Wädenswil

«Es ist klar, dass es so nicht weitergehen kann»

Wie geht es mit der Wädi-Brau-Huus AG weiter? Der langjährige Geschäftsleiter Christian Weber hat diverse Pläne. Im Gespräch erklärt er auch, warum er in Wädenswil um den Ruf der Brauerei kämpfen muss.

Christian Weber möchte den Bierausstoss von Wädi-Bräu gerne verdoppeln.

Christian Weber möchte den Bierausstoss von Wädi-Bräu gerne verdoppeln. Bild: Patrick Gutenberg

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Christian Weber, hinter Ihnen liegt eine turbulente Generalversammlung. Wie haben Sie den Nachmittag empfunden?
Wir sind bereit, Kritik anzunehmen. Schliesslich ist es der Wädi-Brau-Huus AG zuletzt nicht gut ergangen. Aber da waren schon viele persönliche Angriffe dabei, das empfand ich als schwierig. Es ist aber klar, dass es mit der Brauerei so nicht weitergeht.

Sie haben die Aktionäre verprellt. Zuerst verloren die ihr Geld, dann sollten sie teurere Aktien kaufen und für eine Aktie im Wert von 610 Franken 915 Franken zahlen. Verstehen sie den Ärger?
Natürlich kann ich das verstehen. Aber nur so können wir die Zukunft der Brauerei sichern. Übrigens gibt es eine andere Brauerei, die Aktien zehnmal teurer als den eigentlichen Wert angeboten hat. Auch darum sind wir der Meinung, dass das Wädi-Brau-Huus in einer vertretbaren Grössenordnung vorgegangen ist.

Sie sprechen von Zukunft. Ist diese heute gesichert?
Durch Darlehen konnten wir das angestrebte Minimum von 610'000 Franken sichern. Jetzt hoffen wir, dass weitere Aktionäre dazukommen. Die bisherigen 1700 Aktionäre sollten bald eine entsprechende Einladung erhalten. Zudem stünden Leute bereit, die uns kurzfristig Investitionen finanzieren würden.

Sie haben konkrete Pläne?
Ja, am Tag nach der GV haben wir Vertreter der Gessner AG, unserer Vermieterin, getroffen. Die «alti Fabrik» soll umgebaut werden. Wir würden in den neuen Gebäuden gerne Raum dazumieten.

Wozu brauchen sie mehr Platz?
Wir wollen in der Produktion effizienter werden und gleichzeitig die Kapazitäten für die Zukunft ausbauen. Eine Idee ist in eine Abfüllanlage zu investieren, oder wir suchen nach solchen oder neuen technischen Möglichkeiten mit neuen Partnern. Heute schaffen wir das Bier in Tanks nach Baar, wo es in Flaschen abgefüllt wird. Hätten wir eine eigene Abfüllanlage, könnten wir bei den Transportkosten enorm sparen.

Haben Sie noch weitere Ziele?
Wir wollen nachhaltig wachsen. Das heisst, den jährlichen Bierausstoss von 2000 Hektoliter auf höchstens 4000 erhöhen.

Bräuchte das nicht zusätzliches Personal?
Nein, in der Brauerei sind wir sehr gut aufgestellt. Wir beschäftigen zur Zeit zwei ausgebildete Brauer und einen diplomierten Braumeister. Wobei die Brauer zusätzlich viele Brauseminare leiten und des Öfteren auch mit externen Kunden zu tun haben. Andere ähnlich grosse Brauereien haben vielleicht einen Brauer oder Braumeister.

