«Geige spielen ist wie Spitzensport»

Der virtuose Geiger Sebastian Bohren spielt an seinem traditionellen Weihnachtskonzert zum ersten Mal die Bach ­Sonate in C-Dur.

Der Stargeiger Sebastian Bohren lebte mehrere Jahre in Langnau.

Der Stargeiger Sebastian Bohren lebte mehrere Jahre in Langnau. Bild: Michael Trost

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Unlängst wurde Sebastian Bohren von der «NZZ am Sonntag» unter die grössten Schweizer Talen­te im Klassikbereich gezählt. Soeben 29 Jahre alt geworden, spielt er auf grossen Bühnen weltweit – und jeweils vor Weihnachten in der reformierten ­Kirche Langnau, wo er meh­rere Jahre gelebt hat.1987 in Winterthur geboren, wohnt er unterdessen in ­Zürich und gibt als Solist und Mitglied im Stradivari-Quartett pro Jahr 80 bis 90 Konzerte. Er ist sein eigener Manager. Auf der Musik­insel Rheinau bereitet er sich in Ruhe intensiv vor. «Das Schönste im Leben ist üben», meint er bescheiden.

Eine Geige wie ein alter Wein

Der junge Geiger möchte sich nicht über sein Instrument definieren, räumt jedoch ein, dass es eine wichtige Rolle spielt: «Eine Stradivari bietet ganz andere klang­liche Möglichkeiten als eine moderne Geige.» Jede hat ihre ­eigene Stimme und Persönlichkeit. Bohren ist «total überzeugt vom Stradivari-Klang». Denn: «Er ist ausgereift und vielschichtig, vergleichbar mit einem alten, gut gereiften Wein.» Seine Geige kann je nach Stück weinen oder lachen, trauern oder tanzen, und es klingt immer überzeugend und aus tiefster Seele.

Geige spielen sei wie Spitzensport, findet der Vollblutmusiker: «Man muss mental bereit sein, voll fokussiert.» Er hat mit acht Jahren zu spielen begonnen und bezeichnet sich als «Spätzünder». Des ungeachtet spielte er 2016 in den grössten Konzert­sälen Asiens: im Seoul Arts Center, im National Center for Performing Arts Peking, in der Shanghai Symphony Hall. In Japan ist das Stradivari-Quartett gern gesehener Gast, und Bohren schwärmt vom Publikum, das in Japan und Korea besonders aufmerksam und interessiert sei.

2017 gibt er sieben Konzerte mit dem Argovia Philharmonic, ein Konzert mit dem Stradivari-Quartett in der neu gebauten Elbphilharmonie in Hamburg, eine China und Japantournee und Konzerte in Frankreich, Deutschland, Italien, Polen.

Die Frucht der Konzerte sind CD-Aufnahmen: 2016 erschient das Violinkonzert von Beethoven mit dem Ensemble CHAARTS. Im März 2017 kommt die neue Scheibe; mit dem Stradivari Quartett nimmt Bohren die drei Streichquartette von Schumann auf, im August einen Teil von Bachs Violinsonaten. «Als Geiger beschäftigt man sich ein Leben lang mit Bach», weiss Bohren. Wer ihn spielen hört, begreift, dass seine Geige Bach liebt – stammt sie doch aus der gleichen Musikepoche, wurde 1710 gebaut.

Den 16. Dezember betrachtet Bohren als Gelegenheit für Besinnlichkeit und hofft, «dass ich trotz vollem Konzertkalender noch lange nach Langnau kommen darf.» Mit dem Organisten Jonas Hablützel hat er ein anspruchsvolles Programm vor: von Händel zwei Violinsonaten, Werke von Reger, Rheinberger, Messiaen, Clérambault. Eine Premiere erlebt er mit Bach: «Die Solo-Sonate in C-Dur habe ich noch nie gespielt; das ist eine wunderschöne Herausforderung - wie der Mount Everest.»

Freitag, 16. Dezember, 19 Uhr, reformierte Kirche, Langnau. Kollekte. www.sebastianbohren.ch

Erstellt: 13.12.2016, 15:56 Uhr

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