Schönenberg

250 Schönenberger auf Fusions-Nein eingestimmt

Vor voll besetztem Saal sprachen drei Redner in Schönenberg über mögliche negative Konsequenzen einer Eingemeindung in Wädenswil. Die Redner kritisierten den Verlust der Selbstbestimmung, das geringe Mitspracherecht und die Einbusse an Identität im Falle einer Absorption.

Sie äusserten sich kritisch zur Eingemeindung von Schönenberg: Die vom Forum Pro Schönenberg eingeladenen Redner (von links) Rainer J. Schweizer, René Roca und Peter Forster.

Sie äusserten sich kritisch zur Eingemeindung von Schönenberg: Die vom Forum Pro Schönenberg eingeladenen Redner (von links) Rainer J. Schweizer, René Roca und Peter Forster. Bild: David Baer

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Das Forum Pro Schönenberg gibt sich am Donnerstagabend als Wächter der Demokratie und der Transparenz im Dschungel der Fakten rund um eine mögliche Eingemeindung in Wädens­wil, die in zwei Monaten zur Abstimmung kommt.

Karl Götschi eröffnet den «Kontra Fusion»-Abend. Ziel des Abends sei, die vernachlässigte Gegenseite zu präsentieren. Wahr­heiten würden vertuscht, Informationen zurückgehalten, sagt der Organisator. Deshalb sei es ein Anliegen des Forums Pro Schönenberg gewesen, dass auch die Gegenseite angemessen beleuchtet werde – als Ergänzung zur Infoveranstaltung des Gemeinderats am 15. März. Götschi pocht auf die Autonomie der Berg­gemeinde und fürchtet um das florierende Gewerbe, um das Altersheim und die Schule der Gemeinde. Seine Aussagen decken sich mit denen von im Vorfeld kursierenden Flyern des ­Forums Pro Schönenberg. Seine Kritikpunkte bezüglich dem Altersheim und der Schule wurden gegenüber der ZSZ von Mitgliedern der Steuerungsgruppe kürzlich als Falschaussagen dementiert.

Absorption oder Kooperation

Die Vorträge der externen Redner fokussieren hauptsächlich auf die Verlustseite im Falle einer Einge­meindung Schönenbergs in Wädens­wil: Schönenberg werde von Wädens­wil «absorbiert», die Fusion werde den Bürgern «von oben» aufgezwungen, das Mitspracherecht der Einzelnen verringere sich drastisch, so der Konsens. Der emeritierte Professor für öffentliches Recht, Rainer J. Schwei­zer, macht den Auftakt der Vortragsreihe. Er ist in der Region bereits bekannt als Berater der Opposition der Eingemeindung von Hirzel in Horgen. Schweizer zeigt den über 250 Anwesenden im Dorf­huus seine Sicht der Eingemeindung auf. Eine solche steht den Berggemeinden Schönenberg und Hütten bevor, falls die Mehrheit der Stimmbürger aller drei Gemeinden am 21. Mai Ja zum Fusionsvertrag sagt. Das Vorgehen der Eingemeindung komme einer Absorption gleich: Eine Gemeinde werde von der anderen «verschluckt», Schönenberg würde zu einem Bezirk von Wädenswil. Die Alternative mit gleichberechtigten Fusionsgemeinden hiesse Kooperationsvertrag.

Des Weiteren bemängelt Schwei­zer, dass der Fusions­vertrag ohne die Mitwirkung der Stimmberechtigten zustande gekommen sei. Der Zwischenschritt, bei dem von Stimmberechtigten Anträge auf Änderungen ­ge­stellt werden können, sei nicht ­gemacht worden. «Im Kanton Zürich ­werden finanzschwache Gemeinden zu Zusammenschlüssen gedrängt», kritisiert Schweizer.

Fusion auf Augenhöhe

Der Historiker René Roca warf als Vize-Ammann einer Gemeinde im Aargau eine angepeilte ­Fusion über Bord. Weshalb er dies als Erfolg betrachtet, erklärt er mit einem drohenden «Fusionsschock» nach Zusammen­schlüssen: Bewohner würden sich nach Fusionen politisch und ehrenamtlich weniger beteiligen. Finanziell bringe es für Gemeinden in den meisten Fällen nichts, behauptet Roca, allerdings ohne Zahlen zu nennen.

Zum Schluss äussert sich Peter Forster, der als langjähriger ­Gemeindeammann im Kanton Thur­gau viele Fusionen begleitet hat. Er habe festgestellt, dass Fusionen immer dann «verbockt» gewesen seien, wenn eine Gemeinde eine andere absorbiere. Zusammenschlüsse auf Augenhöhe hätten hingegen jeweils gut funktioniert.

Die Berggemeinde-Identität

Aussagen der Podiumsgäste, welche die Identität der Berggemeinde im Unterschied zur Seegemeinde unterstreichen, ernten vom Publikum besonders grosse Zustimmung. Doch auch die Voten von Fürsprechern der Fusion werden mit Applaus quittiert. Etwa, als die Hüttner Gemeindepräsidentin Verena Dressler (parteilos) monierte, dass immer wieder von einer «Fusion von oben» die Rede sei. Im Gegenteil: Hütten und Schönenberg hätten bei Wädenswil angeklopft. Oder als sich der Schulpräsident Johannes Zollinger (EVP) erhebt, um zu betonen, dass die Schönenberger Schule entgegen anderer Aussagen auch im Falle einer Einge­meindung keineswegs in Gefahr sei, gibt es Applaus.

Erstellt: 10.03.2017, 19:43 Uhr

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