Langnau

Langnauer Gemeinderat akzeptiert geplanten Doppelspurausbau

Der politische Widerstand gegen die Enteignungen für den SZU-Doppelspurausbau beim Gartendörfli-Quartier scheint beendet. Der Langnauer Gemeinderat gibt sich mit einem «gutschweizerischen Kompromiss» zufrieden.

Künftig wird der Zug auf einem zweiten Gleis noch näher an den Gärten und Häusern vorbeifahren.

Künftig wird der Zug auf einem zweiten Gleis noch näher an den Gärten und Häusern vorbeifahren. Bild: Archiv Patrick Gutenberg

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Auf der einen Seite fliesst die Sihl, auf der anderen rattern die Züge der Sihltalbahn vorbei. Eingeklemmt auf der schmalen Fläche dazwischen liegt das Langnauer Quartier Gartendörfli mit seinen rund 30 Einfamilienhäusern. Genau hier plant die Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU) ein zweites Gleis. Für diesen Doppelspurausbau sollen acht Grundeigentümer Land abtreten.

Dagegen wehrten sich während der letzten Jahre verschiedene Politiker. Nun ist der Widerstand vorbei. Im Zürcher Kantonsrat hatte ein entsprechendes Postulat am Montag keine Chance. Für die betroffenen Gartendörfli-Bewohner eingesetzt hatte sich auch der Langnauer Gemeinderat und dessen Infrastrukturvorstand Rolf Schatz (GLP). Doch ein weiterer Kampf sei nun nicht mehr nötig. «Das Projekt wurde so weit angepasst, dass wir ihm zustimmen konnten», sagt Schatz.

Postulat als Druckmittel

Dazu beigetragen hat das kantonale Amt für Verkehr, welches auf der neben der Bahnlinie verlaufenden Sihltalstrasse ein Trottoir aufheben wird. So erhält das Bahntrassee strassenseitig mehr Platz. Die SZU selbst hat angekündigt, ihr künftig zweispuriges Trassee möglichst schmal zu gestalten. Die Gartenfläche, die die Bewohner abtreten sollen, beträgt somit in der Breite maximal noch rund zwei statt vier Meter. «In seiner jetzigen Form ist das Projekt ein gutschweizerischer Kompromiss», meint Schatz.

Deswegen habe der Gemeinderat das genannte, gescheiterte Postulat der Kantonsräte Davide Loss (SP, Adliswil) und Judith Bellaiche (GLP, Kilchberg) zuletzt nicht mehr befürwortet. «Trotzdem sind wir dankbar, dass sie damit auf kantonsrätlicher Ebene Druck ausgeübt haben.» Denn auch dies habe dafür gesorgt, dass die Verantwortlichen eine Kompromisslösung ausarbeiteten.

Abgeschlossen sind die Abklärungen für den Platzbedarf indes noch nicht. Wie der neue SZU-Direktor Marco Lüthi auf Anfrage sagt, prüfe die SZU derzeit Optionen, um noch weniger Fläche zu beanspruchen, als bisher vorgesehen war. Allerdings «würde es sich maximal um einige Zentimeter handeln», sagt Lüthi.

Die Debatte um das Postulat im Kantonsrat hatte Lüthi am Montag selber vor Ort verfolgt. Er sei froh, dass die Vorlage abgelehnt wurde, «vor allem für unsere Kunden». Denn der künftige 1,1 Kilometer lange Doppelspurabschnitt beim Gartendörfli leiste einen grossen Beitrag zur Verbesserung der Pünktlichkeit der Züge. «Ausserdem werden dann wieder alle Züge an den Stationen Wildpark-Höfli und Sihlau haltmachen können.»

Im Frühling wird informiert

Starten sollen die Bauarbeiten für das zweite Gleis voraussichtlich im Jahr 2023. Zirka zwei bis drei Jahre später könnte es in Betrieb genommen werden. Die Doppelspur ist auch Voraussetzung für die Verdichtung des Fahrplans. Schliesslich soll die Sihltalbahn ab dem Jahr 2028 zwischen Zürich und Adliswil zu Stosszeiten im 7,5-Minuten-Takt verkehren. Zwischen Adliswil und Langnau ist ganztags der 15-Minuten-Takt vorgesehen.

Die Gartenfläche, die die Bewohner abtreten sollen, beträgt in der Breite maximal noch rund zwei statt vier Meter.

Noch ist dies aber in weiter Ferne. Zuerst einmal muss das Projekt für die Doppelspur beim Gartendörfli nämlich weitere Hürden meistern. «Die Erarbeitung der definitiven Projektpläne dauert voraussichtlich noch bis nächsten Frühling», sagt Marco Lüthi. Danach will die SZU die Gespräche mit den betroffenen Grundeigentümern führen. Ebenfalls im Frühling 2020 soll eine Informationsveranstaltung zum Projekt stattfinden. Danach beginne für das Projekt das Bewilligungsverfahren, in welchem betroffene Personen Rechtsmittel ergreifen können.

Erstellt: 10.07.2019, 07:12 Uhr

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