Fischereipacht

Fischen braucht mehr als nur Geduld

Alle acht Jahre werden kleine Gewässer, Bäche und Flüsse neu verpachtet. Dies obliegt dem Kanton. In wenigen Fällen gehören die Fischereirechte einer Gemeinde.

Wer die Fischereipacht für den 13000 Quadratmeter grossen Rumensee erwerben möchte, kann sich aktuell bei der Gemeinde Küsnacht bewerben.

Wer die Fischereipacht für den 13000 Quadratmeter grossen Rumensee erwerben möchte, kann sich aktuell bei der Gemeinde Küsnacht bewerben. Bild: Sabine Rock

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Schübelweiher und Rumensee, zwei idyllische kleine Gewässer in Küsnacht. Beide produzierten bereits etliche Schlagzeilen: der Rumensee, weil 1976 eine tote Frau dort geborgen wurde, der Schübelweiher, weil sich der eingeschleppte Rote amerikanische Sumpfkrebs darin ausgebreitet hatte.

Doch die zwei Weiher haben eigentlich anderes zu bieten: Aktuell führt die Gemeinde Küsnacht eine Ausschreibung für die Neuverpachtung der Gewässer für die Pachtperiode 2019 bis 2027 durch. Wer den Zuschlag erhält, sichert sich das Recht, während der achtjährigen Pachtdauer in den beiden Gewässern zu fischen. «Selbstverständlich unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben», sagt Gemeindeschreiberin Catrina Erb. In den Weihern seien vor allem karpfenartige Fische wie Schleien, Rotaugen, Rotfedern und Karpfen zu finden. Für forellenartige Fische ist das Wasser im Sommer zu warm und weist zu wenig Sauerstoff auf. Die wenigen Aale, welche ebenfalls in den Weihern leben, wurden 1999 von der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung zur Bekämpfung der Roten amerikanischen Sumpfkrebse ausgesetzt. Eine Kontrollbefischungen im letzten Jahr ergab, dass der Bestand dieser invasiven Neozoen - so der Fachbegriff für gebietsfremde Tiere, die sich stark ausbreiten - auf tiefem Niveau stabil ist.

Staat hat Fischereihoheit

Dass die Gemeinde das Recht zum Fischen verpachtet, ist die Ausnahme. In der Regel ist es der Kanton, der Patente abgibt oder Gewässer verpachtet, denn die Fischereihoheit im Kanton Zürich gehört seit 1854 dem Staat. «Mit der damaligen Einführung des zürcherischen privatrechtlichen Gesetzbuches wurden alle Gewässer zu Gemeingut erklärt», erläutert Wolfgang Bollack, Mediensprecher der Baudirektion des Kantons Zürich. Seit 1856 werden alle Flüsse, Bäche und kleinen stehenden Gewässer öffentlich versteigert und jeweils für acht Jahre verpachtet. Ausnahmen bilden künstlich angelegte Weiher oder solche, bei denen ein privates Fischereirecht aus früheren Zeiten nachgewiesen werden kann.

«Küsnacht erwarb 1946 den Weiher und damit die Fischereirechte, nachdem der Rumensee wiederholt den Besitzer gewechselt hatte.»Wolfgang Bollack, Mediensprecher der Baudirektion des Kantons Zürich

Beim Schübelweiher handelt es sich um ein künstlich angelegtes Gewässer. Dieses wurde 1846 auf Gemeindegebiet angelegt und blieb deshalb in Gemeindehand. Dass auch der Rumensee von der Gemeinde verpachet wird, hat einen anderen Hintergrund: Laut Bollack bestand ein privates Fischereirecht eines Mühlebetreibers, das bis ins Jahr 1723 zurückgeht. «Die Gemeinde Küsnacht erwarb 1946 den Weiher und damit die Fischereirechte, nachdem der Rumensee wiederholt den Besitzer gewechselt hatte.»

