Thalwil

Gemeinde befreit Waldweiher von wucherndem Schilf

Das Schilf am Waldweiher nimmt überhand. Die Gemeinde lässt Spezialisten nun rund um den Bootssteg mähen.

Auf dem Rechen seines Amphibienfahrzeugs sei auch schon ein Frosch mitgefahren, sagt Stefan Mattersberger.

Auf dem Rechen seines Amphibienfahrzeugs sei auch schon ein Frosch mitgefahren, sagt Stefan Mattersberger. Bild: Michael Trost

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Stefan Mattersberger erhebt sich aus dem Sitz seines Amphibienfahrzeugs, das an diesem Donnerstagmorgen beim Schiffssteg auf dem Waldweiher treibt, und geht beim Bug in die Knie. Flink fischt er eine weggeworfene Bierflasche aus dem Wasser. In deren Innern verschlingen sich die Wurzeln eines Schilfrohrs ineinander. «Ich achte jeweils darauf, Glasflaschen nicht kaputt zu machen und sie aus dem Gewässer zu entfernen», sagt er. Der gelernte Maschinist arbeitet als Gewässerpflegespezialist für die Rümlanger Firma Aquamarine Technologies AG, die zwei Tage lang damit beschäftigt ist, am Thalwiler Waldweiher Schilf zu mähen. Dieses nehme überhand, schreibt die Gemeinde in einer Mitteilung.

«Es ist ein sehr sauberes Gewässer», sagt Mattersberger, er habe schon ganz anderes erlebt. So habe er bei einem anderen Auftrag einmal einen Koffer aus dem Wasser gezogen. Leere Bierdosen seien gang und gäbe.

Doktorarbeit zu Waldweiher

Vom Ufer aus beobachten zwei Herren das Geschehen: Peter Klöti und Simon Lumpert. Ersterer ist Gemeinderat (FDP) und Ressortvorsteher Soziales, Letzterer Mitglied im Fischer-Verein Thalwil. Klöti ist nicht als Politiker vor Ort, sondern weil er sich vor über 30 Jahren sehr intensiv mit dem Waldweiher auseinandergesetzt hatte. «Als Hydrobiologe an der Universität Zürich befasste ich mich in meiner Doktorarbeit mit der Frage, wie die Verlandung des Waldweihers und des Gattikerweihers gestoppt, deren Wasserqualität verbessert und der Lebensraum für Pflanzen und Tiere vielfältiger werden könnte.» Durch verschiedene Massnahmen sei dieses Ziel heute erreicht. «Die Sichtigkeit des Wassers hat sich verbessert, weshalb mehr Licht bis auf den Grund des Weihers gelangen kann.» Dieses fördere das Wachstum der Unterwasserpflanzen und des Schilfs. Die Befürchtung, dass der Weiher im Laufe der nächsten Jahre verlande, wie sie teils geäussert werde, sei aber unbegründet, sagt Klöti.

Von Hand geschnitten

Aus Sicht des Naturschutzes sei der heutige Zustand des Weihers ein gutes Zeichen, sagt Klöti. Doch er sieht auch einen Interessenkonflikt zwischen den verschiedenen Nutzergruppen des Gewässers. Simon Lumpert vertritt die Ansicht des Fischer-Vereins. Weil die Fischer mit ihrem Ruderboot auf den Weiher gelangen wollen, habe man in den letzten Jahren das Schilf rund um den Steg jeweils von Hand geschnitten. Lumpert ist froh, dass heuer eine Maschine die mühselige Arbeit erledigt, und Klöti lobt den Fischer-Verein für sein stetes Bemühen um Nachhaltigkeit in diesem Naturschutzgebiet.

Lumpert spricht das Interesse einer anderen Nutzergruppe an: «Vor 20 Jahren hatte es vielleicht ein Fünftel so viel Schilf wie heute», sagt er. Man habe von der Weiherhütte aus auf die andere Seite des Gewässers gesehen. Dass dies zurzeit kaum möglich ist, scheint in Thalwil einige Spaziergänger und Sonntagsausflügler zu stören. So war das Thema etwa im letzten Jahr an einer offenen Diskussionsrunde aufgekommen, zu der Gemeindepräsident Märk Fankhauser (FDP) eingeladen hatte. Mit dem Mähen einer 290 Quadratmeter grossen Fläche auf der einen Seite des Stegs will die Gemeinde nun allen entgegenkommen. Der Eingriff sei sehr zurückhaltend, sagt Klöti, denn die Natur sei an erste Stelle zu setzen. «Wir beobachten die Folgen des Eingriffs genau.»

Wiederholung möglich

Auch auf der anderen Seite des Stegs, auf der Riedwiese, sind Arbeiten im Gange. Zehn Arbeiter schneiden das Schilf mit Trimmern und Mähmaschinen. Die Unterhaltsequipe der Fachstelle Naturschutz des Kantons Zürich nehme am Waldweiher momentan die jährliche Riedpflege vor, sagt Mediensprecher Wolfgang Bollack auf Anfrage. «Das Ried am Waldweiher wird seit vielen Jahren gemäht, wegen der grossen Nässe aber nur mit Spezialmaschinen und mit viel Handarbeit.» Ohne Pflege würden die Riedwiesen in kurzer Zeit verbuschen und damit viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten verschwinden, sagt er.

Bild: Michael Trost

Gewässerpfleger Stefan Mattersberger macht ebenfalls rasch Fortschritte und hat bereits nach wenigen Stunden einen beachtlichen Teil der Schilffläche gemäht. Er wechselt das Werkzeug immer wieder aus: Zuerst kommen die Messer zum Einsatz, im Anschluss der Rechen. «Das Schneiden beansprucht nur etwa ein Viertel der Zeit, viel länger dauert das Herausheben des geschnittenen Schilfs.» Er lasse jeweils einen Rand stehen, damit das Schnittgut nicht auf das Gewässer heraustreibe. Dies sei besonders bei etwas grösseren Gewässern zeitsparend.

Das am Ufer aufgestapelte Schilf entsorgt der Werkhof der Gemeinde Thalwil. Es wird kompostiert. Das Mähen koste die Gemeinde knapp 5000 Franken, sagt die Kommunikationsbeauftragte Joana Büchler. Derselbe Betrag sei auch schon für das nächste Jahr eingestellt, falls das Schilf nochmals geschnitten werden müsse. «Zuerst beobachten wir jetzt aber das Wachstum der Pflanzen und schauen dann, was nötig ist», sagt sie. Und wenn gemäht wird, dann wieder in der kalten Jahreszeit, um auf die Brut- und Laichzeiten der Tierwelt Rücksicht zu nehmen.





Erstellt: 12.12.2019, 18:29 Uhr

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