Oberrieden

Frisch saniert – kurz darauf eine Brandruine

Zwar haben alle Bewohner den Brand von vergangener Woche in einem Oberriedner Flarzhaus unbeschadet überstanden. Doch das Malheur hat tiefe Spuren hinterlassen. Im Gebäude genauso wie bei seinen Bewohnern.

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Brandgeruch. Das ist das erste, was auffällt, sobald man sich der Liegenschaft am Unteren Stünziweg nähert. Dort hat vergangene Woche ein Feuer gewütet. Mehr als 60 Feuerwehrleute standen im Einsatz. Das Haus steht noch, sieht von der Horgner Seite her mehr oder weniger unbeschadet aus. Doch es ist zu weiten Teilen eine Brandruine. Unbewohnbar. Auch der Untere Stünziweg ist nach wie vor gesperrt.

Noch bevor man das Haus betritt, wähnt man sich in einer Geruchsglocke. Geborstene Dachziegel säumen den Zugang. Der liegt auf der Zürcher Seite. Unterhalb der Terrasse, wo das Feuer ausgebrochen ist. Das Dach, welches diese bedeckt hat, existiert praktisch nicht mehr. Es riecht nach Rauch, nach verbranntem Holz, nach Russ. Im Eingang stehen provisorische Stützen. Das Brummen von Entfeuchtungsgeräten ist zu hören. Wer nur schon den Türknauf anfasst, hat sogleich schwarze Hände.

Katzen und Fische gerettet

Es herrscht reges Kommen und Gehen im gleisseitigen Hausteil. Die Bewohner und Eigentümer der Liegenschaft tragen heraus, was noch zu retten ist. Vieles aber ist kaputt, Computer, Server. Viele der imposanten Sichtbalken sind russgeschwärzt. Wo das Feuer nicht gewütet hat, hat das Löschwasser immense Schäden angerichtet. In den nächsten Monaten werden sie nicht in dem Haus wohnen können, das seit 18 Jahren ihr Zuhause ist.

Marc Peyer hat in seinem Leben schon Verschiedenes erlebt. Er arbeitet bei der Flughafen- und der Bundespolizei, und ist er Pastor bei der Freikirche Revival Fire Ministries. Er wirkt wenige Tage nach dem Unglück gefasst. Obwohl er sagt, so etwas wie diesen Brand habe er noch nie gesehen.

Seine Frau und er hätten am vergangenen Mittwoch nach 23 Uhr bereits geschlafen. Einer ihrer beiden Söhne sei jedoch noch wach gewesen. Er habe ein Geräusch gehört, von dem er zuerst gedacht habe, es rühre von Hagel her. Dann habe er es flimmern gesehen – und rasch gemerkt, dass das gelbe Licht nicht von einem Signal der neben dem Haus durchführenden Bahnlinie stammen könne.

«Er hat uns und seinen Bruder geweckt», sagt Peyer. «Die Flammen waren mindestens anderthalb Meter hoch.» Nur gerade Kleider habe er sich übergestreift. Ohne Telefon, ohne irgendetwas, sei er herausgeeilt. Der eine Sohn habe zum Glück sein Handy bei sich gehabt und die Feuerwehr anrufen können. Der andere habe sich auf die Suche nach den beiden Hauskatzen gemacht. Die sich natürlich verkrochen hatten. «Er trug einige Kratzer davon, konnte aber beide Tigerli retten», sagt Peyer.

Auch die anderen tierischen Bewohner, Fische, haben den Brand überstanden. Ihr Aquarium steht noch im einigermassen unbeschadet gebliebenen Wohnzimmer. «Die Feuerwehr hat extra ein Kabel gezogen für das Aquarium», sagt Peyer. Damit die nötige Sauerstoffzufuhr trotz Stromunterbruch nicht unterbrochen werde. «Überhaupt muss ich der Feuerwehr ein dickes Lob aussprechen. Sie hat sich super um uns gekümmert.»

Die Familie selbst kommt für die ersten vier Wochen in einer Wohnung unter, deren Bewohner in dieser Zeit weg sind. «Wie es danach weiter geht, weiss ich nicht», sagt Marc Peyer. Und fügt an: «Wir bräuchten eine Bleibe in Oberrieden. Denn meine Frau arbeitet hier und fährt nicht Auto.»

Eimer hat Feuer gefangen

Noch schlimmer sieht es im strassenseitigen Hausteil aus. Dort, wo das Feuer ausgebrochen ist. Der gehört ebenfalls der Familie Peyer. Sie hat ihn eben erst saniert. Vor knapp zwei Wochen sind die neuen Mieter – eine Wohngemeinschaft – eingezogen. «Wir haben gute Erfahrungen gemacht mit WGs, schon vorher wohnte eine in diesem Hausteil», sagt Peyer. Und nun dies. So wie es aussieht, lässt sich die Brandursache auf einen «unvorsichtigen Umgang mit Raucherwaren» zurückführen, wie die Kantonspolizei Zürich den Tatbestand formuliert.

Peyer sagt: «Offenbar hat jemand den Aschenbecher zu früh in den Eimer geleert, der auf der Terrasse stand», sagt Peyer. Der Eimer hat Feuer gefangen, dieses hat sich rasend schnell ausgebreitet. Peyer sagt, dem Verursacher gehe es schlecht: «Ich habe ihm nur gesagt, er solle jetzt keine Dummheit begehen.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.04.2018, 17:47 Uhr

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