Unwetter

Feuerwehrmänner räumen nach «Sabine» den Hirzelpass frei

Auch am Hirzelpass liess Sturm «Sabine» Bäume auf die Strasse niederkrachen. Wegen Aufräumarbeiten war die Verkehrsachse Richtung Zentralschweiz bis Dienstagmittag gesperrt.

Im Waldstück Enderholz, zuoberst auf dem Hirzelpass, musste die Feuerwehr vom Sturm geschwächte Bäume fällen.

Im Waldstück Enderholz, zuoberst auf dem Hirzelpass, musste die Feuerwehr vom Sturm geschwächte Bäume fällen. Bild: Markus Hausmann

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An einem normalen Tag rauschen 16'000 Fahrzeuge durchs Enderholz. Heute aber ist kein normaler Tag. Es ist Dienstagmorgen: Die Hirzel-Passstrasse, die durch das Waldstück oberhalb Horgen führt, ist seit Montagabend gesperrt. Dies, nachdem die Strecke am Vortrag zwischenzeitlich schon einmal nicht befahrbar war.

Neben der Strasse liegen mächtige Buchenstämme und abgesplitterte Äste. Ein Teil dieser Bäume liess Sturm «Sabine» kippen. Die anderen wurden von der Feuerwehr am späten Montagabend und in den frühen Morgenstunden sicherheitshalber gefällt. Auch jetzt, um halb zehn Uhr morgens, steht die Stützpunktfeuerwehr Horgen noch immer im Einsatz. Denn die Gefahr am Hirzel ist noch nicht gebannt, die Passstrasse darum noch immer zu.

Rückzug und Warten

Im Enderholz neigt sich eine rund 35 Meter hohe Buche zur Strasse hin. Förster Rudolf Fluri und einige Feuerwehrmänner begutachten die Wurzeln, blicken am Stamm empor. Dann fällt der Entscheid: Der Baum muss weg. Genauso eine Fichte weiter hinten im Wald, die demnächst zu kippen droht, vielleicht bis auf die Strasse.

Die Feuerwehrmänner wirken routiniert. Viele, die hier im Einsatz stehen, sind selber Förster, Holzarbeiter oder Bauern. Nach den langen Einsätzen am Montag sind sie nun schon seit fünf Uhr wieder im Wald. Eigentlich, erzählt einer der Männer, hofften sie, die Strasse schon zur Hauptverkehrszeit wieder freigeben zu können. Doch «Sabine» spielte nicht mit: Wegen zu starker Windböen hat sich der Feuerwehrtrupp zwischenzeitlich aus dem Wald zurückgezogen. Die Gefahr von herunterbrechenden Ästen war zu gross. Im Feuerwehrdepot im Hirzel haben die Männer die Wartezeit überbrückt.

Hier räumen die Feuerwehrleute die Zugerstrasse im Enderholz frei:

Video: Markus Hausmann

Nun aber kann es weitergehen. Neben der Passstrasse heult eine Motorsäge auf, das Sägemehl spritzt. Kurz darauf: ein gewaltiges Krachen. Dann liegt die Buche quer über der Strasse. Schnell wird sie zersägt. Die einzelnen Teile binden die Männer mit einem Metallseil an einen Traktor, um sie sofort wegzuschleppen. Beim Schützenhaus Enderholz wird das Gehölz anschliessend zwischengelagert, bevor es irgendwann wohl zu Brennholz weiterverarbeitet wird.

Weiter unten am Pass sind die Kollegen im Einsatz, die die Strecke nach eingespieltem Konzept sperren. Vereinzelte Autofahrer gibt es dennoch, die sich auf die Passstrasse verirren oder sich nicht an die Anweisungen der Einsatzkräfte halten wollen. Etwa eine Automobilistin mit zwei Kindern auf den Rücksitzen. Zu Zwischenfällen kommt es an diesem Morgen aber nicht. Der Einsatz der Feuerwehr geht gegen Ende des Vormittags zu Ende. Nun übernehmen Mitarbeiter des kantonalen Strassenunterhaltsdienstes. Sie befreien den Abschnitt im Wald von liegengebliebenem Restholz. Dann, um 11.15 Uhr, wird der Hirzelpass wieder geöffnet.

Wälder bleiben Sperrzone

Auch am Pfannenstiel konnten im Laufe des Dienstags alle Sperren für Strassen und Verbindungsachsen aufgehoben werden. Forstarbeiter und Feuerwehrleute haben am Dienstag die gefährlichen Räumungs- und Sicherungsarbeiten entlang der Strassen ausgeführt. Für Spaziergänger und Wanderer bleiben die Wälder aber noch gesperrt. «Zu gefährlich», sagt Alexander Singeisen, Leiter des Forstreviers Pfannenstiel Süd. «Es stehen viele Bäume schief und hängen abgebrochene Kronen und Äste in der Höhe, die Menschen verletzen können.»

«Es stehen viele Bäume schief und hängen abgebrochene Kronen und Äste in der Höhe, die Menschen verletzen können.»Alexander Singeisen

Singeisen rechnet damit, dass die Waldwege bis Mitte nächster Woche ebenfalls gesichert sind, sodass sie dann begangen werden können. Im Wald selber dauern die Aufräumarbeiten hingegen noch länger an, weshalb er dringend abrät, sich abseits der Wege zu bewegen. Diese Vorsichtsmassnahme gilt für alle Waldgebiete in der Zürichsee-Region.

In einem ersten Vergleich mit dem Sturm «Burglind» im Januar 2018 bezeichnet er «Sabine» als «kleine Schwester». Damals seien die Schäden im Wald wesentlich höher gewesen. Es gebe aber lokale Unterschiede – zum Beispiel dort, wo wegen des Befalls durch den Borkenkäfer Löcher in den Wald geschlagen wurden. Das gab dem Wind stellenweise eine grössere Angriffsfläche, was einigen Bäumen zum Verhängnis wurde. So auch jenen im Enderholz auf dem Hirzelpass.





Erstellt: 11.02.2020, 18:21 Uhr

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