstrasse zu verschönern und das Gebiet aufzuwerten.

Opposition gegen Sparpläne

Die Nachricht des Liegenschaftenkaufs fällt in eine heikle Zeit für den Gemeinderat. An der Gemeindeversammlung vom 5. Dezember will die Exekutive dem Volk ein Budget schmackhaft machen, das einige spürbare Sparmassnahmen beinhaltet. Damit der Steuerfuss bei 106 Prozent gehalten werden kann, plant der Gemeinderat 45 Massnahmen umzusetzen, mit der er jährlich rund 420000 Franken einsparen kann. Unter anderem sollen Skilager und Schulsportkurse gestrichen werden. Der Dorfmärt wird nicht mehr stattfinden und die Langnauer Vereine müssen mit 10 Prozent weniger Beiträgen rechnen. Bei den Betroffenen stehen die Sparmassnahmen in der Kritik. Sie haben angekündigt, dass sie an der kommenden Gemeindeversammlung die Stimme gegen die Massnahmen erheben werden. Allen voran Peter Steiner, Leiter des Turbine-Theaters. Er sagte in dieser Zeitung kürzlich: «Geld, das in kulturelle Anlässe fliesst, ist gut investiertes Geld.»

Finanzvorstand Beat Husi weiss, dass der Zeitpunkt für den Liegenschaftenkauf speziell ist. Die Bürgerinnen und Bürger können bei dem Vorhaben auch nicht mitreden, weil der Kauf in die Finanzkompetenzen des Gemeinderats fällt. Dennoch sagt Husi: «Wir können den Zeitpunkt eines Hauskaufs nicht aufschieben, weil Sparmassnahmen geplant sind. Die Liegenschaft soll jetzt für die Gemeinde gesichert werden.» Husi betont auch, dass der Kauf nicht in Zusammenhang mit dem geplanten Abbau des Service Public gestellt werden könne. «Der Kauf betrifft das Finanzvermögen und nicht das Verwaltungsvermögen. Es fliesst heute ausser einer Anzahlung von 35000 Franken auch kein Geld». Nach der Eigentumsübertragung steht dem investierten Geld dann ein entsprechender Liegenschaftenwert gegenüber. «Hätten wir das Gebäude nicht gekauft, müssten wir dennoch die Sparmassnahmen umsetzen, um im nächsten Jahr ein ausgeglichenes Budget zu erreichen», sagt Husi. Er bestätigt aber auch, dass bei den Liegenschaften im Gemeindebesitz mittelfristig Investitionen zur Instandhaltung anfallen könnten.




Erstellt: 27.11.2019, 16:47 Uhr

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