Bezirksgericht Horgen

Freiheitsstrafen für diebisches Mutter-Tochter-Paar

Zwei Tschechinnen haben sich in der halben Deutschschweiz als Diebinnen betätigt. Mutter und Tochter klauten in Migros- und Coop-Läden Handtaschen von Einkaufswagen.

Zwei Frauen mussten sich am Dienstag wegen mehrfachen Diebstahls vor dem Bezirksgericht Horgen verantworten.

Zwei Frauen mussten sich am Dienstag wegen mehrfachen Diebstahls vor dem Bezirksgericht Horgen verantworten. Bild: Keystone

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Die Geschichte klingt wie hundertmal gehört. Zwei Frauen, Mutter und Tochter, reisen aus Tschechien in die Schweiz. «Ein Herr» habe ihnen Arbeit versprochen, übersetzt die Dolmetscherin. Dann habe er sie auf der Strasse stehen gelassen. Arbeit haben die 60- und 33-jährigen Frauen danach nicht gesucht. Stattdessen haben sie zwischen Mai und November 2017 12 Diebstähle und einen Diebstahlversuch unternommen. Unter anderem in Horgen und Richterswil.

Dabei griffen sie zu einer altbekannten Masche. Eine der Frauen lenkte in einem Lebensmittelladen das Opfer ab, die andere schnappte sich das Portemonnaie aus der Tasche oder nahm gleich die ganze Handtasche mit. Der Deliktsbetrag war bescheiden, lag meistens bei wenigen Hundert Franken. Erwischt wurden die beiden nach einem Diebstahlversuch in Basel.

Verräterische Cumulus-Bons

Speziell ist, wie den Beschuldigten andere Diebstähle nachgewiesen werden konnten. Bei der Mutter wurden 25 Cumulus-Bons gefunden, die auf sieben der Opfer ausgestellt waren. Die Tschechinnen haben die Delikte gestanden. Staatsanwältin und Verteidiger haben sich im Vorfeld auf Urteilsvorschläge geeinigt. So mussten die Richter nur noch abklären, ob die Vorschläge angemessen sind.

Der Gerichtspräsident interessiert sich für Hintergründe. Doch die Frauen blocken ab. Man erfährt nicht, warum sie keine Arbeit gesucht haben, wer sie angeblich in die Schweiz gebracht hat oder nach welchen Kriterien sie die Tatorte ausgesucht haben. Der Richter fragt, ob sie «professionelle Kriminaltouristinnen» seien. Die Mutter senkt den Kopf, verweigert eine Antwort.

Lebensumstände als Auslöser

Die Frauen sagen, sie bereuten die Taten und würden das nicht wieder tun. Die Vergangenheit spricht eine andere Sprache. Die Mutter weist 14 Vorstrafen in Tschechien und eine in Deutschland vor — alle wegen Diebstahls. Die Tochter wurde gar noch öfter verurteilt, zuletzt 2017.

Warum sie so oft stehlen, erklären die beiden mit ihren Lebensumständen. Tränenreich erzählt die Mutter, dass ihr Mann invalid sei, zwei ihrer Kinder drogenabhängig. Sie müsse auf einen Enkel aufpassen, weil das dessen drogenabhängige Mutter nicht könne. Der Gerichtspräsident zeigt ihr Fotos vom Smartphone der Tochter. Darauf ist die Familie in einer schön eingerichteten Wohnung zu sehen. Auf einem anderen Foto ist ein Swimmingpool abgebildet. Das sei bei der Familie ihres Mannes , die sei besser situiert, antwortet die Mutter. Die Tochter sagt, sie lebe allein mit zwei Kindern in einem Zimmer zur Untermiete.

Das Bezirksgericht Horgen bestätigt die Urteilsvorschläge. Die Mutter kassiert eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Die Hälfte muss sie absitzen, der Rest wird während dreier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Die Tochter muss gar 16 Monate hinter Gitter, ohne Bewährung. Obwohl beiden die gleichen Taten vorgeworfen werden. Die Unterschiede seien durch die Menge der Vorstrafen zu erklären, sagt der Gerichtspräsident. Und dadurch, dass die Tochter kurz vor den Taten delinquiert hat. Auch habe die Mutter früher kooperiert.

Beide Frauen werden für sieben Jahre des Landes verwiesen. Die Mutter wird aus dem Gefängnis entlassen. Die Tochter muss noch einige Monate warten. Die 33-Jährige beschwert sich noch, weil sie doch bisher nur bedingt verurteilt wurde. Der Präsident sieht das als Bestätigung dafür, dass die Strafen sie bisher nicht beeindruckt haben. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.07.2018, 17:11 Uhr

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