Adliswil / Zürich

Für Geld erfand sie sogar einen Tumor

Eine 43-Jährige hat über Jahre Vertrauten Lügengeschichten von Krankheiten oder ihrem verstorbenem Vater erzählt. Besonders stark geschädigt wurde eine hilfsbereite Frau aus Adliswil.

Eine besonders dreiste Betrügerin musste sich vor dem Zürcher Bezirksgericht verantworten.

Eine besonders dreiste Betrügerin musste sich vor dem Zürcher Bezirksgericht verantworten. Bild: Keystone

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Sie hat viel schlimmes erlebt. Der Vater ist gestorben, die Beerdigung kann sie sich nicht leisten. Der Bruder ist verunfallt, die Spitalrechnung kann keiner zahlen. Auch die 43-Jährige selber wurde nicht verschont: Einen Tumor musste sie beseitigen lassen und die dringende Zahnoperation ist auch viel zu teuer. Acht Personen, darunter vier aus dem Bezirk Horgen hat sie diese Geschichten erzählt, immer wieder die gleichen. Allein, nichts davon war wahr.

Die herzzerreissenden Ereignisse hat sich die Pflegefachfrau ausgedacht, um an Geld zu kommen. Unfassbar, dass sie derart dreist über 600'000 Franken erschlichen hat. Die meisten Geschädigten liehen ihr tiefe vierstellige Beträge. Eine Dame aus Adliswil aber hat ihr 448'718 Franken geliehen. Zurückgezahlt hat die Deutsche keinen Rappen.

Perfide Masche

Um an das Geld zu kommen, ging sie äusserst perfid vor. Die spendable Adliswilerin lernte sie kennen, als sie deren Enkelkinder hütete. Bei einem späteren Treffen trat sie ganz in Schwarz auf. Darauf angesprochen behauptete sie ihr Vater sei verstorben, aber sie könne die Beerdigung in Deutschland nicht bezahlen. Denn der Bruder sei in den USA verunfallt und um die Spitalkosten zu zahlen habe die Familie bereits einen Kredit aufgenommen. Alle seien hochverschuldet.

Die gespielte Trauer überzeugte die Geschädigte. Sie versprach ihr 13'000 Franken. Als sie ihr das Geld geben wollte, wurde weiter geschauspielert. Die Beschuldigte war nicht da, doch sogar die Wohnung hatte die Betrügerin eigens auf Trauer geschaltet. Mehrere Kerzen brannten, Familienfotos waren aufgestellt. Die Mitbewohnerin spielte beim Betrug mit, behauptete, dass schon 20 Leute kondoliert hätten. Über drei Jahre lang erschwindelte die 43-Jährige durch ihre Geschichten immer wieder Geld von der Adliswilerin. Der Betrug flog auf, als der Ehemann des Opfers den angeblichen Zahnarzt der 43-Jährigen kontaktierte, weil er die geforderten Geldbeträge für zu hoch hielt. Der Zahnarzt verneinte,die Beschuldigte behandelt zu haben.

Nur 100'000 überwiesen

Am Bezirksgericht Zürich behauptet die Beschuldigte, dass sie durchaus die Absicht gehabt habe, das Geld zurückzugeben. Nach Absprache mit ihrem Verteidiger muss sie zugeben, dass das nicht der Fall war. Das Verfahren wegen gewerbsmässigem Betrug findet abgekürzt statt. Mit der Staatsanwaltschaft hat sich die 43-Jährige auf eine Freiheitsstrafe von 42 Monaten geeinigt.

Die Befragung am Gericht ist kurz, dennoch haken die Richter bezüglich Motiv nach. Die Beschuldigte gibt an, dass sie ein ausgeprägtes Helfersyndrom habe. Profitiert von dem Geld hätten unter anderem die damalige Mitbewohnerin und ihre Familie aus Rumänien. Belegt ist, dass die Beschuldigte drei Überweisungen getätigt hat. Allerdings bloss in der Höhe von 100'000 Franken. Was mit dem Rest geschehen ist, will der Vorsitzende wissen. «Das habe ich anderen Personen gegeben. Aber ich will nicht sagen wem», lautet die Antwort. Vehement streitet die 43-Jährige ab, das Geld selber genutzt zu haben.

Die Richter scheinen Mühe damit zu haben, ihr abzunehmen, dass sie alles an Bedürftige weitergeleitet hat. Doch die Richter «lassen mit Verweis auf das abgekürzte Verfahren die Fünf gerade sein». Ob die 43-Jährige in einem normalen Verfahren mit 42 Monaten davongekommen wäre, muss so offen bleiben. (zsz.ch)

Erstellt: 06.02.2019, 17:24 Uhr

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