Wädenswil

Fischer ärgern sich über Absenkung des Reidbachweihers

Obwohl in den Reidbachweiher zurzeit nur wenig Wasser fliesst, liess der Kanton den Wasserpegel um 1,60 Meter senken. Fischer mussten darum zig Muscheln retten.

Der staubtrockene Uferbereich des Reidbachweihers ist laut dem Revierpächter vor allem für junge Fische ein Problem. Ihnen fehlen Sträucher und Äste als Verstecke.

Der staubtrockene Uferbereich des Reidbachweihers ist laut dem Revierpächter vor allem für junge Fische ein Problem. Ihnen fehlen Sträucher und Äste als Verstecke. Bild: Moritz Hager

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Seine Beine standen tief im Schlamm, als Andreas Sieber letztes Wochenende zu retten versuchte, was es zu retten gab. Sein Einsatz galt den Teichmuscheln, die im oberen Bereich des Wädenswiler Reidbachweihers gerade am Vertrocknen waren. «500 bis 600 Stück konnten wir noch ins Wasser tragen», erzählt er. Keine Chance mehr hatten «massenhaft viele» junge Edelkrebse. Für sie sei alles zu schnell gegangen.

Sieber ist Hobbyfischer und als solcher Obmann der Pachtgesellschaft Reidbach. Dass er am Wochenende mit weiteren Fischern für die Tiere Soforthilfe leisten musste, hat mit der anhaltenden Trockenheit nichts zu tun. Denn der plötzliche Wasserschwund war künstlich erzeugt.

Warum genau jetzt?

Am Donnerstag, 12. Juli, wurde im Auftrag des kantonalen Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) die Schleuse am Weiherdamm geöffnet und der Pegel im Reidbachweiher so um mehr als 1,60 Meter abgesenkt. Dies im Zusammenhang mit einem Hochwasserschutzprojekt, weiss Andreas Sieber.

Nun steht der Revierpächter an «seinem» Weiher, blickt auf die ausgetrockneten Uferbereiche und schüttelt den Kopf. «Die Aktion ist für mich völlig unverständlich.» Warum musste der Weiher gerade jetzt abgesenkt werden, wo es doch tagelang warm und trocken ist, fragt sich Sieber. «Im Frühling oder im Herbst wäre das kein Problem gewesen.» Jetzt aber fliesse nur ­wenig frisches Wasser in den Weiher, die Wasserdurchmischung sei deshalb schlecht. «Es könnte passieren, dass gewissen Fischarten bald der Sauerstoff fehlt», sagt der Revierpächter.

Hinzu komme, dass junge Fische nun kaum Verstecke fänden. «Junge Hechte ziehen sich gerne im Schilf zurück. Jetzt sind sie den grossen Raubfischen ausgeliefert.» Gleich gehe es den Krebsen, die sich normalerweise zwischen Steinen am Ufer einnisteten.

Unverständnis allenthalben

Mit seiner Kritik am Vorgehen des Kantons ist Andreas Sieber nicht alleine. Unverständnis äussert auch Sacha Maggi, Präsident des kantonalen Fischereiverbands, der in Wädenswil wohnt. «In der aktuellen Hitzeperiode ist eine solche Aktion sehr unglücklich. Ich frage mich, wo da der gesunde Menschenverstand geblieben ist.»

Warum also führte das Awel die Massnahme ausgerechnet in ­diesen Tagen durch? Die Medienstelle konnte gestern darauf ­keine Antworten liefern. Die zuständigen Personen seien zurzeit abwesend. Man sei jedoch bemüht, möglichst bald Klarheit zu schaffen. Auch bei der Stadt Wädenswil, der Besitzerin des Weihers, war für die ZSZ gestern keine Auskunftsperson erreichbar. Andreas Sieber hofft derweil nur eines: dass bald genügend Regen fällt. Bis sich die Situation für die Fische verbessert hat, will er im Reidbachweiher nicht mehr fischen. «Das wäre ethisch nicht vertretbar.» (zsz.ch)

Erstellt: 21.07.2018, 09:51 Uhr

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