Adliswil

Gelassen vor dem lang geplanten Ereignis

Wenn am Freitag in der Tonhalle Maag die Veranstaltung «TOZ discover» über die Bühne geht, ist dies auch das Werk des 17-jährigen Adliswilers Simon Nievergelt: Der Gymnasiast ist sogenannter Schülermanager und will nicht zuletzt seine Altersgenossen für klassische Musik begeistern.

«Klassische Musik ist nicht langweilig oder uncool», findet der 17-jährige Adliswiler Simon Nievergelt.

«Klassische Musik ist nicht langweilig oder uncool», findet der 17-jährige Adliswiler Simon Nievergelt. Bild: André Springer

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Sein erster Einsatz bringt ihn gleich in Kontakt mit einem der ganz Grossen. Simon Nievergelt, 17-jähriger Kantonsschüler aus Adliswil, packt mit an, als 50 Klaviere auf der Bühne der Tonhalle Maag installiert werden. Um Stunden später dem chinesischen Starpianisten Lang Lang den Blumenstrauss nach dessen Konzert zu überreichen. Das war vergangenen Oktober, als Lang für einen Auftritt mit 100 Kindern nach Zürich gekommen war. Wenn Nievergelt damals auch nur eine kleine Rolle bei der Konzertorganisation spielt – unvergessen ist ihm das Aufeinandertreffen mit dem Weltstar heute noch. Als er seinen Klassenkameraden im Gymnasium Rämibühl davon erzählt, bleibt der Wow-Effekt denn auch nicht aus.

Begeisterung für Klassik

Das freut Simon Nievergelt. Nicht, weil er mit der Begegnung mit dem Pianisten angeben wollte. Sondern vielmehr wegen des Interesses, dass er da offensichtlich bei seinen Altersgenossen an der klassischen Musik habe wecken können. Ihnen wolle er denn auch zeigen, dass das Vorurteil, klassische Musik sei langweilig und «uncool», nicht zutreffe.

Ihm selber ist das schon längst klar. „»Haydn, Schubert – das ist alles einfach uh schön», schwärmt der Adliswiler. Seit zwölf Jahren geht er seiner Passion beim Klavierspiel nach, seit sieben Jahren zudem als Zürcher Sängerknabe. Dort habe er auch immer wieder Mitsänger vom Projekt «Schülermanager» erzählen gehört und von den Einblicken, die sie während eines guten halben Jahres hinter den Kulissen der Tonhalle erhielten. Die Schülermanager dürfen den Angestellten von Bühnentechnik über Marketing bis zur Intendanz bei ihrer Tätigkeit nicht nur zuschauen, sondern praktisch mithelfen. Und am Ende dürfen sie einen Anlass sogar selbstständig organisieren.

Ein Event für Junge

Schon bald habe er gewusst, dass er das auch wollte, sagt Nievergelt. Er bewarb sich – und wurde als einer der sechs Schülermanager für den aktuellen vierten Jahrgang ausgewählt. So ist er nun seit letztem September temporärer Orchestertechniker und Musikvermittler – als der er neben den Vorbereitungen für Langs Auftritt noch bei einer Reihe von anderen Konzertaufbauten und auch bei der Planung und Koordination von Transporten geholfen hat.

Heute aber findet sein Engagement in der Tonhalle bereits seinen Abschluss. Dies mit dem Event für das Format «TOZ discover», den er mit den anderen Schülermanagern weitgehend in Eigenregie auf die Beine gestellt hat: Ein Abend, der Jugendliche an die klassische Musik heranführen soll. Das geschehe zum einen, indem der Anlass zweigeteilt sei, erklärt Nievergelt: «Nach Brahms 1. Klavierkonzert in der Tonhalle gehen die Zuschauer in den Härterei-Club, um dort zur Musik von drei DJs zu tanzen.» Zum andern sei das klassische Konzert an sich so gestaltet, dass es die Zielgruppe der 16- bis 30-Jährigen denn auch fessle. Will heissen: Nur schon damit, dass ein Stück gespielt werde, dass weniger als eine Stunde dauere. Mit einer Einführung in dasselbe, mit Dekorations- und Lichteffekten.

Teil der Tonhalle-Familie

Um den Anlass vorzubereiten, sei eine wöchentliche Sitzung im Team, mit den zwei Coaches der Tonhalle sowie mit der Projektleiterin obligatorisch gewesen. Er habe indes weitaus mehr Zeit darüber hinaus an der Tonhalle verbracht, nach der Schule, an Wochenenden und Abenden, sagt Simon Nievergelt.

Und je mehr er von seinem Einsatz als Schülermanager erzählt, umso mehr sprudeln die Worte der Begeisterung aus ihm heraus. Man sei von Beginn weg als Teil der Tonhalle-Familie betrachtet worden – von den Angestellten, den Musikern, der Intendantin. Untereinander und mit ehemaligen Schülermanagern, die regelmässig vorbeischaut hätten, seien schöne Kontakte entstanden, «und wir hatten es immer lustig miteinander.» Für Nievergelt ist klar: «Ich werde auch nach dem Projekt öfters mal beim Team der Tonhalle vorbeischauen.» Dass es schwer sei, von der Tonhalle loszukommen, habe er auch bei den Ehemaligen beobachten können, sagt Simon Nievergelt.

Vorerst aber gilt es, das «TOZ discover» über die Bühne zu bringen. Es werde noch viel Arbeit auf ihn, seine Kollegen und die Mithelfer zukommen. Nach unzähligem Planen, Verwerfen und Neukonzipieren, nach mehrmaligem Überprüfen, ob an alles gedacht worden sei, sieht er nun dem Anlass gelassen entgegen. «Es kommt gut», sagt er in freudiger Erwartung.

«TOZ discovoer» mit dem 1. Klavierkonzert von Brahms und anschliessender Party: Freitag, 6. April, 22 Uhr (Türöffnung: 21 Uhr), Tonhalle Maag, Zahlradstrasse 22, Zürich. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.04.2018, 11:45 Uhr

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