Für eine erfolgreiche Zukunft braucht es auch einen guten Ruf. Man hat an der Versammlung gehört, Wädi-Bräu hat keinen. Stimmt das?
Da muss ich etwas ausholen. Meinem seit über 20 Jahren verstorbenen Vater wird noch heute vorgeworfen, 1991 die Wädenswiler Brauerei verkauft zu haben. Das stimmt so nicht. Die Brauerei war eine von fünf, die sich in den 70er-Jahren zur Sibra zusammengeschlossen hatten, die in der Schweiz die zweite nationale Marke Cardinal produzierten. Als Feldschlösschen 1991 die Sibra Holding gekauft hat, wurde der Standort Wädenswil geschlossen. Da gingen natürlich Arbeitsplätze verloren. Das haben hier einige meinem Vater übelgenommen, er wurde auch angefeindet.

Wädi-Bräu hat aber eigentlich nichts mit der alten Brauerei zu tun. Gibt es noch weitere Gründe für diese Ablehnung?
Leider gab es zu Beginn Fehler. Gründer Gary Wuschech war ein genialer Typ. Aber auch sehr eigensinnig. Er hat allen Restaurants in Wädenswil gesagt, dass es Wädi-Bräu nur bei ihm gebe. Die anderen Beizer hat er damit verärgert. Als wir Jahre später versucht haben, den Wädenswiler Wirten das Bier schmackhaft zu machen, kriegten wir häufig keine Antwort. Oder die, dass man uns jetzt auch nicht mehr brauche.

Letztes Jahr haben sie auch den Auftrag des Wädenswiler Oktoberfests verloren. Warum?
Das ist sehr schade, wir waren begeistert von der Idee. Die Veranstalter sind ja auch auf uns zugekommen. Aber es gab einige Meinungsverschiedenheiten. Eine andere Brauerei hat dann ein Angebot gemacht, das die Veranstalter angenommen haben. Aber wir werden uns 2020 wieder um den Auftrag bemühen. Einige Oktoberfest-Besucher haben es übrigens nicht verstanden, warum wir nicht mehr dabei sind.

Ihre Strategie bleibt weiterhin die, mit dem Gasthaus, den Brauseminaren und dem externen Verkauf Geld zu verdienen. Stand es nie zur Debatte, den externen Verkauf aufzugeben?
Ja, das war tatsächlich ein Szenario, das nach wie vor auf dem Tisch liegt. Wir glauben aber an die neuen Verkaufskanäle. Unser Bier ist jetzt neu in 37 von 45 Rio-Läden zu haben. Und bei Alnatura ist das Biersortiment eher klein, da sind wir sehr präsent. Aber auch beim Verkauf gibt es Sparpotenzial. So wollen wir in Zukunft direkt die Coop-Zentrale beliefern statt die einzelnen Läden.

Sie sind seit 19 Jahren Geschäftsführer der Wädi-Brau-Huus AG. Wie sieht eigentlich Ihre Zukunft aus?
Ich bleibe wohl noch ein paar Jahre im Betrieb und wir sind dran, die Geschäftsleitung neu aufzustellen. Hier braucht es neuen Drive.

Wer übernimmt die Geschäftsleitung?
Das kann ich noch nicht sagen. Aber es wird eine interne Lösung geben.

Erstellt: 02.07.2019, 18:44 Uhr

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Im Schweizer Biermarkt ist die Wädi-Brau-Huus AG eine kleine Nummer. Zwar produziert sie mit 2000 Hektolitern jährlich mehr Bier als der allergrösste Teil der 984 aktiven Brauereien. Doch der Abstand zu den mittleren und grossen Brauereien ist beträchtlich. So kommen etwa regionale Brauereien aus der näheren Umgebung wie Rosengarten (Einsiedler Bier) oder Baarer Bier auf einen jährlichen Ausstoss von 19'000 und 20'000 Hektolitern Bier.

Noch viel extremer ist der Unterschied zu den Grossen. Locher aus Appenzell, dessen Quöllfrisch fast in jedem Laden zu finden ist, produziert 160'000 Hektoliter pro Jahr. Branchenriese Feldschlösschen kommt mit all seinen zusätzliche Biermarken wie Hürlimann und Cardinal auf weit über 1,5 Millionen Hektoliter im Jahr. (paj)

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