Thalwil

Fussballclub darf neue Tribüne nicht benutzen

Vor über zwei Monaten wollte der FC Thalwil seine Tribüne mit 480 Sitzplätzen eröffnen. Doch noch immer wartet der Verein auf die Freigabe durch die Gemeinde. Der FC-Präsident spricht von Schikane.

An der Tribüne seien diverse Mängel festgestellt worden, heisst es vonseiten der Gemeinde.

An der Tribüne seien diverse Mängel festgestellt worden, heisst es vonseiten der Gemeinde. Bild: Markus Hausmann

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Das Papier ist vom Regen zwar aufgeweicht. Doch die Botschaft darauf ist noch immer lesbar – und unmissverständlich: «Gesperrt», heisst es da. Befestigt ist der Zettel an einem Absperrband, das den Zutritt zur neuen Zuschauertribüne des FC Thalwil (FCT) verhindern soll. Nicht nur an spielfreien Tagen, sondern permanent.

Seit drei Monaten steht die Stahlrohrtribüne nun unbenutzt da. Sie, die dem FC Schaffhausen abgekauft wurde und eigentlich die neuste Attraktion des Fussballclubs sein sollte. Vereinspräsident Roger Leutwyler hatte sie beschrieben als «Publikumsmagnet und letztes fehlendes Element für eine perfekte Anlage». Das war im Juli, als die Tribüne in der Sportanlage Brand II mithilfe eines Helikopters aufgebaut wurde.

Zu schmale Treppen

Vorgesehen war damals, die Konstruktion mit ihren 480 Sitzplätzen bei einem Heimspiel der ersten Mannschaft Ende August eröffnen zu können. Fünf Heimspiele sind seither vergangen. Und noch immer müssen die Zuschauer die Spiele an der Seitenlinie stehend verfolgen. Weshalb?

Kein Zutritt: Die Tribüne darf nicht betreten werden.

Die Gemeinde hatte das Bauprojekt, das von der FCT-Hauptsponsorin Continium AG geplant wurde, zwar bewilligt. Doch nachträglich habe das Thalwiler Bauamt mehrere zusätzliche Auflagen gemacht, sagt Leutwyler auf Anfrage. «Und es kommen immer mehr dazu.» So habe der Verein beispielsweise neue Treppen anschaffen müssen, da die bisherigen zu schmal gewesen seien. Auch bezüglich Brandschutz und Statik verlange die Gemeinde weitere Massnahmen.

Für Leutwyler unverständlich. «Die Tribüne hatte in Schaffhausen ja auch alle Auflagen erfüllt und konnte benutzt werden», argumentiert er. Wieso also solle dies in Thalwil nicht möglich sein? Dass die Eröffnung nun schon mehrere Monate verzögert wurde, ärgert den FC-Präsidenten. Der Verein habe schliesslich viel Zeit und Kraft in die Anschaffung der neuen Tribüne investiert. «Nun haben wir den Eindruck, man wolle uns Steine in den Weg legen», sagt Leutwyler. «Die Forderungen grenzen an Schikane.»

Vorheriger Standort ist egal

Anders sieht man es beim Bauamt. Gemeindeingenieur Andy Fellmann schreibt in einer Antwort an diese Zeitung, man habe seit der Baubewilligung keine zusätzlichen Auflagen gemacht. «Sondern es wurden bei einer Kontrolle diverse Mängel festgestellt.» Der FC als Bauherr müsse nachweisen, dass diese behoben werden. «Solange dieser Nachweis fehlt, kann die Tribüne leider nicht freigegeben werden», so Fellmann. Es gehe darum, die Sicherheit der späteren Benutzer zu gewährleisten.

Schon die Anlieferung der Tribüne im Sommer war ein kleines Abenteuer – Helikoptereinsatz inklusive. Video: Martin Steinegger

Das Argument, die Konstruktion sei in Schaffhausen auch schon bewilligt worden, lässt Fellmann nicht gelten. Das sei unerheblich, «da nicht ersichtlich ist, wie sie dort installiert und unter welchen Bedingungen sie dort bewilligt war.» Welche Mängel der FC Thalwil denn nun konkret korrigieren lassen muss, wollte Fellmann hingegen nicht kommunizieren.

Fest steht: Eine leere Tribüne ist alles andere als das, was der FC Thalwil in seiner aktuellen sportlichen Situation brauchen kann. Die 1.-Liga-Mannschaft liegt zwei Spiele vor der Winterpause auf dem letzten Tabellenplatz. Beim nächsten Heimspiel muss sie ausgerechnet gegen den Tabellenführer FC Tuggen antreten. Als dieser letztmals im Brand zu Gast war, resultierte für Thalwil eine 0:6-Klatsche.

Erstellt: 30.10.2019, 20:08 Uhr

Clubrestaurant verboten

Nicht zum ersten Mal liegt der FC Thalwil mit der Gemeinde im Clinch. Für Dissonanzen sorgte auch das Vereinsrestaurant Doppelpass. Dieses wurde von einem Pächter im Obergeschoss des im Juli 2018 neu eröffneten FC-Clubhauses betrieben.

Nach nur wenigen Wochen musste es wieder schliessen. Die Gemeinde hatte den FC darauf hingewiesen, dass ein permanenter Restaurantbetrieb in der dortigen Zone nicht erlaubt ist. Seither werden Speisen und Getränke nur noch im Rahmen des Spiel- und Vereinsbetriebs verkauft. (ham)

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