Ein weiterer Weiher im Bezirk Meilen, der nicht vom Kanton verpachtet ist, ist der Lützelsee in Hombrechtikon. Bei diesem besteht ebenfalls ein Privatrecht. Weil der Lützelsee sich in einem Naturschutzgebiet befindet, gibt es laut dem Amt für Landschaft und Natur Einschränkungen für die Fischereiausübung. Je nach Situation sei in Naturschutzzonen ausschliesslich die Bootsfischerei erlaubt oder eben gerade nur das Fischen vom Ufer aus, manchmal gebe es Schutzzonen oder zeitliche Beschränkungen, sagt Wolfgang Bollack. Besonders schützenswerte Gewässer werden von der Verpachtung ganz ausgenommen. «Das ist aber die Ausnahme.» Gleich zwei dieser Ausnahmen befinden sich auf Stäfner Gebiet: der Katzentobelweiher und der Turbenweidweiher. Im Bezirk Horgen besteht für den Bergweiher in der Gemeinde Horgen ein Privatrecht der Gemeinde.Der Hüttnersee wird vom Kanton verpachtet, auch wenn er mit einer Schutzordnung belegt ist.

Pachtzins variiert

Wer eine Fischereipacht vom Kanton übernimmt, muss einen Pachtzins zahlen. «Für einen Weiher beträgt der Grundpreis zwischen einigen Hundert bis 1500 Franken im Jahr», sagt Bollack. Ein Blick in die Pacht- und Steigerungsbedingungen des Kantons Zürich zeigt, dass Pächter von Revieren an Flüssen und Bächen teils deutlich tiefer ins Portemonnaie greifen müssen: Die Pacht des Dorfbachs Küsnacht etwa beträgt zwischen 2060 und 3090 Franken pro Jahr. Berechnet wird der Preis aufgrund diverser Faktoren wie der Zugänglichkeit des Gewässers, der Qualität des Fischbestandes oder der Attraktivität der Umgebung. «Ein Gewässer in einer intakten Naturlandschaft mit einem guten Fischbestand ist begehrter als ein kleiner Weiher mitten im Siedlungsgebiet«, erklärt Wolfgang Bollack. Würden mehrere Gebote für ein Revier eingehen, könne der Zins um bis zu 50 Prozent höher ausfallen. Die Pachten spülen dem Kanton Zürich gemäss dem Mediensprecher jährlich einen tiefen sechsstelligen Betrag in die Kasse.

Der Pächter des Rumensees und des Schübelweihers bleibt von Zinsforderungen verschont. «Die Pacht erfolgt unentgeltlich, da für die Hege und Pflege der Gewässer ein Zeitaufwand erforderlich ist», sagt Gemeindeschreiberin Catrina Erb.

Erstellt: 27.05.2019, 14:57 Uhr

Diese Regeln gelten für Fischereipachten

Für Pächter eines Fischereireviers gelten die Fischereivorschriften. Dort ist etwa geregelt, mit welchen Gerätschaften gefischt werden darf, welche Schonzeiten gelten, wie viele Tiere pro Tag entnommen werden dürfen und welche Grösse sie mindestens haben müssen. Spezifische Vorschriften finden sich im jeweiligen Pachtvertrag. Nebst dem Recht, die Fischerei auszuüben, treten Pächter auch bestimmte Pflichten an. Teils beinhalten sie die Hege bestimmter Gebiete, generell aber die Aufsichtspflicht über die Pachtgewässer. So müssen etwa Trockenheit, Gewässerverschmutzungen, Fischsterben oder unerlaubte Bautätigkeiten dem Kanton gemeldet werden. Hobbyfischer ohne eigenes Fischereirevier können einerseits bei der Fischerei- und Jagdverwaltung Angelfischerpatente für den Zürichsee, den Greifensee oder den Pfäffikersee kaufen oder einem Pächter Fischereikarten für sein Revier abkaufen.Die Pächter sind verpflichtet, bei entsprechender Nachfrage die im Pachtvertrag vorgeschriebene Mindestanzahl an Jahreskarten zu verkaufen. Damit soll mehreren Personen ermöglicht werden, in einem Pachtrevier zu fischen.

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