Zürichsee

Gemeinden müssen für ZSG tiefer in die Tasche greifen

Die St. Galler und Schwyzer Gemeinden am Zürichsee müssen mehr für die Zürichseeschiffe bezahlen. Allein Rapperswil-Jona soll 750'000 Franken hinblättern.

Der Zürcher Verkehrsverbund will mehr Geld von den ausserkantonalen Gemeinden für die Schifffahrt auf dem Zürichsee.

Der Zürcher Verkehrsverbund will mehr Geld von den ausserkantonalen Gemeinden für die Schifffahrt auf dem Zürichsee. Bild: Archiv Urs Jaudas

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«Mehr See» verspricht die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) den Passagieren ab Ende 2020. Besonders profitieren soll dabei die Region um Rapperswil-Jona, zudem gibt es im Zürcher Seebecken neue, kürzere Rundfahrten. Diese Stossrichtung hat die ZSG im vergangenen Herbst bekannt gegeben (diese Zeitung berichtete) und mit der am Montag gestarteten Fahrplanauflage noch einmal bekräftigt.

Ob die Zürichseeschiffe aber dereinst überhaupt einmal nach diesem Fahrplan fahren werden, ist alles andere als sicher. Denn der Zürcher Verkehrsverbund macht bei den Schwyzer und St. Galler Gemeinden am Zürichsee die hohle Hand. Jetzt zeigen Recherchen dieser Zeitung erstmals, wie knallhart die Finanzforderungen der Zürcher an ihre Nachbarn sind. Allein die Stadt Rapperswil-Jona müsste demnach rund 750000 Franken für die Schiffsabfahrten in der Rosenstadt zahlen. Und auch Freienbach muss gemäss den Recherchen eine deutlich sechsstellige Summe hinblättern.

Kanton zahlt nichts

«Jegliche Kostensteigerung ist sensibel», sagt der Stadtpräsident von Rapperswil-Jona, Martin Stöckling (FDP). Die konkreten Zahlen will Stöckling weder bestätigen noch dementieren. Stöckling macht aber klar, dass der heutige Beitrag von knapp 150000 Franken an die ZSG deutlich überschritten wird. Für Rapperswil-Jona wird die Situation besonders knifflig, weil im Kanton St. Gallen die Schifffahrt nicht als Angebot des öffentlichen Verkehrs betrachtet wird, sondern als reines Freizeitangebot. Dementsprechend müssen die Gemeinden die finanziellen Beteiligungen selber stemmen. Im Kanton Zürich ist das anders: Hier tragen alle Gemeinden, ob sie am See liegen oder nicht, über den Globalbeitrag für den Zürcher Verkehrsverbund die Kosten der Schifffahrt und der übrigen Verkehrsmittel im Kanton.

«Rapperswil-Jona ohne die ZSG wäre schwer vorstellbar.»Martin Stöckling, Stadtpräsident Rapperswil-Jona

In den kommenden Wochen finden weitere Sitzungen mit ZSG und ZVV statt. Und auch der Stadtrat von Rapperswil-Jona diskutiert die neue Kostenbeteiligung. «Für uns stellt sich die Frage, wie viel uns das Angebot der ZSG wert ist», meint Stöckling. Er schiebt sogleich nach: «Rapperswil-Jona ohne die ZSG wäre aber eigentlich schwer vorstellbar.» Letzten Endes werden in der Rosenstadt aber ohnehin die Stimmbürger über den ZSG-Beitrag befinden. «Der Entscheid wird je nach Höhe des Beitrags im Rahmen des Budgets oder als separate Vorlage an der Bürgerversammlung fallen.»

Dass der Kanton Zürich mehr Geld für die ZSG möchte, kann Stöckling nachvollziehen: «Diese Diskussion ist legitim.» Ihn stört aber, dass nun die Kostenbeteiligung und die Angebotsausweitung der Schifffahrt, gerade ab Rapperswil, miteinander vermischt werden. «In der Diskussion um den neuen Fahrplan haben wir noch nicht gewusst, was finanziell auf uns zukommt.»

Eine neue Rechnung

Der Zürcher Verkehrsverbund betont, man müsse zwischen dem neuen Angebot – also etwa der Rundfahrt ab Rapperswil oder dem Ufenau-Shuttle – und dem bestehenden Angebot – den grossen Rundfahrten ab Zürich nach Rapperswil – unterscheiden. Beim bestehenden Angebot gebe es keinen Kostenanstieg. Es gehe vielmehr darum, die Kosten «verursachergerecht» aufzuteilen. Übersetzt heisst das: Statt eines Beitrags will der Kanton Zürich nun die vollen Kosten von den Gemeinden erstattet erhalten. Für Rapperswil-Jona bedeutet das: Statt 150000 Franken für das bestehende Angebot werden nach Informationen dieser Zeitung neu 550000 Franken fällig. Eine Zahl, die auch der ZVV nicht kommentieren will.

Es erstaunt deshalb wenig, dass auch der Freienbacher Gemeindepräsident Daniel Landolt (CVP) im ersten Moment über die Forderungen des Zürcher Verkehrsverbundes gestaunt hat. «Fairerweise muss man aber sagen, dass wir uns früher wahrscheinlich zu wenig bewusst waren, wie stark das Angebot von den Zürchern subventioniert wurde.» Er lobt die transparente Information der ZSG und die gute Verhandlungsbasis. «Die ZSG ist auf unsere Wünsche eingegangen und hat etwa den Fahrplan ab Pfäffikon Richtung Ufenau deutlich verbessert.» Für den Freienbacher Gemeindepräsidenten ist der Kostensprung der ZSG deshalb auch weniger tragisch: «Aktuell finanzieren wir mit rund 140000 Franken ein Taxiboot auf die Ufenau, um die Verbindungen sicherzustellen.» Ein Angebot, das künftig nicht mehr nötig sein werde. «Der neue Fahrplan kann unsere Bedürfnisse gut abdecken.» Wie viel Freienbach dem ZVV künftig abliefern muss, will Landolt mit Hinweis auf die laufenden Verhandlungen ebenfalls nicht im Detail preisgeben.

Die kleinen Gemeinden – Lachen, Altendorf und Schmerikon – mussten bisher für ihre ein bis zwei Schiffsabfahrten in der Hauptsaison keine Beiträge entrichten. Lachen soll nun zwischen 60000 und 70000 Franken für die Schiffsverbindungen bezahlen, wie Gemeindepräsident Pit Marty (FDP) auf Anfrage erklärt: «Für uns ist das kein gangbarer Weg», macht er klar. Marty hofft, in den kommenden Gesprächen mit dem ZVV eine Einigung finden zu können.

Keine Spekulationen

Was passiert, wenn die Gemeinden im oberen Zürichseeteil nicht so viel für die Schifffahrt bezahlen wollen? Beim ZVV will man auf «Spekulationen verzichten». ZVV-Sprecher Stefan Kaufmann sagt: «Wir erleben den Dialog mit den Gemeinden als konstruktiv und gehen aktuell davon aus, dass eine Einigung gefunden werden kann.» Allerdings betont er auch: «Im Grundsatz stehen diese Angebote der ZSG unter dem Vorbehalt der Finanzierung durch die ausserkantonalen Gemeinden.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.03.2019, 17:50 Uhr

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