Mobilfunk

«Es ist ein riesiger Menschenversuch»

Arzt Peter Kälin kritisiert den Umgang mit der 5G-Technologie und fordert ein Moratorium. Zuerst soll erforscht werden, ob die Strahlung für den Menschen gefährlich ist.

Peter Kälin ist Präsident der Organisation Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (Aefu). Aefu ist Mitglied der vom Bund eingerichteten Arbeitsgruppe.

Peter Kälin ist Präsident der Organisation Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (Aefu). Aefu ist Mitglied der vom Bund eingerichteten Arbeitsgruppe.

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Peter Kälin, welche Auswirkungen der 5G-Technologie auf den menschlichen Körper befürchten Sie?
Das ist eine schwierige Frage, weil 5G keine einheitliche Technologie ist. Es gibt Technologien, die bereits angewendet werden und bei denen man schon weiss, dass sie bereits unter dem Grenzwert schädliche Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben. Potenziell kann das bis zum Krebs gehen. Neu hingegen sind die ultrakurzwelligen Strahlen: Über deren Auswirkungen weiss man noch sehr wenig. Wir befürchten, dass diese die Haut schädigen könnten.

Das Problem ist also, dass man die Auswirkungen noch nicht genau kennt?
Ja genau. Es geht dabei um den Grenzwert für die Strahlung, der von Anfang an falsch gewählt worden ist. Er bezieht sich auf das thermische Modell. Das bedeutet, dass Geräte und Antennen den menschlichen Körper nicht aufwärmen dürfen. Die Grenze liegt bei einem Grad: ein viel zu hoher Grenzwert. Schon bei kleineren Dosen weiss man, dass es Schädigungen gibt.

Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (Aefu) fordern ein Moratorium, wie es in Genf beispielsweise angedacht ist. Was soll das bringen?
Mit einem Moratorium könnte man eine Denkpause einlegen und den Zug, der auf Druck der Mobilfunkanbieter in voller Geschwindigkeit fährt, stoppen. Es geht uns darum, dass erst einmal geforscht werden kann. Zumindest sollten die Erkenntnisse der Arbeitsgruppe Mobilfunk und Strahlung abgewartet werden, zu der auch die Aefu gehören und die noch von Bundesrätin Doris Leuthard eingesetzt wurde, um das, was eingeführt wird, wissenschaftlich abzustützen. Die Behörden sollten nicht vorpreschen, wie dies bei der Änderung der Grenzwerte passiert ist, die durch die Hintertüre eingeführt wurden. Da wurde neu definiert, dass die Grenzwerte über einen bestimmten Zeitraum gemittelt werden. Es müssen also nicht mehr bei der Maximalstrahlung einer Antenne die Grenzwerte eingehalten werden, sondern beim gemittelten Wert über 24 Stunden. Wir rechnen mit einer Erhöhung der Grenzwerte um das 10- bis 40-Fache.

Die Mobilfunkanbieter sagen allerdings, dass bei einer guten Antennenabdeckung die besonders starke Strahlung durch die Mobiltelefone abnimmt. Was sagen Sie zu diesem Argument?
Erstens gibt es Handynutzer, die vernünftigerweise ihr Mobiltelefon vom Körper fernhalten. Ein Handy am Ohr ist zwar die grösste Gefahrenquelle, doch sobald es nur schon einen Meter vom Körper entfernt ist, sind die Strahlen massiv reduziert. Zweitens gibt es elektrosensible Menschen, die ein Problem mit der Mobilfunkstrahlung haben. Jene Personen kann man nicht bestrafen, indem man sie überall bestrahlt. Die acht Millionen Menschen in der Schweiz würden mit 5G 24 Stunden dauerbestrahlt. Das ist ein riesiger Menschenversuch.

Erstellt: 09.05.2019, 08:52 Uhr

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