Thalwil

Für die Energiewende braucht es eine Gesamtstrategie

Am Podium der Energietage Zimmerberg kam zur Debatte, wie es um die Energiewende steht, wie es weitergehen soll und ob die Schweiz gewillt ist, Abstriche punkto Wohlstand zu akzeptieren.

Es debattierten über die Energiewende (von links): Hans-Peter Portmann (FDP), Thomas Weibel (GLP), Moderator Reto Lipp, Edith Häusler (Grüne) und Philipp Kutter (CVP).

Es debattierten über die Energiewende (von links): Hans-Peter Portmann (FDP), Thomas Weibel (GLP), Moderator Reto Lipp, Edith Häusler (Grüne) und Philipp Kutter (CVP). Bild: André Springer

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Die Zusammenstellung des Podiums «Energiewende Zimmerberg» am Freitagabend im Saal des Hotels Sedartis in Thalwil liess auf eine kaum kontradiktorische Gesprächsrunde schliessen. Denn dem Panel gehörten mit der Kantonsrätin Edith Häusler (Grüne) sowie den Nationalräten Philipp Kutter (CVP), Hans-Peter Portmann (FDP) und Thomas Weibel (GLP) Politikerinnen und Politiker von Parteien an, die dem Klimaschutz Priorität einräumen. Diese Einschätzung war ein Trugschluss. Denn kaum hatte Gesprächsleiter Reto Lipp, bekannt als TV-Moderator des Wirtschaftsmagazins ECO, die Einstiegsfrage gestellt, wie es denn um die Energiewende in den Wohngemeinden der Referenten stehe, ging eine heftige Diskussion vonstatten.

Die Natur- und Umweltfachfrau Häusler aus Kilchberg bemängelte, dass grüne Anliegen in der Gemeinde und im Kantonsrat auf wenig Gehör stossen würden. «Die FDP habe in der vergangenen Legislatur grüne Vorstösse regelmässig abgeschmettert.» Portmann, von Lipp als hauptberuflicher Bankmanager eingeführt, redete kurz davon, dass sein früherer Wohnort Thalwil gerade im Öffentlichen Verkehr eine vorbildliche Umweltpolitik betreibe, er die Lage in seiner neuen Bleibe in Rüschlikon aber noch zu wenig beurteilen könne, ehe er eine Breitseite gegen die Grünen absetzte: «Wegen der sturen Umverteilungspolitik verhindern die links-grünen Kräfte eine effiziente Umsetzung des Gebäudesanierungsprogramms von Bund und Kantonen.» Häusler gab zur Antwort: «Pro Jahr werden in der Schweiz lediglich ein Prozent der Gebäude saniert.»

Alle für eine CO2-Steuer

Der Horgner Thomas Weibel begrüsste es, dass Klimaschutz zum zentralen Thema geworden ist. Er traue der Forschung für energetische Verbesserungen vieles zu, aber der grünliberale Ingenieur der ersten Stunde gab zu Bedenken: «Es werden auch in Horgen an Gebäuden meist nur einzelne Fenster und Fassaden isoliert.» Und überhaupt fehle es in Sachen Klimaschutz an einer Gesamtstrategie. Diese Worte fanden in der Runde allgemeine Zustimmung. Die FDP kam noch ihr Fett weg: «Ich begann im Freisinn zu politisieren, Klimapolitik war damals kein Thema.»

Auf Zahlen, die Lipp eingangs erwähnt hatte, wonach die Sonnenenergie in der Schweiz gerade mal für drei Prozent des Stroms sorgt (Stadt Zürich: 0,7 Prozent), ging Wädenswils Stadtpräsident Kutter ein. «Wädenswil will die Fotovoltaik in den kommenden Jahren auf bis zu zehn Prozent erhöhen, und bis 2035 soll es keine Ölheizungen mehr geben.» Auch er kritisierte die FDP: «Sie hat dem CO2-Gesetz im Nationalrat die Zähne gezogen und es versenkt.» Portmann wehrte sich: «Wir haben einzig Anreize zum Nachdenken über die Vorlage gegeben.» Das Geschäft liegt jetzt zur Differenzbereinigung beim Ständerat.

An dieser Stelle hakte Lipp ein. «Wer befürwortet eine Abgabe für Benzin und Diesel, und wie viel soll diese betragen?», fragte er. Alle sagten Ja. Kutter sprach wie Häusler und Portmann von 6 bis 10 Rappen pro Liter, Weibel redete von 15 Rappen aufwärts.

Als Lipp die Frage stellte, ob die Grünen zusammen mit der GLP je nach Ausgang der Parlamentswahlen im Oktober einen Sitz im Bundesrat fordern würden, kamen sich Häusler und Weibel nicht näher. «Dazu müsste die GLP mehr nach links rücken», meinte Häusler.

Kritische Publikumsvoten

Zwar hatten sich nur rund 60 Zuhörer im zur Hälfte gefüllten Saal eingefunden, aber als ihnen das Wort gegeben wurde, streckten sehr viele die Hand aus. Es waren radikale Meinungen zu hören, wie die Abschaffung des Auto-Leasings. Ein junger Mann bestand darauf, dass die Zeit der Analysen abgelaufen sei. «Wir müssen mit der Energiewende vorwärts kommen, es kann ungemütlich werden.»

Unbehagen bereitete sich ohnehin aus. Es gab Stimmen, die monierten, Gebäudesanierungen würden auf die Mieter abgewälzt, noch mehr Abgaben und Steuern seien nicht zu verkraften, grüner Lifestyle sei kostspielig. Plötzlich bekam die Diskussion eine neue Richtung mit der Frage, ob man für das Klima Abstriche punkto Wohlstand akzeptieren würde. Der Schluss wurde gezogen, es brauche ein energetisches Weiterkommen, aber die soziale Verträglichkeit der Massnahmen müsse beachtet werden.

Erstellt: 16.06.2019, 14:21 Uhr

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