Adliswil

Gegen die Überbauung des Stadthausareals formiert sich Widerstand

Die jahrelange Diskussion um das Stadthausareal erreicht am 19. Mai den Höhepunkt. Dann entscheiden die Stimmbürger über die geplante Überbauung. Nun weibeln Parteien und Private für ein Nein.

Die Adliswiler stimmen über die Zukunft des Stadthausareals ab. Darauf steht auch das historische Grundstein-Haus (rechts).

Die Adliswiler stimmen über die Zukunft des Stadthausareals ab. Darauf steht auch das historische Grundstein-Haus (rechts). Bild: Archiv Sabine Rock

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Es geht um nichts Geringeres als das Herzstück Adliswils. Um das zentral gelegene Areal östlich der Sihl, direkt gegenüber des Stadthauses. Am 19. Mai werden die Adliswiler an der Urne entscheiden, ob das Stadthausareal so überbaut werden kann, wie es seit 2011 geplant ist. Oder ob das Vorhaben nach jahrelanger Debatte abstürzt.

Spätestens seit letztem Dezember, als es im Grossen Gemeinderat letztmals behandelt wurde, steht fest: Das Geschäft polarisiert und spaltet die Adliswiler Parteien. 19 Gemeinderäte stimmten dafür, 16 dagegen.

Nun haben sich die politischen Gegner zu einem Aktionskomitee zusammengeschlossen. SP, Grüne, GLP und Freie Wähler stellen sich gemeinsam gegen die geplante Überbauung, wie sie in einem Communiqué mitteilen. Zudem haben einige parteilose Adliswiler die Interessengemeinschaft (IG) Stadthausareal gegründet, die das Projekt ebenfalls bekämpft.

Vier Neubauten

Zur Erinnerung: Vorgesehen sind auf dem über 6000 Quadratmeter grossen Areal vier Gebäude. Ein Wohnhaus, ein Hotel und Restaurant, ein Mehrgenerationenhaus sowie ein Ärzte- und Gesundheitszentrum. Im Erdgeschoss soll es zudem Platz für Gewerbe geben. Ebenso eingeplant ist eine zur Hälfte öffentliche Tiefgarage. Der Zugang zum Sihlufer soll aufgewertet werden.

Realisieren würde dies nicht die Stadt selbst, sondern die Investorin Leutschenbach AG. Ihr Projekt wurde 2011 in einem Wettbewerb von der Stadt auserkoren. Sagen die Adliswiler an der Urne Ja, wird die Stadt über die Hälfte ihres Areals an die Leutschenbach AG verkaufen, für rund 5,5 Millionen Franken. Den übrigen Teil gibt sie der Investorin im Baurecht ab. Danach würde die Leutschenbach AG die vier Gebäude bauen.

Dass das Projekt nun an die Urne kommt, hat mit dem Preis des Landverkaufs zu tun. Hätte die Stadt beim Investorenwettbewerb der meistbietenden Firma den Zuschlag gegeben, könnte sie das Areal für über 11 Millionen Franken mehr verkaufen. Wegen dieses hohen Einnahmeverzichts erhalten die Bürger jetzt das Recht, über die Vorlage abzustimmen. Auslöser dafür war 2017 ein Urteil des Verwaltungsgerichts gegen den Stadtrat.

Was die Gegnerparteien in ihrer Mitteilung unter anderem kritisieren, sind die «wirkungslosen» Konventionalstrafen für die Leutschenbach AG. Denn würde die Investorin die Auflagen – zum Beispiel den Bau eines Ärztehauses – nicht einhalten, würde sie pro Auflage als Strafe eine halbe Millionen Franken zahlen müssen. Viel zu niedrig sei dieser Betrag, finden die Parteien. Ausserdem stellen sie in Frage, ob es ein Hotel und Ärztehaus noch brauche. Letzteres entstehe zurzeit gerade in unmittelbarer Nachbarschaft.

Mit diversen Aktionen wollen die Parteien die Stimmbürger nun überzeugen. Den Auftakt bildet heute Samstag eine von den Freien Wählern organisierte offene Diskussionsrunde. Die SP ihrerseits plant einen Anlass mit dem Stadtzürcher Hochbauvorsteher André Odermatt (SP).

Das blaue Haus retten

Die IG, ein unparteiliches Unterstützungskomitee, wurde von Mario Salomon und Nicole Burri gegründet. Burri war früher Mitglied der Grünen. Salomon ist im vergangenen Jahr aus der SVP ausgetreten. Mit einer Website und dem Verteilen von Flyern haben sie sich diese Woche in den Abstimmungskampf gestürzt. Die Kritik der vier Parteien deckt sich mit jener der Interessengemeinschaft. «Uns geht es vor allem um den Nutzen für die Bevölkerung», sagt Mario Salomon vom IG-Vorstand. «Das jetzige Projekt wird den Stadtkern nicht beleben.»

Was fehle, sei ein Café direkt an der Sihl und Grünflächen zum Flanieren. Auch sei es schade um das «historische» blaue Grundstein-Haus, in welchem das Jugendzentrum Peppermind und eine Kunstgalerie untergebracht sind. «Jetzt haben wir die allerletzte Chance, um die Gestaltung des Areals nochmals selber in die Hand zu nehmen.»

«Zurück auf Feld eins»

Und was unternehmen die Befürworter? Die Pro-Parole bereits gefasst haben die CVP und die FDP. Ob und was sie im Abstimmungskampf unternehmen werden, sei noch offen, heisst es bei den beiden Parteien. Sie betonen aber, dass das Projekt von 2011 nach wie vor gut sei. Es sei mit «maximaler Mitsprache der Bevölkerung entstanden», sagt die CVP. Und die FDP sagt, der millionenhohe Einnahmeverzicht sei verkraftbar. Bei SVP und EVP, die im Gemeinderat ebenfalls für die Vorlage stimmten, ist die offizielle Abstimmungsempfehlung noch ausstehend.

Klar ist, was geschieht, wenn Adliswil das geplante Projekt an der Urne versenkt: «Dann müssen wir zurück auf Feld eins», sagt Stadtpräsident Farid Zeroual (CVP). Für die Arealgestaltung würde ein neuer Investorenwettbewerb durchgeführt werden müssen. «Und es kämen einige Probleme auf uns zu.» Denn das Grundstein-Haus erfülle energetische Anforderungen nicht und es bestehe grosser und teurer Sanierungsbedarf.

Über den Inhalt der Vorlage informiert der Stadtrat seit kurzem auf der städtischen Website. Dort sind das Weisungsheft, ein Jury-Bericht und diverse Verträge mit der Leutschenbach AG aufgeschaltet. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.04.2019, 16:39 Uhr

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