Bezirksgericht Horgen

Fahrer eines Einbrecherduos soll die Schweiz verlassen

Die Horgner Richter sehen einen hier aufgewachsenen 40-jährigen Chilenen nicht als Härtefall. Er hatte zwei Landsleute zu 14 Einbrüchen und Einbruchsversuchen in der Region und im Unterland gefahren.

Die Richter am Bezirksgericht Horgen verweisen einen 40-jährigen Chilenen wegen dessen Taten des Landes.

Die Richter am Bezirksgericht Horgen verweisen einen 40-jährigen Chilenen wegen dessen Taten des Landes. Bild: Archiv TA

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Innerhalb von zehn Tagen brachen zwei Chilenen, Schwester und Bruder, im Februar 2017 in neun Wohnungen ein. In fünf Fällen blieb es beim Versuch. Unter anderem suchten sie Horgen, Küsnacht und Zollikerberg heim. Die ortsunkundigen Geschwister waren eigens aus Südamerika angereist, mit dem Ziel einzubrechen. Die Schwester wurde am Bezirksgericht Horgen bereits zu einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten verurteilt. Sie musste zehn Monate absitzen und dürfte längst wieder in Chile sein. Gegen den Bruder läuft ein separates Verfahren.

Doch die Beiden hatten auch Helfer vor Ort, Landsleute, die schon länger hier leben. Einer sorgte für die Unterkunft für das Einbrecherduo. Ein zweiter fuhr die Beiden zu ihren Einbrüchen bei denen sie Beute im Wert von über 200'000 Franken machten.

Monatelang unerrreichbar

Am Dienstag musste sich der Fahrer nun selbst vor Gericht verantworten. Das heisst, eigentlich wurde er schon im November 2018 und im Mai ans Bezirksgericht Horgen zitiert. Offenbar war er länger unerreichbar. Also wollte der Gerichtspräsident erstmal wissen, wo sich der 40-Jährige herumgetrieben hat. Er sei länger in Chile gewesen. Zugang zum Internet habe er selten gehabt. Im Mai habe er dann ein Mail seines Anwalts gesehen. Den Rückflug habe er eigentlich perfekt gebucht.

Am Verhandlungstag wäre er um 11 Uhr angekommen, dann hätte er es schon bis zu Beginn des Prozesses um 13.30 Uhr bis nach Horgen geschafft, meint er. Dumm nur, dass der Flug von Barcelona nach Zürich gestrichen wurde. Der Gerichtspräsident fragt, warum er keinen früheren Flug gebucht hat. Er habe eben erst eine Woche vor dem Prozess davon gehört, erklärt der Beschuldigte.

Die Taten gesteht der Chilene, der als Dreijähriger in die Schweiz gekommen ist. Er wurde in Horgen erwischt, als die Einbrecher mehr Lärm machten, als ihnen guttat. Etwa als das Badezimmerfenster in die Badewanne fiel. In der Untersuchung kooperierte er. Sein Geständnis führte zur Aufklärung der Taten.

Bleibt noch die Frage, wie sorgfältig die Geschwister ihre ortsansässigen Helfer ausgesucht haben. Der Fahrer verfügte seit 2008 nicht mehr über einen Fahrausweis. Zwei Tage bevor er verhaftet wurde, geriet der 40-Jährige in eine Polizeikontrolle. Die Anzeige wegen Fahrens ohne Berechtigung hielt ihn nicht davon ab, in den Tagen danach weiterzufahren. Schliesslich hatten die Einbrecher ihre Arbeit noch nicht beendet.

Die eigentliche Strafe scheint keine grosse Rolle zu spielen. Der Verteidiger scheitert mit seiner Forderung nach einer Geldstrafe. Die Richter folgen der Staatsanwältin und verurteilen den Mann zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten, drei Monate weniger als gefordert.

Mehr Schweizer als Chilene

Im Raum steht aber auch eine Landesverweisung. Denn Gehilfenschaft zu Einbrüchen ist eine Tat, die zur automatischen Ausweisung führt. Der Gerichtspräsident fragt nach, ob der Beschuldigte von der Diskussion um die Ausschaffungsinitiative etwas mitbekommen hat. Hat er nicht. Er betont aber, dass er in Chile nicht leben könne. Das habe er bei seinem längeren Aufenthalt gemerkt. Er sei mehr Schweizer als Chilene, sagt er in perfektem Schweizerdeutsch. Zudem lebten seine Geschwister und seine Eltern hier.

Doch die Richter lassen sich nicht erweichen. Er habe weder Partnerin noch Kinder. Beruflich sei er kaum integriert. Verwandte habe er auch in Chile, der mehrmonatige Aufenthalt zeige, dass er es auch dort schaffen können. Der 40-Jährige soll die Schweiz für fünf Jahre verlassen, beschliessen die Richter.

Erstellt: 09.07.2019, 16:28 Uhr

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