Wädenswil

Es herrscht Einigkeit darüber, dass man verschieden ist

Die Stadt muss ihre Bau-und Zonenordnung mit denen der neuen Ortsteile vereinheitlichen. An einer Veranstaltung am Mittwoch ging es vorerst um die Frage, ob das Zusammenleben soweit funktioniert.

Sie sind ganz Ohr für die Ratschläge von Käppeli (links): Felder, Landis, Mächler-Lattmann, Scherrer und Hauser (von links).

Sie sind ganz Ohr für die Ratschläge von Käppeli (links): Felder, Landis, Mächler-Lattmann, Scherrer und Hauser (von links).

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In einem Wort sollten die 80 Anwesenden die Ortsteile Wädenswil, Au, Schönenberg und Hütten beschreiben. Sie taten dies via Smartphone. Auf der Leinwand in der Kulturhalle Glärnisch erschienen kurz darauf Wortwolken, zusammengesetzt aus den eingetippten Begriffen. «Lebensqualität» und «urban» stand etwa bei Wädenswil, «Halbinsel» und «industriell» bei der Au.

In Schönenbergs Wolke bildete das Wort «ländlich» den Mittelpunkt, bei Hütten waren es «Erholung» und «Bergdorf».

Typischer Mix

Dies sei eine Spielerei, sagte Michael Emmenegger, Spezialist für Analyse und Management sozialer Prozesse, der den Anlass moderierte. Emmenegger begleitet die Revision der Wädenswiler Bau- und Zonenordnung, die wegen der Eingemeindung von Schönenberg und Hütten notwendig wurde und bis ins Jahr 2022 andauert. Es geht um Fragen wie diejenigen, wo gearbeitet und gewohnt wird, wo der Verkehr fliessen, wo es grün bleiben oder wie hoch und dicht gebaut werden soll.

Der Prozess findet unter Mitwirkung der Bevölkerung statt. Deshalb hat die Stadt diverse Veranstaltungen geplant. Diejenige am Mittwochabend war die zweite.

Die «Spielerei» wurde an dieser Veranstaltung mit dem Titel «Vier Orte, eine Stadt?» durch ein Fachinput des Wädenswiler Historikers Adrian Scherrer ergänzt. Er zeigte auf, weshalb die Mischung aus städtischem und ländlichem Flair charakteristisch ist für die Region rund um Wädenswil. Dabei berief er sich unter anderem auf den im Jahr 1907 verfassten Roman «Der Gehülfe» von Robert Walser, in dem dieser den Schauplatz Wädenswil alias «Bärenswil» als Dorf mit eben solchem gemischtem Charakter beschrieb. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte die einsetzende Industrialisierung der Gemeinde am See grossen Aufschwung.

«In Hütten braucht es keine zusätzlichen Einfamilienhäuser, es gibt genug leerstehende.»Sandra Mächler-Lattmann

Auf der anderen Seite fehlte den Berggemeinden der Zugang zum praktischen Transportweg über Wasser, weshalb dort der wirtschaftliche Aufschwung, der mit Urbanisierung einherging, weitgehend ausblieb. «Hütten machte im 19. Jahrhundert aber ein rentables Geschäft mit dem Tourismus», sagte Scherrer. Der Zusammenschluss der drei Ortsteile zur Grossgemeinde Anfang 2019 habe die Mischung aus Stadt und Land noch intensiviert.

Am folgenden Podiumsgespräch waren Vertretungen aller Ortsteile anwesend. Der Alltag habe sich seit dem Zusammenschluss kaum verändert, weder in Schönenberg, wie Ueli Landis Präsident des Dorfvereins sagte, noch in Hütten, wie Sandra Mächler-Lattmann, Vorstandsmitglied des Quartiervereins, bestätigte. Schönenberg war im Publikum durch zwei Personen, Hütten und die Au durch je acht Personen vertreten, wie diese per Handzeichen bezeugten.

Verdichtung im Zentrum

Stephan Käppeli gehörte ebenfalls zu den Mitdiskutierenden. Der Professor für Betriebs- und Regionalökonomie an der Hochschule Luzern hat sich auf Gemeindefusionen spezialisiert. Wädenswil sei kein gewöhnlicher Fall, weil sich hier eine grosse Gemeinde mit zwei sehr kleinen zusammengeschlossen habe. Damit die kleinen Ortsteile ihre Bedürfnisse weiterhin artikulieren könnten, brauche es anerkannte Ortsvereine mit einem Anhörungs- und Vorschlagsrecht, sagte Käppeli. In Schönenberg, Hütten und auch in der Au gibt es solche Gruppen.

Auf Nachfrage von Moderator Emmenegger nannten deren Vertreter Landis, Mächler-Lattmann und Kathrin Felder für die Au, Gefässe, in denen sie von der Stadt angehört würden. Es sind dies die Schönenberger Dorfversammlung, die Hüttner Arena und die «Chropfleerete» in der Au. Stadtrat Heini Hauser (SVP) sagte, dass die Stadt die Eigeninitiative von Bewohnern der Ortsteile nicht nur unterstütze, sondern sie erwarte.

«Man muss die Vielfalt als Stärke nutzen»Stephan Käppeli

Ein weiteres Thema war die Verdichtung. Diese findet hauptsächlich im Zentrum statt, informierte Hauser. Ein Örtler im Publikum warf die Frage auf, ob es möglich sei, in der Au ein Gebiet auszuzonen und stattdessen im grünen Schönenberg oder Hütten zu bauen. Bei Mächler-Lattmann stiess er auf taube Ohren. «In Hütten braucht es keine zusätzlichen Einfamilienhäuser, es gibt genug leerstehende.» Und auch Landis sieht andere Prioritäten für Schönenberg: «Man müsste die ungenutzten landwirtschaftlichen Gebäude einem neuen Zweck zuführen.»

Einigkeit bestand unter den Podiumsteilnehmenden darin, dass es die Verschiedenheiten der Ortsteile zu pflegen gelte. «Man muss die Vielfalt als Stärke nutzen», schloss Käppeli. Dann werde man als Grossgemeinde auch langfristig erfolgreich sein.

Nächste Veranstaltung am Mittwoch, 27. November, 19.30 Uhr in der Kulturhalle Glärnisch. Weitere Informationen: www.stadtneuland.ch.

Erstellt: 14.11.2019, 17:00 Uhr

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