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Folgen der früheren Einschulung sind umstritten

Immer früher werden Kinder eingeschult. Um dem Entwicklungsstand der Kinder gerecht zu werden, müssen die Schulen unterschiedliche Massnahmen ergreifen.

Kinder werden immer früher eingeschult, was die Lehrpersonen vor neue Herausforderungen stellt.
Kinder werden immer früher eingeschult, was die Lehrpersonen vor neue Herausforderungen stellt.
Manuela Matt

Seit drei Jahren verschiebt sich das Einschulungsalter der Kinder, die für den Kindergarten aufgeboten werden, von Ende April in Richtung Sommer. 2019 wird der Stichtag definitiv bei Ende Juli festgelegt. Obschon die Kinder dadurch nur drei Monate früher als bisher eingeschult werden, stellen sie das Lehrpersonal von Kindergarten und Schule vor neue Herausforderungen.

Patrick Weil, Leiter Pädagogik und Schulentwicklung der Primarschule Wädenswil, betont: «Bereits heute sind viele Kinder deutlich weniger weit, als sie es beim Kindergarteneintritt ei­gent­lich sein sollten.» So gäbe es Kinder, die mit Windeln in den Kindergarten kommen. Wickeln müssten die Kindergärtnerinnen ihre Schützlinge jedoch nicht. «Das ist nicht unsere Aufgabe. Wir rufen zu Hause an, damit jemand dem Kind die Windeln wechseln kommt», erklärt Weil.

Klassenassistenzen sind nötig

Auch könnten viele Kinder beim Kindergarteneintritt noch nicht richtig spielen und sprechen. Diese Entwicklungsdefizite seien jedoch nicht ausschliesslich auf die frühere Einschulung zurückzuführen. Um trotz dieser Defizite den Kindergarteneinstieg so reibungslos wie möglich zu gestalten, werden vermehrt Assistenzpersonen eingesetzt. «Wir überlegen uns, die Klassenassistenzen im ersten Quartal flächendeckend in allen Kindergärten einzuführen», sagt Weil.

Mit dem Übertritt vom Kindergarten in die Schule fallen die Probleme nicht weg. Langjährige Erfahrungen würden zeigen, dass Kinder, die früher als vorgesehen eingeschult wurden, irgendwann während ihrer Schulkarriere nicht mehr folgen konnten. Weil ist überzeugt: «Der frühe Schuleintritt holt fast alle betroffenen Kinder früher oder später wieder ein, indem sie in ihrer Schulkarriere ein Schuljahr repetieren müssen.»

«Eine Frage der Betreuung»

Gemäss Philipp Jordi Kramis, Leiter Sonderpädagogik der Schule Adliswil, stellt die Schulung des Lehrpersonals die grösste Herausforderung dar. «Es ist nicht eine Frage des Alters der Kinder, sondern der Betreuung. Gerade Kindergärtnerinnen sollten darauf sensibilisiert werden, welche Entwicklungsstandards einem vierjährigen Kind entsprechen.» Gelegentlich komme es zu mehr Nachfragen nach Logopädie oder Psychomotorik, diese Kinder seien aber oft nicht therapiebedürftig, die noch vorhandenen Sprachmängel seien vielmehr entwicklungsbedingt.»

Dass der Kindergartenstart in Adliswil so reibungslos verläuft, hat gemäss Jordi damit zu tun, dass Kinder mit Entwicklungsproblemen der Schule oft bereits im Voraus bekannt sind. Kinderärzte würden betroffene Kinder an Therapeuten überweisen. Und diese wiederum informieren die Schulverwaltung, sofern die Eltern einverstanden sind. Dadurch erhalten diese Kinder mit Schuleintritt notwendige Fördermassnahmen. «Wir verzeichnen daher nicht häufigere Repetitionen als früher», sagt Jordi.

Spielgruppe lohnt sich

Horgen zieht eine neutrale Bilanz. «Wir bieten viele sonderpädagogische Massnahmen an. Dadurch halten sich die Repetitionen in Grenzen, daran hat auch der frühere Schuleintritt nichts geändert», sagt Roger Herrmann, Abteilungsleiter Schulsekretariat. «Dort, wo es nötig ist, stellen wir Klassenassistenzen zur Verfügung, die helfen, die Kinder zu betreuen.» Doris Klee von der Schulpflege Horgen bestätigt, dass Kindergartenlehrpersonen heute einer grösseren Herausforderung gegenüberstehen als früher. Dennoch ist sie zuversichtlich. «Es ist mir nicht bekannt, dass Lernziele nach unten korrigiert werden mussten. Bisher ist es gelungen, die Kinder soweit zu bringen, dass sie den Schulstoff bewältigen können.»

In einem Punkt sind sich die Befragten einig: Sie sind überzeugt, dass Kinder besser für den Kindergarten vorbereitet sind, wenn sie vorgängig eine Spielgruppe besucht haben oder in einer Kinderkrippe betreut worden sind.

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